Unreal Tournament 2004
Entwickler:
Epic Games
Publisher:
Atari
Genre:
Action
USK Freigabe:
Freigegeben ab 16 Jahren gemäß 14 JuSchG.
ca. Preis:
45,00 €
Systeme:
PC
Inhalt:
Try a bigger gun! Das Warten hat sich gelohnt! Nach mehrmaligem Verschieben des Releasetermins haben es die Jungs von Epic doch noch geschafft.Unreal Tournament 2004 ist endlich erschienen. Und nachdem ich seinerzeit schon den Vorgänger abgefeiert hatte, war es Ehrensache, daß ich auch den Nachfolger auf Herz und Nieren prüfe. Das wichtigste Ergebnis zuerst: ich finde das neue UT besser als das indizierte Vorjahresmodell. Und warum das so ist, erfahrt Ihr, wenn Ihr weiterlest.
Meinung:
"Der will doch nur spielen" Hielten sich die Verbesserungen des Vorgängers gegenüber der ursprünglichen Fassung - von der genialen Grafik mal abgesehen - in überschaubaren Grenzen, haben die Entwickler diesmal alles richtig gemacht. Ein komplett neuer Spielmodus, neue Waffen, eine überarbeitete KI, ein ausgebauter Solo-Modus - all dies trägt dazu bei, daß mit Unreal Tournament 2004 das beste Spiel der Unreal-Reihe vorgelegt wurde. Wie schon beim Vorgänger (indiziert) habe ich mich im besonderen für den Singleplayer-Modus interessiert, da ich auch nach all den Jahren kein Online-Gamer geworden bin. War der ältere Bruder noch ganz auf Multiplayer-Ballereien ausgelegt, dem man eher nebenher einen Solomodus spendiert hatte, gewinnt die Singleplayer-Variante im neuen Teil der Reihe eine viel höhere Gewichtung. Der Karrieremodus wurde erweitert und ist jetzt um einiges motivierender als zuvor. Der Anreiz, die Ladder durchzuzocken, um zu höchstem Ruhm und Anerkennung zu gelangen, ist immens. Auch die Charakterverwaltung wurde ein wenig ausgebaut. Und dann ist da noch die zumindest in den Teamplay-Varianten verbesserte KI der Bots. Zwar benehmen sich die Datenheinis und -mädels nach wie vor bei gesteigertem Schwierigkeitsgrad nicht sonderlich viel besser als auf niedrigerer Stufe, doch zeigen sie jetzt wenigstens einen Ansatz von taktischem Vorgehen. Beim Deathmatch und anderen Hau-drauf-Modi habe ich allerdings nicht das Gefühl, gegen eine Form von besonderer künstlicher Intelligenz anzutreten. Hier äußert sich ein höherer Schwierigkeitsgrad lediglich in der Schnelligkeit und Zielsicherheit, mit der die Pixelbuben gegen mich antreten. Aber man ist ja heutzutage schon mit kleinen Dingen zufrieden. In Teamspielen beachten meine KI-Kollegen tatsächlich die Anweisungen, die ich ihnen gebe, und sie arbeiten recht effizient zusammen. Da kommt Freude auf. Wenn ich von fünf Datensklaven drei mit meiner Deckung beauftrage, so daß ich in aller Ruhe von höherer Position snipern kann, ist das vielleicht nicht die feine englische Art, macht aber Spaß. Waffenkontrollen Auch im Bereich Kaliber, Kanonen und Kopf-ab-Technologie hat UT 2004 einige Neuheiten zu bieten. So könnt Ihr im "Onslaught"-Modus erstmalig auch Fahrzeuge benutzen - Halo läßt grüßen. Besonders nett: jedes Flieg- und Fahrzeug steuert sich anders. Die kleinen Mantas beispielsweise sind aparte, wieselflinke Hüpfmaschinchen, mit denen Ihr Euch auf Tastendruck kräftig vom Boden abstoßt und dann durch die Luft gleitet. Zwar sind die Dinger nur unzureichend bewaffnet, dafür erreicht Ihr jeden Punkt der Map binnen kürzester Zeit. Kleiner Nebeneffekt: wenn Ihr Euch auf dem Haupt eines Gegners abstoßt, braucht der sich über Kopfschmerzen keine Gedanken mehr machen. Daneben bitten noch Jeeps, wendige und gutbewaffnete Gleiter sowie ein dicker Panzer um Eure Aufmerksamkeit. Ebenfalls geil: der Leviathan, ein riesiges Ungetüm auf Rädern, das zwar ziemlich langsam ist, dafür aber richtig viel einstecken kann. Außerdem hat das Ding ein verdammt großes Geschütz am Start. Da freut sich doch das Männerherz. Wer allerdings glaubt, daß er ein Match automatisch gewinnt, sobald er diesen Traum auf Rädern erbeutet