Genre:
Sport USK Freigabe:
Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
ab 59,99 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S
Inhalt:
Mit Project Motor Racing wagt Giants Software, bislang bekannt für seine extrem erfolgreiche Landwirtschafts-Simulator-Reihe, den Schritt auf völlig neues Terrain. Statt Felder bestellen heißt es nun: Motoren aufheulen, Ideallinie suchen und Gegner ausbremsen. Der Wechsel vom Traktor ins Rennauto wirkt mutig – doch gelingt auch der Wechsel der Disziplinen?
Meinung:
Schon nach den ersten Runden wird klar: Project Motor Racing versucht realistisch zu sein, aber ohne dabei auch Neulinge komplett abzuschrecken. Wie es nicht anders sein kann, funktioniert dieser Kompromiss nicht so ganz. Auf der einen Seite werden sich Simulations-Fans sicherlich darüber freuen, dass sie sich am Setup austoben und so wichtige Hundertstelsekunden herausholen können. Oder dass die Pneus zunächst auf Temperatur gebracht werden müssen und der Unterschied zwischen kalten und heißen Reifen deutlich spürbar ist. Auf der anderen Seite werden sie hingegen mit dem halbgaren Fahrgefühl nicht ganz zufrieden sein. Denn auch wenn Gewicht und Antriebskonzepte klar erkennbar sind und die verschiedenen Fahrzeuge und Fahrzeugklassen Steuerungsbefehle spürbar unterschiedlich auf die Strecke bringen, fühlt es sich nie wie eine waschechte Simulation an.
Rennspiel-Neulinge werden dennoch ihre Probleme haben. Trotz etwas stärkerer Traktion, als es in Wirklichkeit der Fall wäre, werden sie in den ersten Runden ihre Mühe haben, die Fahrzeuge überhaupt auf der Strecke zu halten.
Echte Hilfen bietet einem das Spiel dabei auch nicht. Mehr als die Ideallinie, ein automatisches Getriebe und eine automatische Traktionskontrolle, die mehr schlecht als recht arbeitet, gibt es hier nämlich nicht. Brems- oder Lenkhilfen oder gar eine Rückspulfunktion sucht man hier also vergeblich, weshalb Neulingen nur die Möglichkeit bleibt, sich durchzubeißen und die Lenkung irgendwie zu verinnerlichen.
Als Nächstes steht dann der Kampf gegen die KI an, die aber leider nicht ganz so optimal ausgefallen ist. Auf manchen Strecken fahren sie wirklich sehr gut und vor allem realistisch. Auf anderen Strecken tuckern sie hingegen nahezu herum oder fahren wie an einer Perlenkette hintereinander her. Womit sie generell Probleme hat, ist, wenn etwas Unvorhersehbares auf der Strecke passiert. Wenn man also auf der Strecke steht, reagiert sie so gut wie gar nicht und fährt stumpf in einen rein oder bringt eine zum Drehen. Ebenfalls suboptimal verhält sie sich beim Überholen, wo sie meistens viel zu vorsichtig agiert.
Strafe oder keine Strafe? Wo wir schon bei Unfällen sind, bietet es sich natürlich an, direkt über das Schadensmodell zu sprechen. Allerdings muss ich hier bedauerlicherweise ein paar Kritikpunkte loslassen, denn optimal ist auch dieses nicht. Vor allem die Inkonsistenz des Schalenmodells hat mich gestört. Während leichte Berührungen dazu führen können, dass das Auto fortan nur noch schräg über die Strecke fährt, haben richtige Crashs, bei denen man frontal in die Wand fährt, gar keine Auswirkungen.
Schon beinahe passend dazu ist, dass das Strafsystem ebenfalls nicht ideal ausgefallen ist. Wann und welche Strafen es gibt, scheint manchmal eher ausgelost als aufgrund strikter Vorgaben vergeben zu werden. Ebenso dem doch sichtbaren Realismusanspruch entgegenwirken ist die Tatsache, dass es kein Safety Car gibt und so Trümmerteile oder auch umgefahrene Werbetafeln bis zum Rennende auf der Strecke verbleiben.
Vielfalt mit Luft nach oben Nachdem ich nun viel herumgenörgelt habe, möchte ich mal wieder zu einem positiven Punkt kommen – und das wäre in diesem Fall die Auswahl an Fahrzeugen. Neben einigen GT3-Fahrzeugen bietet Project Motor Racing nämlich ebenfalls GT4, Le-Mans-Prototypen oder auch die legendären C-Klasse-Fahrzeuge an. Insgesamt gibt es zehn unterschiedliche Rennklassen, die hier zur Verfügung stehen. Die Auswahl an Vehikeln könnte trotzdem noch etwas größer sein. Aushelfen könnte da sicherlich die Mod-Funktion, mit Hilfe derer man eigene Autos erstellen oder herunterladen kann. Doch auch ohne zusätzliche Autos ist der Umfang, zumindest für den Start, recht ordentlich.
