Genre:
Sport USK Freigabe:
Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
57,95 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S
Inhalt:
Mit Rennsport möchte Nacon die Sim-Racing-Szene aufmischen und sich als ernsthafte Alternative zu Platzhirschen wie Assetto Corsa Competizione, Forza Motorsport, Gran Turismo oder iRacing positionieren. Ambitionen hat das Spiel definitiv – doch auf der Strecke zeigt sich schnell: Zwischen Anspruch und Realität liegen noch ein paar Sekunden Rückstand.
Meinung:
Nachdem wir von einem stylischen und aufgeräumt wirkenden Hauptmenü empfangen wurden, finden wir uns wenige Sekunden später schon auf der Strecke wieder, wo der gute Ersteindruck der Optik schnell einen kräftigen Dämpfer erhält. Auf den ersten Blick sehen die Autos zwar wunderschön aus und auch sonst ist alles so, wie man es von einem Titel, der die Unreal Engine 5 nutzt, erwarten könnte. Doch sobald man die ersten Meter fährt, fällt einem auf, dass es einiges gibt, was nicht so ganz optimal erscheint. Die Strecken wirken steril und zudem haben sie mit extremen Pop-up-Problemen zu kämpfen. Es existiert beinahe kein Zaun, kein Gebüsch und auch kein Gebäude, welches nicht sichtbar vor einem aufploppt. Das überall ebenfalls ein sichtbares Kantenflimmern zu sehen ist, ist alles andere als schön. Im Cockpit selber gibt es dann leider ebenso einige unschärfere Texturen, was gerade in Anbetracht der ansonsten sehr detailliert gestalteten Cockpits bedauerlich ist. Die Rückspiegel sind ebenfalls nicht optimal und zeigen eher Pixelmatsch als eine detaillierte Darstellung dessen, was gerade hinter einem geschieht. Abgerundet wird der enttäuschende optische Auftritt des Spiels von Wettereffekten, die zwar solide, aber eben kein Hingucker sind, und einer Gesamtatmosphäre, die eher nüchtern als mitreißend wirkt.
Soundkulisse: Solide, aber ohne Gänsehautfaktor Motorsport lebt vom Sound. Das Dröhnen der Motoren, die Schläge über Curbs, das Klacken im Getriebe – all das ist Sounddesign, das Atmosphäre schafft. In Rennsport sind diese Elemente zwar vorhanden, allerdings wie schon die Grafik ebenfalls selten beeindruckend. Die Motoren klingen in Ordnung, doch ihnen fehlt die Tiefe, der Bass, die rohe Gewalt. Egal ob GT3-Bolide oder Hypercar – der Sound ist passabel, aber kaum etwas davon lässt einen wirklich in den Sitz sinken. Auch die Umgebungsgeräusche sind funktional, jedoch blass. Das Reifenquietschen wirkt generisch, die Akustik in engen Kurven oder Unterführungen fehlt fast völlig, und das Schadensfeedback ist eher nüchtern. Für eine Simulation, die Anspruch auf Authentizität erhebt, ist das schlicht zu wenig.
Die Entwickler haben all diese Probleme selbst erkannt und bereits Abhilfe in Form von Patches angekündigt. Dennoch bleibt natürlich die Frage, weshalb ein Spiel, das solche offensichtlichen technischen Mängel vorzuweisen hat, überhaupt in diesem Zustand veröffentlicht wurde. Hier wäre eine Verschiebung um ein paar Wochen sicherlich klüger gewesen. Denn auch wenn die Probleme behoben werden, ist der Schaden dennoch angerichtet und lässt sich wohl nur schwer aus den Köpfen der Spieler*innen entfernen.
Auch auf der Strecke nicht alles optimal Technisch ist bei Rennsport also noch eine Menge Luft nach oben. Doch wie sieht es bei der Fahrphysik aus? Kann das wichtigste Feature eines Rennspiels überzeugen? Wie seine großen Konkurrenten möchte auch Rennsport eine präzise, fordernde Simulation sein – doch wie so vieles in diesem Spiel gelingt leider das ebenfalls nur teilweise. Wenn man mit einem Lenkrad fährt, macht das Spiel eine wirklich gute Figur und lässt einen präzise um die Strecke rasen – zumindest, wenn man hinter dem Lenkrad eines schnellen Fahrzeugs wie eines Hypercars sitzt. Bei weniger PS-starken Boliden, wie den GT3-Fahrzeugen, sieht dies bedauerlicherweise auch schon wieder anders aus. Hier wirkt die Steuerung plötzlich unnatürlich und die Fahrzeuge lassen sich weniger präzise steuern.
