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Fallout New Vegas

Entwickler: Obsidian Entertainment
Publisher: Namco Bandai

Genre: Action
USK Freigabe: keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: 53,95 €

Systeme: PC, PlayStation 3, Xbox 360

Ausgezeichnet mit dem Splash Hit Inhalt:
Obsidian Entertainment hat mit Fallout 3 im Jahr 2008 einen ganz großen Wurf gelandet, indem sie einen der Klassiker isometrischer Rollenspiele in die dritte Dimension gebracht haben. Fallout 3 war atmosphärisch brillant, extrem weitläufig und für Rollenspieler eines der besten Open-World-Spektakel überhaupt. Verdammt riesige Fußstapfen für einen Nachfolger, der bewusst die 4 im Namen vermeidet. Warum New Vegas kein Fallout 4 ist und trotzdem groß auftrumpft, klärt die Review! 

Meinung:
Mein schwarzer Mantel flattert im Wind, mein treuer Begleiter in Form einer MP steckt lässig im Halfter und und am Horizont geht blutrot die Sonne auf. Ein neuer Tag bricht an! Die postnukleare Hölle aus rauen Steppen, trostlosen Dörfern, verstrahltem Gebirge und der glitzernden Silhouette von Vegas selbst, winkt einem zum morgendlichen Gruß. Mein Blick senkt sich auf die Sonnenkollektoren die sich unter mir schillernd um das Kraftwerk schmiegen. Ich stehe in schwindelerregender Höhe viele Meter oberhalb der Kollektoren am Kontrollpult des Kraftwerks, genieße diesen Ausblick und frage mich: Wie werde ich die Welt verändern?! Aktiviere ich per Code die Auslösung einer geheimen Orbitwaffe und vernichte die komplette Garnison an RNK-Soldaten? Schenke ich den Mächtigen und Reichen den selig herbeigesehnten Strom? Leite ich die neu gewonnene Elektrizität zu den Armen? Oder werde ich das Kraftwerk überlasten?

Die beschriebene Szene, übrigens eine Nebenquest, steht exemplarisch für Fallout: New Vegas. Auf das Grundgerüst herunter gebrochen heißt das, mehr Entscheidungsfreiheit, mehr Fraktionen und eine abwechslungsreichere Umgebung im Vergleich zum direkten Vorgänger. Man könnte meinen, Obsidian Entertainment wäre im Besitz des größten Microfasertuches der Welt und hätte monatelang am Gameplay und Inhalt von Fallout 3 poliert. Also ist New Vegas der funkelnde Spielspaßdiamant? Nein - denn beim polieren der inneren Werte wurde das Werkeln an der Fassade und dem Gerüst vergessen.

Müder Einstieg
Das merkt man zum ersten Mal beim lieblosen Einstieg. Während ich bei der Fallout 3-Review noch über den grandiosen Anfang schwärmte, der so geschickt die Charaktergestaltung mit dem Einstieg der Story verknüpfte, ist New Vegas der plumpe Bruder. Als Kurier wird man überfallen und erschossen, stirbt aber nicht, sondern wird von einem Roboter gerettet und in ein kleines Dorf gebracht. In der Arztpraxis durchlebt man dann anhand von Fragespielchen des Doktors seine Charaktergestaltung. Das macht wenig Spaß und wirkt ziemlich aufgesetzt. Vor allem bleibt so der eigene Charakter viel zu blass und ohne jeglichen Hintergrund im Vergleich zu Fallout 3.

Das schlimme ist, es bleibt das ganze Spiel über so. Obwohl man als Kurier Vegas und Umland schon bereiste, keiner kennt einen, man selbst erinnert sich an nichts und so ist man eher der bezugslose Held und eher Mittel zum Zweck des Spiels. Auch danach verläuft das Spiel äußerst schleppend. Man macht eher belanglose Aufträge für die hiesige Dorfgemeinschaft und spielt ein Spiel, welches man vom Ablauf aus Fallout 3 schon kennt. Das Gebotene kann so einfach nicht mehr überraschen, und auch die Welt, allgemein weniger zerstört und verstrahlt als Washington, wirkt zu Beginn etwas fad.

