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Black Desert
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Black Desert war für mich vor allem ein umfangreicher Charaktereditor mit angehängtem Asia-Grind und Gender-Lock. Eines dieser asiatischen MMORPGs, die in letzter Zeit immer häufiger zu uns rüberschwappen und für Theme Park-MMOler oft einfach völlig uninteressant sind. Am Ende der letzten Closed Beta Phase von Black Desert muss ich eingestehen: ich habe mich völlig geirrt.

Mächtiger Charaktereditor mit Einschränkungen
Ich hatte schon viel von dem mächtigen Charaktereditor gehört und noch mehr gesehen. Sexy, fast fotorealistische Pixel-Frauen, die in Foren und Youtube-Videos zur Schau gestellt wurden. Man sah zum Teil nachgebaute Gesichter bekannter Stars wie Emma Watson, Ellen Page, Anne Hathaway oder Benedict Cumberbatch. Das schindet nicht nur Eindruck, da will man sofort selber ran an die Regler. Das durfte ich dann ja zum Glück auch.

Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht von dem Charaktereditor. Habe ich zu hzohe Erwartungen gehabt? Natürlich kann man ganz wunderbar an den Gesichtern und Körperproportionen herumspielen, fast wie in einem 3D-Programm, aber weniger über Schieberegler, sondern vor allem durch das Drücken und Ziehen der vielen Ankerpunkte und Flächen, die über das Gesicht verteilt sind. Dadurch kann man viel feiner justieren und das Gesicht ausmodellieren. Eigentlich Genrespitze, woher also dann die leichte Enttäuschung? Das liegt vor allem daran, dass die Entwickler durch das Vorhandensein der Ankerpunkte immer noch bestimmen, was und wie weit etwas verändert werden darf und zweitens, dass das Artdesign der Klasse gewisse Parameter vorgibt. Das ist zwar für die Identität des Spiels und der Klasse verständlich, trotzdem geht mir das bei einigen Klassen etwas zu weit. Eine Tamerin zum Beispiel hat immer leicht kindliche und asiatische Züge. Eine Zauberin wird im direkten Vergleich größere Brüste haben, ein Zauberer immer alt aussehen. Ein Plünderer wird auch weniger als Legolas durch Eleganz im Gesicht bestechen. Alles kein Beinbruch, innerhalb des Artdesigns ist Black Desert in den Charakteroptionen fantastisch, man sollte es nur vorher wissen.

Esel

Durchwachsener Einstieg
Nach dieser Mini-Enttäuschung gab es direkt zu Anfang zwei weitere Dämpfer, von denen ich zumindest einen erwartet hatte. Vorbereitet war ich auf die eher bescheidene Geschichte. Ein komischer schwarzer Nebelgeist fungiert als “Erzähler” und treibt die Hauptquestreihe voran. Auch andere NPCs sind eher schlechte Geschichtenerzähler. Schnell kommt man in die Versuchung, sich stumpf durch die Quests zu klicken. Man kennt das ja aus asiatischen Online-Rollenspielen. Die zweite Überraschung: durch einen Druck auf die Taste “T” rennt mein Charakter automatisch zum nächsten Questpunkt, den ich ausgewählt habe. Bitte was? Normalerweise stören mich schon Pfeile, die einem den Weg zeigen. Die Krönung der Usability oder der Untergang des MMO Abendlandes?! Schnell lernte ich diese Funktion aber zu schätzen und in Black Desert macht Sie wirklich Sinn. Dazu später mehr.

Grind? Ich liebe es!