hat, liegt falsch. Den Entwicklern ist nämlich ein nahezu perfektes Balancing gelungen. Trotz aller Panzerung und Feuerkraft hat auch der Leviathan seine Schwachstelle. Gegen Angriffe von oben ist das Teil nämlich weniger gut geschützt, da die Kanonen nicht mit der Schnelligkeit der Fluggeräte mithalten können. Es kommt eben doch nicht immer auf die Größe an, meine Herren... Spieltrieb Bevor ich noch weitere abgestandene Kalauer reiße und mir den Unmut meiner Gespielinnen zuziehe, wechsle ich lieber das Thema. Wie schon angedeutet, wartet Unreal Tournament 2004 mit einer Menge unterschiedlicher Spielmodi auf, von denen allerdings nur einer komplett neu ist, nämlich der oben schon vorgestellte Teammodus "Onslaught". Hierbei müßt Ihr mit Eurer Truppe sogenannte "Power Nodes" erobern. Das sind neutrale, auf der Map verstreute Powerknoten, die einen Reaktorkern in Eurer Basis mit einem Schutzschild versehen. Die Nodes sind durch eine imaginäre Linie miteinander verbunden. Das ist wichtig, denn sobald Ihr genau jene Powerknoten erobert habt, die den gegnerischen Reaktorkern von der Energiezufuhr abschneiden, ist das gute Stück verwundbar. Dann heißt es, so schnell wie möglich den Gegnern einen Besuch in der Basis abzustatten und den Kern unter Feuer zu nehmen, bis der sich in Rauch auflöst. Das ist alles weitaus leichter gesagt als getan, denn natürlich haben Eure Mitbewerber genau das gleiche mit Eurem Energiekern vor. Dadurch entbrennt natürlich um jedes Kraftfeld ein heißer Kampf, denn sobald Ihr eines erobert habt, kann der Gegner es zerstören und wiederum für seine eigenen Zwecke wieder aufbauen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hatte ich das Prinzip verstanden und konnte mich effizient an der fröhlichen Schlachteplatte beteiligen. Und die speziellen Onslaught-Wummen, die in dieser Spielvariante auch den Fußsoldaten zur Verfügung stehen, sorgen eh für jede Menge Gaudi. Die anderen Spielvarianten sind entweder schon aus dem indizierten Vorgänger bekannt oder waren im "Urvater" der UT-Reihe enthalten, wie der beliebte "Assault"-Modus. Hierbei muß Euer Team zunächst eine Basis angreifen oder einen bestimmten Ort einnehmen, wobei einige Unterziele zu erreichen sind. Damit Ihr Euch nicht verlauft und die richtige Reihenfolge der Aufgaben einhaltet, weist Euch ein Pfeil am oberen Bildschirmrand stets den korrekten Weg zum nächsten Ziel. Der Job muß innerhalb einer bestimmten Zeit erfüllt sein. Die Gegner haben in dieser Zeit die ehrenwerte Aufgabe, den einzunehmenden Punkt zu verteidigen. In der nächsten Runde wechselt Ihr die Seite und müßt den zuvor erstürmten Punkt gegen die übellaunige Soldateska der schändlichen Gegner verteidigen. Warum es diese beliebte Variante nicht in den Vorgänger geschafft hatte, wird mir auf immer ein Rätsel bleiben. Doch Marc Rein und den Seinen sei hiermit vergeben, denn "Assault" ist zurück, schöner und abwechslungsreicher als zuvor. Hier werden Sie geholfen! Sehr erfreulich sind auch einige Hilfestellungen, die Epics Entwickler dem Spiel spendiert haben. So gibt es jetzt auf Knopfdruck einen farbigen Schemen, der sich in Richtung Eures Levelziels schlängelt. Bei Deathmatches ist eine solche Hilfestellung natürlich Unfug, aber spätestens bei den zum Teil riesigen CTF-Maps erweist sich dieser kleine Trick als echte Hilfe. Wollt Ihr den Weg zur roten Basis wissen, folgt Ihr dem roten Schemen, der blaue läßt Euch logischerweise in Richtung der blauen Flagge rennen. Beide Teams können sich natürlich beide Wege anzeigen lassen, so daß niemand im Vorteil ist. Gut ist auch die zoombare Übersichtskarte im "Onslaught"-Modus, auf der Ihr Euch hervorragend orientieren könnt. So funktionieren Absprachen gleich viel besser, finde ich. Außerdem zeigt die Karte auch, welche der auf der Map verteilten Powerknoten erobert werden können und welche blockiert sind. Brüllaffen