Gleiches gilt ebenfalls für die Strecken. Denn auch hier bietet das Spiel bereits eine nette Auswahl, wobei hier allerdings ebenfalls noch reichlich Luft nach oben besteht. Lobenswert ist aber, dass nicht nur die üblichen Rennstrecken wie die Nordschleife, Spa Francorchamps oder Dayton im Spiel sind. Die Entwickler*innen haben nämlich ebenso ein wenig über den Tellerrand hinweggeschaut und unter die insgesamt 18 Strecken (mit 28 Streckenlayouts) auch einige unbekanntere wie den Kyalami Grand Prix Circuit in Südafrika ins Spiel integriert. Etwas störend ist allerdings, dass nicht alle Strecken offiziell lizenziert sind und zum Beispiel Silverstone als Southampton und Monza unter Brianza vertreten ist. Am Layout erkennt man aber trotzdem sofort, um welche Strecken es sich hierbei eigentlich handelt.
Als Einzelspieler kann man all diese Autos und Strecken in einer Karriere, einem Rennwochenende oder speziellen Herausforderungen (be)fahren. Leider ist die Rennkarriere dabei sehr langweilig gestaltet worden – da helfen auch die Sponsorenverträge, die Fahrzeugupdates und das Teammanagement nicht viel. Wesentlich besser gefallen haben mir hingegen die Herausforderungen, da diese nicht nur abwechslungsreich, sondern auch kurzweilig sind. Die Rennwochenenden sind ideal, um ein wenig zu Trainieren oder für zwischendurch, vor allem, weil man sie in Sachen Witterungsbedingungen, Rennlänge etc. fast nach Belieben anpassen kann.
Guter Online-Modus Am unterhaltsamsten ist Project Motor Racing aber auf jeden Fall im Multiplayermodus. Nicht nur, weil man sich hier nicht mit der KI herumschlagen muss, sondern ebenso weil die Rennen stabil ablaufen, das Matchmaking zuverlässig funktioniert und es auch schon private Lobbys gibt, in denen man selbst die Rennen einstellen kann. Ein saisonaler Wettkampfmodus sorgt zudem für Anreize, regelmäßig zurückzukehren. Allerdings fehlt es noch an Community-Features wie Clubs, Turnieren oder umfangreicher Telemetrie, die Sim-lastige Spieler erwarten würden. Spätestens wenn auch das angeboten wird, kann man mit Project Motor Racing sicherlich sehr viel Spaß haben.
Schön, aber nicht perfekt Grafisch macht das Spiel wirklich was her. Wettersysteme, Lichtstimmungen und die Fahrzeugmodelle erreichen ein Niveau, das deutlich macht, wie viel Erfahrung Giants mittlerweile mit moderner Grafiktechnologie hat. Besonders beeindruckend sind Regenrennen, in denen Pfützenbildung, Sprühfahnen und Reflexionen für dynamische Herausforderungen sorgen.
Abseits davon gibt es kleinere technische Schwächen. Pop-ins am Streckenrand und gelegentliche Frame-Drops bei dichtem Renngeschehen stören den ansonsten runden Gesamteindruck. Das Menüdesign wirkt funktional, aber etwas generisch – hier fehlt die feinpolierte Präsentation, die große Genretitel bieten.
Fazit:
Project Motor Racing ist kein schlechtes Rennspiel. Es macht viele Dinge ordentlich, manche sogar gut. Doch das entscheidende Problem ist: Es fehlt ihm an Identität. Der Titel wirkt wie eine Sammlung guter Ideen, die nicht zu Ende gedacht wurden. Spaßig? Ja. Anspruchsvoll? Ein bisschen. Konkurrenzfähig zu den großen Namen des Genres? Eher nicht. Aber das heißt nicht, dass es keine Zukunft hat. Giants Software hat ein solides Fundament gelegt – man sieht die Qualität, man sieht die Ambitionen. Doch der nächste Schritt muss größer sein, mutiger, selbstbewusster.
Wer ein unkompliziertes Rennspiel sucht, bekommt hier etwas, das wirkt wie ein „guter Anfang“. Wer dagegen etwas sucht, das mit Forza, ACC oder Gran Turismo mithalten kann, wird hier eher im zweiten Gang stecken bleiben.
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