Ihr merkt, der Einstieg war holprig. Warum bin ich außer der Neugierde noch dran geblieben? Da kommen wir direkt zum ersten großen Pluspunkt: das Kampfsystem. Kennt ihr TERA? Dann kennt ihr ein wenig Black Desert.Es gibt weniger Attacken als in herkömmlichen MMOs, dafür kommt es auf Reaktionsschnelligkeit, das richtige Timing und auf das Verketten von Combo-Effekten an. Viele Fähigkeiten lassen sich durch Tastenkombinationen in Verbindung mit den Bewegungstasten abfeuern, einige sind klassischer Natur über die Actionbar abrufbar. Es spielt sich dabei wahnsinnig flüssig, absolut präzise und ist optisch ein absoluter Leckerbissen. Ich hätte in den ersten Stunden gar keine Quest gebraucht. Gib mir ein paar Mobs, am besten in Gruppen, eine Klasse aus Black Desert und ich habe Spaß. Elitegegner oder Bossbegegnungen aus Questreihen - zum Teil für Kleingruppen gemacht - lassen sich auch Solo machen. Dann muss der Ablauf der Fähigkeiten und die Bewegungen aber sitzen. Ich würde fast so weit gehen und sagen, dass Black Desert das zur Zeit beste Kampfsystem der MMOG-Landschaft hat. Fast, weil ich in der Closed Beta natürlich nur einen Ausschnitt sehen konnte und nicht weiß, wie sich die Skillvielfalt und der Anspruch im Endgame beweisen.

brauen

Abseits des Schnetzelns
Schnell wird einem nach dem Abkühlen des ersten Kampfrausches klar, dass Black Desert einiges anders macht und früher, als man denkt, ist man abgelenkt vom fesselnden Kampf und hingezogen von dem, was ich vorsichtig Sandboxelemente nenne. Früh kriegt man zu jedem Thema Einführungsquests, die aber alles nur ganz kurz umreißen. Wer ernsthaft in ein Spielelement einsteigen will, sollte zumindest die Ingamehilfe durchlesen, die mehr ein Wiki ist und weniger ein Tutorial. Anfänglich habe ich mich mit Begeisterung ins Crafting gestürzt. Eine Sache die mir sonst weniger Spaß in MMOs macht, ist hier motivierend umgesetzt. Die vielen Berufe sind gut miteinander verzahnt, auch hat man zuerst gar keine festen Rezepte oder Bauanleitungen, sondern man kann auch viel probieren. Ich habe Bäume gefällt und Erze gesammelt, um Möbel für mein erstes Haus herzustellen. Ich habe Kartoffeln gesucht, dann geerntet, um sie zu Mehl zu verarbeiten. Dieses Mehl konnte ich durch schütteln mit Wasser wiederum zu einem Brei verarbeiten. Die Ausführung der Arbeit macht auch optisch ordentlich etwas her, alles ist wunderbar animiert. 

Doch Handwerk ist nicht alles. Richtig innovativ ist die Ressource "Wissen" und das dazugehörige Minispiel. Alles, was ich im Spiel erlebe, sei es Unterhaltungen mit NPCs, das Besiegen von Gegnern oder das Erkunden der Welt, kann mir Einträge in der Wissensdatenbank geben. Spreche ich nun einen der unzähligen NPCs an, kann ich mit ihm ein Gespräch-Minispiel starten. Hierbei hat der NPC gewisse Vorlieben zu einem Thema, meistens andere Personen, die man getroffen hat, eine Gesprächsstufe und eine Anforderung in Gunst oder Wissen. Nun muss ich versuchen, auf einem Diagramm mein gesammeltes Wissen so zu platzieren, dass ich damit meinen Gesprächspartner beeindrucke. Bei Erfolg erhöhe ich mein Ansehen bei diesem NPC. Mancher Charakter verkauft einem dann zum Beispiel bessere Waren oder hat ganz neue Quests. 

Da die Closed Beta zeitlich begrenzt war, konnte ich in das Handelssystem leider nur ganz kurz reinschnuppern. Aber auch hier, ähnlich wie das Crafting, steckt ordentlich Tiefgang drin. Wer möchte, kann sich in manuell erstellbaren Handelsrouten auf der ansehnlichen Worldmap austoben oder sich Grafiken zur Preisentwicklung diverser Güter zu Gemüte führen. Ich weiß nicht, ob das hier das EVE Online für Fantasy-Liebhaber wird, aber es ist zumindest für Spieler, die lieber Händler als Kämpfer sind, sicher einen Blick wert. 