Stillstand
Und dann wären wir auch bei der Fassade des Spiels, die Optik - sorry, Obsidian Entertainment, geht stellenweise gar nicht! Die Fallout 3-Engine war schon 2008 alles andere als High-End und ist aus heutiger Sicht schier veraltet. Noch schlimmer sind die Animationen, seien es die Gesichter bei Gesprächen oder allgemein die Bewegungen der NPCs. Wer hier Vergleiche mit Klassenbesten wie Mass Effect 2 ansetzt, muss um die Versetzung von New Vegas fürchten. Zu diesem optischen Abtörner gesellen sich dann Nachladeruckler, Clippingfehler bzw. allgemeine grafische Bugs, welche die technische Seite noch weiter ins schlechte Licht rücken lässt. Der geneigte Rollenspieler würde jetzt mit Story-Grafik-Relation kommen. Recht hat er, nur leider tritt auch bei Fallout: New Vegas das Obsidian Entertainment-Problem auf: Sie sind einfach keine großen Geschichtenschreiber. Die Story fesselt hier und da, ist aber im Vergleich zu Bioware & Co nicht der Rede wird. Also eigentlich düstere Aussichten für Vegas...

Doch nach ein Dutzend Stunden, die im Vergleich zu der Gesamtspieldauer ein Witz sind, pfeift man auf Grafik, Animation oder Hauptplot-Höhepunkte. Das Spiel hat einen gefangen, und zwar nicht so ein bisschen, sondern vollkommen mit Haut und Haaren. Und das hat viele Gründe...

Liebe auf den zweiten Blick
Zum ersten wäre da die enorme Questdichte, die wesentlich höher liegt als bei Fallout 3. Überall findet man Bewohner denen geholfen werden will, was durchaus nicht immer positiv endet, jedes kleine Dorf erzählt seine Geschichte und abseits der großen Straßen lauert so manche Überraschung. Denn neben der Quantität stimmt vor allem auch die Qualität. Selten wird man zu reinen Lauf- oder Sammelquests genötigt, meist warten hingegen unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten, moralische Entscheidungen oder überraschende Wendungen. So sind oftmals die kleinen unscheinbaren Aufträge am Ende weitaus imposanter als die Hauptquests.

Langeweile kennt New Vegas nicht, es erzählt nicht vordergründig die Geschichte unseres Kuriers, es protzt nicht mit bombastischen Sequenzen, nein, es erzählt ohne Unterlass die Geschichte eines Landes und ihrer vielen Bewohner. Das dabei einem die skurrilsten Persönlichkeiten über den Weg laufen, ist dann das Questsalz in der Auftragssuppe. Obsidian wirft nur mit derben Humor um sich, zaubert mit Charme die unterschiedlichsten Charaktere, die vom menschenfressendem Snob bis zur fiesen sklavenhändlerischen Oma reichen. Oft ist keiner das was man auf den ersten Blick denkt. Zusätzlich muss man den Entwicklern danken das sich die Freigabe ab 18 Jahren sich nicht nur auf pure Gewalt gründet, denn die NPCs fluchen und schimpfen teilweise was das Zeug hält - passend zum dreckigen Szenario der Endzeit. Ich habe selten ein Rollenspiel erlebt, das solch einen Spaß bei der Questbewältigung bereitet.

Viva New Vegas!

Und nicht nur die verbesserte Queststruktur begeistert, auch atmosphärisch ist die Welt um Vegas herum äußerst abwechslungsreich. Klar, der Vorgänger glänzte mit der perfekten Inszenierung einer zerstörten Großstadt, abseits wurde es da aber schnell trist. New Vegas selbst ist zwar niemals ganz so imposant wie Washington, bietet im Gesamtpaket aber mehr. Von friedlichen Cowboydörfern und zerstörten Kleinstädten, über einsame Steppenregionen und verlassenen Vaults, hin zu barbarischen Stämmen, riesigen Staudämmen und der glitzernden Metropole Vegas selbst, die Abwechslung wird hier - wenn auch natürlich immer postnuklear trist und düster präsentiert - großgeschrieben.

