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Let's Watch: Wovon träumt das Internet?
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Wovon_tr__umt_das_InternetDas wir in unserer Let's Watch-Reihe einmal einen Film von Werner Herzog vorstellen würden, habe ich mir vor Kurzem auch noch nicht erträumen lassen. Doch wenn einer der bedeutendsten und intellektuellsten Filmemacher unserer Zeit ein Dokumentarfilm über das Internet macht und dieser dann, wie nun Geschehen, auf DVD und Blu-ray erscheint, müssen wir diese Gelegenheit nutzen - schließlich gäbe SplashGames ohne das Internet gar nicht.

Werner Herzog erzählt in Episoden die Geschichte der digitalen Welt von ihrer Geburt auf einem Uni-Campus in Kalifornien bis hin zu ihren ungewissen Zukunftsprognosen zwischen Utopie und Dystopie. In Interviews mit Wissenschaftlern und Experten, wie dem Tesla-Gründer Elon Musk, reflektiert er kritisch über die bedeutendste Erfindung des 20. Jahrhunderts, die unser Leben in jedem denkbaren Bereich radikal verändert hat. Cyberkriege, künstliche Intelligenz, der Verlust von Privatsphäre und Krankheiten als Folge der permanenten Bestrahlung - alle werfen die Frage auf, ob uns die Kontrolle über unsere Kreation bereits zu entgleiten droht. Was sind die Folgen einer Welt, in der digitale und reale Grenzen verschwimmen? (1 DVD)

Die unglaubliche Geschichte der digitalen Welt und ihrer unzähligen kleinen und großen Evolutionen und Revolutionen - erzählt und dokumentiert von Werner Herzog, einem der renommiertesten und spannendsten Filmemacher der Welt.

Filmkritik
Lo and Behold: Reveries of a Connected World, bzw. Wovon träumt das Internet?, wie der Film auf Deutsch heißt, ist aber keine 0815-Dokumentation über das Internet, wie man sie schon zig Male gesehen hat. Wie es bei einem Werner-Herzog-Film nicht anders sein kann, geht er das Thema auf seine ganz eigene Art an. Entstanden ist schließlich eine Aneinanderreihung verschiedener Episoden, die alle anders an das Thema Internet beleuchten, mal ganz direkt, ein anders Mal aber auch indirekt.
Den Anfang macht aber ein Blick zurück, um genau zu sein ganz an den Anfang des Internets. Herzog besucht nämlich den Raum an der University of California, in dem 1969 erstmals eine Verbindung mit einem anderen Computer gelang. Oder trifft er auf den Informatiker Leonard Kleinrock, der damals maßgeblich bei der Geburt des Internets involviert war und vor der Kamera davon erzählt.

In den weiteren Episoden, die alle voneinander getrennt sind, treten natürlich noch viele weitere Interviewpartner auf. Deren berufliche Herkunft ist dabei genauso breit gefächert wie die Themen, die in den einzelnen Episoden angesprochen werden. Mal sind es Wissenschaftler verschiedener Richtungen die zum Beispiel über die Entwicklung der Robotik, wie eine Sonneneruption einen Ausfall des Internets herbeiführen könnte und welche Auswirkungen dies auf die Menschheit hätten, oder wie man das Internet auf einem von Menschen bewohnten Mars bringen könnte. Es kommt aber etwa auch Paypal-Mitbegründer und Tesla-Gründer Elon Musk oder der wohl bekannteste Hacker der Welt, Kevin Mitnick zu Wort, der über die Sicherheit im Netz redet.

Neben vielen weiteren Internetpionieren und Experten, kommen aber auch ganz normale Menschen zu Wort, die die Schattenseite des Internets am eigenen Laib erfahren haben. So wie etwa ein Ehepaar, das mit ihren Töchtern an einem Esstisch sitzt (viel mehr sitzen die Töchter, die Eltern stehen dahinter). Die Eltern erzählen, dass eine ihrer Töchter sich mit dem Porsche des Vaters das Leben genommen hat und jemand ein Bild der verunglückten Tochter geschossen und anschließend an Freunde gesendet hat. Diese haben das Bild dann ins Internet gestellt, woraufhin der Vater wenig später eine Mail bekommen hat, in der nicht nur eine Verhöhnung geschrieben stand, sondern auch das Bild seiner toten Tochter. Es folgten viele weitere solcher Mails, in der die Familie verhöhnt oder auch beschuldigt wurde. Im Grunde genommen ist dies eine tragische Geschichte, doch dadurch das die Familie um den Esstisch, auf dem auch noch Muffins und Kuchenstücke stehen, drapiert wurde, immer wieder sekundenlang sprachlos in die Kamera blicken und die Mutter am Ende sagt, das das Internet die „Manifestation des Antichristen“ sei und alle Menschen die damit zu tun haben zu bösen Menschen machen, wirkt die Geschichte doch eher sehr abstrus und gekünstelt.