Da man alleine kaum Handelsrouten abklappern, Mobs töten und gleichzeitig auch noch Crafting betreiben kann, ist es in Black Desert möglich, Arbeiter anzustellen. Die übernehmen dann gerne den Knochenjob, allerdings verlangen Sie dafür ein Dach über dem Kopf. Und so kommt man vom Crafting über Handel zum Immobilienkauf. Für mich, für meine Tiere, um Viehzucht zu betreiben, für die Arbeiter, für meine Waren. Das Wunderbare ist, dass man sich kaum Bauplätze wie in ArcheAge klauen kann. Dort bin ich wochenlang durch die Gegend gezogen, um überhaupt Platz für eine kleine Hütte zu finden. Ein absoluter Spielspaßkiller. In Black Desert kann sich jeder in fest definierten Häusertypen die auf der Worldmap zu sehen sind, eine eigene Instanz dieser Immobilie aneignen. So sehen erstens die Städte und Dörfer wesentlich ansehnlicher als in ArcheAge aus und zweitens gibt es keinen Bauplatzmangel.

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Obacht Theme Park-MMOler
Bei all der Begeisterung, die ich verspürte, als ich von einem Spielelement ins nächste schlitterte und sich meine Einstellung von skeptisch zu Releasespieler wandelte, gibt es natürlich auch gewisse Dinge, die einem den Spielspaß verhageln können. Gender-Lock zum Beispiel. Mich stört es nicht und es ist typisch für ein asiatisches Spiel, aber für viele mag es ein Problem sein, dass eine Zauberin immer weiblich ist oder der Krieger immer männlich. Da wird laut den Entwicklern auch nicht mehr dran gerüttelt. Ebenfalls sollte man wissen, dass Black Desert keine Raid- oder Gruppeninstanzen bietet. Es wird World Bosse geben, aber der Fokus liegt ganz klar auf PvP und den Sandboxelementen. Wer MMOs spielt, weil er gerne in Instanzen seine Items farmt, muss dann bei den Theme Park-Online Rollenspielen bleiben. 

Eingangs erwähnte ich das automatische Ansteuern von Zielen des Spielers und warum es in Black Desert Sinn macht. Es wird auch hier einigen nicht gefallen, aber ich fand es ehrlich gesagt großartig. Es gibt keine Teleportation, Ruhesteine oder Portale. Kein “Klick” und ich bin in der Hauptstadt, kein “Klick” und zack bin ich zurück, um schnell ein paar Quests abzugeben. Es mag unkomfortabel wirken, aber so entsteht endlich einmal wieder ein Gefühl für die Weite einer Landschaft. Gezwungenermaßen ist man daher manchmal wirklich länger zu Fuß unterwegs. Damit der Finger nicht einschläft, ist das automatische Laufen zu einem Ziel daher ein Entgegenkommen für das Fehlen der Portale.

Was für die Augen
Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Optik. Black Desert ist ein MMO und dieses Genre war bisher nie bekannt dafür, in Sachen Optik Maßstäbe zu setzen. Singleplayer-Spiele waren den Online-Spielen bei der reinen Grafikqualität oft weit überlegen. Black Desert ist wohl eines der ersten MMOs, bei denen ich dachte, dass sich hier eher manche Singleplayer-Spiele eine Scheibe abschneiden sollten. Black Desert sieht wirklich unverschämt gut aus und das schon auf Mittelklasse-PCs. Die Wettereffekte, die Kampfanimationen, die Texturen und das Artdesign mit seiner asiatischen Interpretation der westlichen Fantasy wissen in jeglicher Weise zu überzeugen.

Fazit

Meine Güte, selten hat mich eine Beta so im Tiefgang gefesselt. Handel treiben, Güter herstellen, Häuser kaufen, dazu die Minispiele in Form von NPC-Konversationen und man wird durch Content abseits der typischen MMO-Tugenden völlig erschlagen. Das Kampfsystem macht mehr als Laune, selbst bei stumpfen Grindquests und der Charaktereditor ist großartig, wenn man weiß, was einen erwartet. Da muss schon mindestens genauso viel schief gehen, wie bei ArcheAge, damit das hier noch ein Flop wird. Aber aufgepasst: durch Genderlock und fehlenden PvE-Instanzcontent ist es sicher kein MMO für Jedermann.

Winken




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Special vom: 02.02.2016
Autor dieses Specials: Christian Jacob
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