Mehr Level, mehr Spielspaß
Das Ganze profitiert auch durch die bessere Charakterentwicklung. Satte 30 Level gibt es diesmal, zwar nur auf jeder zweiten Stufe mit Perkbelohnung, dafür sind neue dazu gekommen. So kommt kein Frust auf, den der Vorgänger dadurch bescherte, dass man weit vor dem Questende an die Levelgrenze gestoßen war. Ansonsten hat sich vom Grundgerüst des Charakterausbaus wenig getan. Noch immer gibt es die sieben Grundattribute und darauf dreizehn basierende Fähigkeiten, die allesamt ihren Nutzen haben. So muss man sich früh entscheiden in welche Richtung es gehen soll, denn Steigerungspunkte sind rar. Wer keine Schlösser oder Computer hacken kann, steht vor verschlossenen Türen und wenig Beute, wer seinen Sprachskill vernachlässigt, wird besonders hart bestraft, da so einige Questoptionen und Unterhaltungen enden, bevor sie begonnen haben. Aber auch alle andere Fähigkeiten sind immer wieder nützlich und so macht das Spezialisieren des Charakters in New Vegas wieder einen Heidenspaß!

Hardcore!
Wie es der Name vermuten lässt, wer mit der Hardcoreoption spielt, der haut sich die volle Dröhnung der verstrahlten Endzeit rein. Da jubelt das Rollenspielerherz gewaltig, denn neben der üblichen Anzeige für die Lebensenergie und V.A.T.S. gesellt sich Durst, Hunger und Ermüdung. Wer nichts trinkt oder isst, verliert an Zielgenauigkeit und Effektivität, wer nicht schläft ebenso. Blöd nur, dass das meiste Essen hochgradig verstrahlt ist, und jede Quelle Trinkwasser ohne radioaktive Versuchung so rar ist, so dass er zum edlen Tropfen wird. Der Ausflug ins Ödland wird so mehr zu einem  Survivaltrip und steigert das eh schon gute Mittendrin-Gefühl.

Gepushter Tiefgang
Insgesamt ist Fallout: New Vegas komplexer geworden. Waffen erfordern jetzt einen gewissen Stärkewert. Man selbst kann noch so ein präziser Schütze sein, wer keine Muckis hat, wird das Scharfschützengewehr nicht stemmen können. Zwar kann man alle Waffen benutzen, aber auch hier ist die Effektivität eingeschränkt. Die Waffen selber haben jetzt nicht nur einen Wert für Schaden, sondern auch für die Panzerdurchbrechung, und sind - modernen Egoshootern sei dank - jetzt auch aufrüstbar. So kann man z.B. die Magazingröße verbessern, Visiere montieren oder z.B. die Schussrate erhöhen. Allerdings sind diese Verbesserungen teuer oder schwer zu finden. Auch die Munition kann man nun wechseln und so z.B. panzerbrechende Patronen einsetzen. Und wem das zu wenig Gebastel ist, der darf sich nun am entfachtem Lagerfeuer Nahrung und Heilmittel herstellen, so fern er die Zutaten und Rezepte im Gepäck führt. Tja und auch die Begleiteroptionen wurden verbessert. So kann man jetzt über ein Optionsrad taktische Befehle geben, Ausrüstung tauschen oder einfach nur einen Plausch halten. Insgesamt hat Obsidian Entertainment an den richtigen Schrauben gedreht und dem ganzen Spiel eine ganze Prise mehr Tiefgang beschert!