Ähnliche Probleme gibt es ebenso beim Steuern mit einem Gamepad. Hier wirkt die Lenkung nicht nur unpräzise, sondern auch sehr hektisch an. Wer hier millimetergenau um die Kurven rasen möchte, muss sehr viel Fingerspitzengefühl mit sich bringen. Glücklicherweise lässt sich die Steuerung aber in vielen Bereichen individuell einstellen, sodass man dem Problem etwas entgegenwirken kann. Ganz nebenbei wird Rennsport dadurch ebenfalls einsteigerfreundlicher als vergleichbare Titel. Denn zusätzlich zu der Steuerung, kann man auch das HUD individuell anpassen.
Ganz gleich, ob man mit Lenkrad oder dem Gamepad steuert: In beiden Fällen fällt auf, dass die Fahrphysik auch noch etwas Feinschliff benötigt. In manchen Kurven kleben die Fahrzeuge quasi auf dem Asphalt, während es sich in anderen Kurven anfühlt, als ob man auf Eis fährt. Diese Inkonsistenz führt sich auch beim Lastwechsel fort. In schnellen Wechselkurven fehlt nämlich hin und wieder das typische „Anpressdruck verliert an Wirkung“-Gefühl, das man in echten Rennwagen in solchen Situationen verspürt. Das Ergebnis aus all diesen Problemen ist ein Fahrverhalten, das spürbar ambitioniert ist, aber nicht den letzten Feinschliff besitzt. Besonders im Sim-Racing-Sektor entscheidet jedoch genau dieser Feinschliff über den Erfolg – und hier bleibt Rennsport deutlich hinter der Konkurrenz zurück.
Kein Herz für Singleplayer Obwohl ich bereits viele Probleme angesprochen habe, wurde das größte Problem, mit dem Rennsport aktuell zu kämpfen hat, noch gar nicht erwähnt. Der größte Kritikpunkt ist nämlich der Umfang. Aktuell gibt es gerade einmal 18 Autos und 12 Strecken bzw. 19 Autos und 14 Strecken in der Deluxe Edition. Selbstverständlich kann man argumentieren, dass es in der Realität auch nicht sehr viel mehr Hypercars und GT3-Fahrzeuge gibt, dennoch wäre ein wenig mehr Abwechslung natürlich willkommen. Vor allem in Anbetracht dessen, dass man als Einzelspieler*in ohnehin schon auf einen vollwertigen Karrieremodus verzichten muss und es abseits von Zeitfahren oder Einzelrennen wenig gibt, was einen langfristig motiviert. Auch die Darbietung der KI lädt nicht gerade dazu ein, gegen sie Rennen zu fahren. Ganz abgesehen davon, dass sie keine Ideallinie halten können, passiert es ebenfalls sehr oft, dass sie einen ohne ersichtlichen Grund rammen und von der Strecke drängen. Zudem fällt einem negativ auf, dass die Qualifikationszeiten der KI ganz offensichtlich nicht wirklich erfahren werden, dass sie in der Quali zwar klar vor einem landen, im richtigen Rennen, dann aber chancenlos gegen einen sind.
Immerhin präsentiert sich aber der Multiplayer-Modus solide. Von Crossplay über Events bis hin zu einem funktionierenden Ranking-System gibt es hier nämlich jetzt schon vieles, was man von einem Rennspiel erwartet. Aber auch hier ist noch ein wenig Nacharbeit vonnöten. So ist der Netcode zumindest in der von mir getesteten Xbox Series X-Version noch etwas instabil, was zu einigen Verbindungsabbrüchen führt. Ebenso sind die Strafen- und Track-Limit-Regeln inkonsistent und das Penalty-System nicht ganz verständlich. Dennoch ist der Multiplayer-Modus der Part des Spiels, der am Fertigsten wirkt und am ehesten zeigt, wie viel Potenzial in Rennsport liegt.
Fazit:
Rennsport ist kein schlechtes Spiel – aber es ist eindeutig zu früh aus der Garage gerollt. Man spürt die Ambition, man erkennt die Leidenschaft, und man sieht das Potenzial. Doch genauso deutlich sieht man die fehlende Reife, den mangelnden Umfang und die technischen Probleme. Für ein Spiel, das in direkter Konkurrenz zu ACC, iRacing oder GT7 stehen möchte, reicht das leider (noch) nicht aus. Sim-Racing-Fans mit Neugier und Geduld können reinschauen – besonders, wenn sie sich für die geplante Weiterentwicklung interessieren. Alle anderen sollten hingegen vorerst abwarten, bis Updates das Spiel auf das Niveau heben, das es eigentlich anstrebt.
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