Ein weiteres Kapitel, das seltsam anmutet, ist das in dem Herzog eine Gemeinde besucht, die in der Nähe eines riesigen Radioteleskops gelegen ist. Hier dürfen, aufgrund der Arbeiten am Teleskop, keine Strahlungen ausgesendet werden, weshalb es dort keine Handys, kein Internet oder Ähnliches gibt. So weit, so gut. Allerdings sind die Leute, die sich dort angesiedelt haben, mitunter etwas seltsam. Eine Mutter und eine Tochter behaupten die Strahlungen zu spüren, weshalb die Mutter auch jahrelang in einem faradayschen Käfig gelebt hat, in dem sie vor der Strahlung abgeschottet war. Allerdings hat das auch nicht geholfen, weshalb sie eben an diesen Ort in der Nähe des Teleskops gezogen sind - der für sie das reinste Paradies ist und wo es ihr endlich wieder besser geht. Das Herzog solche Leute interviewt ist ja nicht schlimm, doch das der Ort an dem sie jetzt wohnen auch von ihm und seinen Bildern, als die reinste Idylle präsentiert wird, ist schon etwas fragwürdig. Wenn man sich die Bilder anschaut, in dem die Gemeinde Abend rund um ein Lagerfeuer sitzend glücklich auf ihren Banjos spielen und singen, wird einem der Eindruck vermittelt, das hier wirklich alles perfekt ist und jegliche Art von moderner Technik Teufelswerk sei. Kritische Fragen werden hier nicht gestellt.
Dasselbe Phänomen gibt es auch in einem weiteren Abschnitt des Films, wo Herzog das sogenannte Restart-Camp besucht, ein Einrichtung, in der jugendliche mit Internetsucht behandelt werden. Das die Jugendlichen darin aber scheinbar weniger an Internetsucht als vielmehr an Spielsucht leiden, wird allerdings nicht erwähnt. Und selbst genauere Fragen zu ihren Krankheiten werden hier nicht gestellt.

Bild & Sound
Zum Bild möchte ich diesmal nicht viel sagen. Schließlich handelt es sich bei Wovon träumt das Internet? um einen Dokumentarfilm, da darf man eben keine großartigen Special Effects oder besondere Kameratechniken erwarten. Hier gibt es eben die Doku-typischen Interviews und einige kleinere Filmchen, die alle nicht gerade durch ihre gestochene Schärfe überzeugen, aber für diesen Zweck durchaus in Ordnung gehen.
Beim Sound gilt im Prinzip das gleiche. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei natürlich auf die Interviews und auf Werner Herzogs Kommentare aus dem Off, die, auch aufgrund des genutzten Dolby Digital 5.1 (DVD) bzw. DTS Hd-Master Audio 5.1 (Blu-ray), auch allesamt gut verständlich sind. Wer sich den Film auf Deutsch anschaut, muss allerdings damit leben das die Deutsche Übersetzung über die Englische gelegt wurde, was manchmal etwas störend wirkt. Wer kann, sollte also nach Möglichkeit die englische Tonspur wählen.

Bonusmaterial
An Bonusmaterial bietet die uns zur Verfügung gestellte DVD leider nur den englischen und deutsch Film-Trailer sowie weitere Trailer zu anderen filmen. Interviews oder Audiokommentare, sucht man hingegen leider vergebens.

Fazit:
Herzog versucht in seinem Dokumentarfilm Wovon träumt das Internet? nicht etwa das Internet an für sich zu beleuchten, sondern alles, was auch nur vage damit zu tun hat. Leider hat dies zur Folge, das manche Episoden doch sehr vom eigentlichen Thema abschweifen oder nur ankratzen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn Herr Herzog sich mehr auf das eigentliche Kernthema konzentriert hatte, denn die Episoden wo es wirklich nur ums Internet, so wie etwa die erste Episode, in der über die Geburt des Internets gesprochen wird, sind mit Abstand die interessantesten.


Originaltitel: Lo And Behold: Reveries Of The Connected World
Darsteller: Elon Musk, Kevin Mitnick, Lawrence Krauss u.a.
Regisseur(e): Werner Herzog
Veröffentlichung: 23. März 2017
Studio/Verleih: Koch Media GmbH
Spieldauer: 95 Minuten
Altersfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

Wer jetzt Interesse daran hat, sich Wovon träumt das Internet? zu kaufen, kann dies u.a. über Amazon machen. Den Film gibt es dabei ab 14,49 Euro auf DVD und Blu-ray.
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Special vom: 26.02.2017
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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