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Brettspiele - Quadropolis
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Quadropolis_1Quadropolis, du hättest es verdient gehabt, auf die Spiel des Jahres-Liste 2016 zu kommen! Ich persönlich finde, seit meinen exzessiven Sim City-Zeiten um 1991 auf dem SNES ist das Thema Städtebau immer leicht unsexy. In der Vergangenheit hat aber Suburbia oder aktuell Machi Koro gezeigt, dass diese Einschätzung nicht ganz richtig ist und Quadropolis reiht sich da ganz locker ein.

Quadropolis, die bunte Stadt
Quadratisch, praktisch und bunt, nein, nicht die Schokolade, sondern das Spielmaterial von Quadropolis. Die Plättchen sind allesamt schön gestaltet, haben eine knallige Farbigkeit und die Gebäude in ihrer quadratischen Form erinnern wirklich an Sim City-Parzellen. Hier werden Vielspieler wie auch Kinder sofort abgeholt, weil klinisches Design vom Reißbrett eines Architekturstudenten hier, im Gegensatz zu Suburbia, ein Fremdwort ist. Die Haptik ist, bis auf die mir etwas zu dünnen Baupläne der Spieler, super, weil alles aus robuster Pappe besteht. Das Erbauen einer Stadt geht schon ab acht Jahren los, ist schnell begriffen, fordert auch noch Erwachsene und bietet mit dem Classic- und Expertmodus anpassbare Anforderung.

Sim City lässt grüßen
Ziel des Spiels ist es, nach vier Spielrunden (im Expertmodus fünf) die meisten Siegpunkte mit seiner gebauten Stadt zu ergattern. Das gelingt durch das richtige Platzieren der Gebäude auf den begrenzten Baufeldern und erinnert an bekannte Städtebau-Simulationen. Ein Park bringt Punkte durch benachbarte Wohnhäuser, während diese durch ihre Etagenanzahl skalieren, Industrieanlagen machen sich gut neben Gewerbeeinheiten, wer dazu noch in jedem Bezirk eine Verwaltung errichtet, ist auf einem guten Weg. Alles lässt sich oft nicht umsetzen, denn der Bauplatz ist begrenzt, ebenso die Gebäude, um die man sich mit den anderen Mitspielern streitet.

Architekten haben's schwer
Warum der Städtebau schwerer und kompetitiver ist, als man vielleicht vermutet, liegt an der Spielmechanik, wie Gebäude ausgewählt werden können. In der Mitte des Tisches liegt in Form eines Rasters aus 25 Feldern die Baustelle aus. Hier werden pro Spielrunde aus einem Beutel verdeckt die Gebäudeplättchen der jeweiligen Spielrunde gezogen und auf das Rasterfeld gelegt.

Zusätzlich besitzt jeder Spieler vier Architektenplättchen nummeriert von eins bis vier. Ist man an der Reihe, legt man außerhalb des Baustellen-Tableaus einen Architekten an und darf sich dann das Gebäude nehmen, welches in der Reihe der Zahl des Architekten entspricht. In die entstandene Lücke setzt man dann den Stadthalter-Spielstein, der für den folgenden Spieler die Reihe und Spalte, in der der Stadthalter steht, sperrt. Ich habe den Stadthalter hassen gelernt! Aber auch gegnerische Architekten, die selber auch Reihen blockieren und Gebäude vor der Nase wegklauen, verflucht man. Hier sei allerdings angemerkt, dass, bis auf diese Beispiele, direkte Interaktion komplett flach fällt.

eclate_versions_4476Baustelle-und-Stadttableau
Ihr könnt mir glauben, die Kombination aus passender Architektennummer und Gebäude ist schwer genug, vor allem, weil man vier Züge spielt, bis man die Architekten zurückerhält und so in jedem Zug die Optionen begrenzter werden, aber der Clou kommt erst jetzt! Das erhaltende Gebäude darf ich nun auf mein Stadttableau setzen, welches aus einem 16er-Raster besteht, aber nicht irgendwo hin, sondern in die Spalte und Reihe, die dem gespielten Architekten entspricht. Runtergebrochen heißt das: Der Architekt muss zum Gebäude auf der Baustelle passen und beides zusammen dann auch noch in meine Stadt. Das klingt nicht nur knifflig, das ist verdammt harter Städteplaner-Wahnsinn. Ein Wahnsinn der herrlich viel Spaß bereitet.

Arbeitsamt und Umweltverschmutzung
Du hast gedacht, Gebäude platzieren und dann läuft die Stadt? So mag manch realer Stadtplaner vorgehen, aber in Quadropolis muss man sich zusätzlich um den Energiehaushalt und die Einwohner kümmern. Ohne Energie kann man viele Gebäude nicht aktivieren und dann gibt es am Ende keine Punkte, also schön Industrieanlagen bauen, die für Energie in Form eines roten Sechsecks sorgen. Ohne fleißige Arbeiter wird in der Industrieanlage aber keine Energie hergestellt! Gut, dass man durch Wohnhäuser Einwohner erhält, die Gebäude wie Verwaltung-, Industrie- oder Gewerbeeinheiten aktivieren. Nun aber schön Energie produzieren, auf dass die Schornsteine qualmen!? Nicht zu empfehlen, denn nicht verteilte Energie bringt am Ende Minuspunkte, Stichwort Umweltverschmutzung, genau wie "arbeitslose" Einwohner, die Siegpunkte wieder schmelzen lassen. Herrlich, wie simpel das Spiel Mechaniken verzahnt, aber trotzdem taktisch ungemein fordert.

Expertenmodus
Hat man sich im Classic-Modus ausgetobt, wartet im Experten-Modus die wahre Herausforderung. Hier ist der Stadtplan der Spieler größer, die Bezirke sind anders aufgeteilt und man hat neben zusätzlichen Bürogebäuden und Monumenten, keine festen Architekten mehr. Diese liegen von allen Spielern frei verfügbar in der Tischmitte aus und wer dran ist, darf sich bedienen. Bedeutet, mit Pech komme ich an gewisse Architektenplättchen gar nicht ran, weil andere Spieler in folgenden Zügen die gleiche Zahl wählen. Der Expertenmodus ist also noch schwerer zu planen und ist auch eine Spur kompetitiver.

Fazit
Quadropolis ist wahnsinnig schnell erklärt, sieht zauberhaft aus und spielt sich sehr fix, falls man keine Megagrübler am Tisch sitzen hat. Die Einstiegshürde ist also sehr gering und so wundert es nicht, dass man hier schon ab acht Jahren sein Städtchen hochziehen kann. Das bedeutet aber nicht, dass Quadropolis leicht zu meistern wäre, dafür sorgt die äußerst verzwickte und innovative Architekten-Mechanik. Oft passt vielleicht das Gebäude oder der Architekt, aber dann hakt es am Stadttableau. Mit zunehmender Spielzeit wird es immer kniffliger, seine Gebäude gut zu platzieren und die Mitspieler sorgen für fiese Konkurrenz. Und als wäre das nicht genug, ist das Einwohner- und Energiemanagment auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ob nun Sim City-Fan, Familien- oder Vielspieler, Quadropolis ist absolut zu empfehlen!

Quadropolis

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Special vom: 06.06.2016
Autor dieses Specials: Christian Jacob
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