Praktisch unverändert gegenüber dem Vorgänger, aber immer noch gut: die Soundausgabe von UT 2004. Die Musik ist laut und wuchtig, die Sounds der Wummen sind fett. Besonderer Beliebtheit haben sich seit jeher die coolen Sprüche der Kombattanten erfreut. Eingesteckte Treffer werden mit Kraftausdrücken quittiert, die nicht gerade der hohen englischen Sprachschule entspringen, und Frags ziehen launige Sprüche vom Schlage "Try a bigger gun" nach sich. Die deutsche Version steht dem in nichts nach. Auch hier erfreuen wieder Ausdrücke von erlesener Deftigkeit unsere Ohren. Und wem das noch nicht reicht, dem empfehle ich ein entspanntes Deathmatch im heimischen Netzwerk. Was man da zu hören bekommt, wird wohl niemals in einem Spiel vertont werden... Grafisch präsentiert sich Epics neues Baby in gewohnt hoher Qualität, wobei diese natürlich stark von der eingesetzten Hardware abhängt. Da ich netterweise zwei Testmuster zur Verfügung hatte, konnte ich einige diesbezügliche Vergleiche anstellen. Das Programm paßte sich dabei recht gut den zur Verfügung stehenden Ressourcen meiner Rechenknechte an. Das ist natürlich bei LAN-Matches wichtig, in denen die Teilnehmer über unterschiedlich leistungsfähige Datensklaven verfügen. Der Gore-Faktor von UT 2004 hält sich übrigens in Grenzen. Getroffene Spielfiguren fallen um oder fliegen durch die Luft, aber auf übermäßige Splattereffekte wurde verzichtet. Das Spiel hat von der USK eine Altersfreigabe ab 16 Jahren bekommen, was mich ein wenig überrascht hat. Angesichts der Tatsache, daß der Vorgänger sogar indiziert wurde, ging ich von einer USK-18-Einstufung für das Programm aus. Damit wäre es auch noch vor einer Indizierung sicher gewesen und könnte trotzdem nur volljährigen Gamern zugänglich gemacht werden. Und das ist bei Spielen vom Schlage eines Unreal Tournament 2004 meiner Ansicht nach auch angemessen. Doch schlußendlich hat die Testertruppe um Dr. Gerstenberger, den Chef der USK, ihre Entscheidung wohlüberlegt getroffen. Und das beschert allen Zockern ab 16 Jahren das beste UT aller Zeiten.
Fazit:
Unreal Tournament 2004 ist eine runde Sache. Auch wenn sich optische Veränderungen gegenüber dem Vorgänger arg in Grenzen halten, hat sich die Neuauflage in jedem Fall gelohnt. Neue Spielmodi, neue Skins, eine meiner Ansicht nach verbesserte KI und natürlich eine Reihe neuer Wummen sorgen dafür, daß auch der jüngste Sproß aus dem Hause Epic für lange Zeit einige Gigabyte meiner Festplatten belegen wird. Erfreulich auch die Tatsache, daß sich das Programm recht geschmeidig an die Hardwaregegebenheiten des Rechners anpaßt. Ich habe das Spiel auf zwei unterschiedlichen Datenschleudern installiert, von denen der eine nach heutigen Maßstäben durchaus als betagt zu bezeichnen ist. Doch auch das Rentnermaschinchen hat den UT-Programmcode klaglos geschluckt und vernünftige Ergebnisse auf den Monitor gezaubert. Da kommt Freude auf! Der Sound präsentiert sich in gewohnter Qualität. Die Sprüche und Kommentare der Kombattanten sind dabei hinlänglich bekannt, doch angesichts der guten Präsentation stört das wenig. Auch die deutsche Übersetzung ist wie beim Vorgänger recht gut, was angesichts der vielen unsäglichen Lokalisierungen, die mir im Laufe meiner Karriere untergekommen sind, nach wie vor nicht selbstverständlich ist. Der neue Spielmodus "Onslaught" bringt gepflegtes Taktieren ins ballerische Einerlei, und die neuen Fahr- und Fliegzeuge sind klasse. Der im Vorgänger schmerzlich vermißte Assault-Modus hat es in leicht verbesserter Form auch wieder ins Spiel geschafft, und jede Menge neuer Maps gibts auch. Wer wie ich lange auf Epics neuen Sproß gewartet hat, sollte unbedingt zugreifen. Ein besseres UT gibt es nicht.
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Autor der Besprechung:
Jörg Pitschmann

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