Fast alles beim Alten
Nichts hat sich hingegen am Kampfsystem geändert. Und das ist gut so! Die Mischung aus Egoshooter und taktischer V.A.T.S.-Ballerei begeistert immer noch. Wer Fallout 3 nicht kennt, dem sei gesagt, dass das Kampfsystem zwei Stilrichtungen vereint. Zum einen lässt sich Fallout: New Vegas wie ein reinrassiger Shooter spielen. Mit der einen Triggertaste wird geballtert, mit der anderen kann man zoomen und so die Genauigkeit erhöhen. Das funktioniert tadellos, verbraucht aber im Vergleich zum V.A.T.S mehr Munition und verzichtet auf die taktische Komponente. Durch Triggerdruck ist es nämlich möglich in den V.A.T.S.-Modus  zu wechseln und das Spielgeschehen einzufrieren. Nun sieht man alle Gegner, deren Körperteile und Prozentzahlen für Trefferwahrscheinlichkeiten, die je nach Talent, Waffengattung und Reichweite variieren. Jede Waffe verbraucht pro Schuss nun gewisse Aktionspunkte. Hat man alle Punkte aufgebraucht löst man durch den erneuten Triggerdruck die Spielpause und sieht in spektakulärer Zeitlupe das vorher geplante Schützenfest.

Taktischer Tiefgang wird dadurch erzeugt, dass je nach Angreifer bestimmte Körperteile mehr Schaden verursachen oder besondere Effekte hervorrufen. So kann man per Kopfschüsse Gegner verwirren, Beinschüsse machen diese langsamer, und so mancher Feind hat Trefferzonen, die besser oder weniger geschützt sind. Es ist sogar möglich, dem Gegner die Waffe aus der Hand zu schießen. Ganz neu in New Vegas ist die Möglichkeit im Nahkampf V.A.T.S. mit speziellen Nahkampfmanövern einzusetzen. Keine Blöße gibt sich dabei die Anzahl der unterschiedlichen Schießprügeln und Nahkampfwaffen. Von Gatlinggun über Lasergewehr oder Powerfaust, die Auswahl übertrifft viele reinrassige Egoshooter oder Actionspiele.



Fazit:
Bild unseres Mitarbeiters Christian Jacob christianDer holprige Anfang schreckt ab: Irgendwie kennt man auf den ersten Blick alles. Auch das Einstiegsdorf mit dem bäucherlichen Charme kann dem Vault und der eigenen Kindheit aus Fallout 3 nicht im geringsten gerecht werden. Dazu schrecken die Animationen zu sehr ab, sei es in Gesprächen oder beim Figurenverhalten. Die Grafik und technische Umsetzung ist dabei auch alles andere als auf der Höhe der Zeit, und erste Quests sind dann doch ziemlich lahm. New Vegas wirkt in den ersten Stunden nicht mehr wie ein mittelmäßiges Addon. Doch dann schlägt Fallout: New Vegas nach einem Dutzend Stunden erbarmungslos zu und lässt einen nicht mehr los.

Man schätzt die abwechslungsreichere Umgebung, die vom glitzernden Vegas bis hin zu einsamen Dörfern reicht, man wird gefangen von den zahlreichen qualitativ hochgradigen Aufgaben, die mit Witz, Charme und Überraschungen glänzen und den Vorgänger weit in den Schatten stellen. Man merkt mit der Zeit die vielen kleinen Dinge, die Obsidian Entertainment dem erneuten Ausflug in die nukleare Hölle hinzugefügt hat, wie die Entscheidungen bei den vielen Fraktionen, sammelbare Waffenmodifaktoren, das Herstellen von Nahrung oder das verbesserte Handling mit den Begleitern.

Diese Politur vereint mit den alten Stärken, wie das einmalige Open World-Feeling in postnuklearer Atmosphäre, und die motivierende Charakterentwicklung machen den zwar technisch veralteten Titel Fallout: New Vegas dennoch für Rollenspieler zum absoluten Pflichtkauf!



Fallout New Vegas - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Christian Jacob

Screenshots


















Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 8.5 Grafik: 7.50
Sound: 8.50
Steuerung: 8.50
Gameplay: 9.50
Wertung: 8.5
  • Geniale Open World-Atmosphäre
  • Massig richtig gute Quests
  • Viele inhaltliche Verbesserungen
  • Hardcoremodus
  • Motivierende Charakterentwicklung
  • Veraltete Grafik
  • Steife Animationen
  • Vereinzelt Ruckler und Grafikbugs

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Rezension vom: 13.11.2010
Kategorie: Action
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