Genre:
Puzzles USK Freigabe:
Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
19,99 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S
Inhalt:
Es gibt Spiele, die einen ein Leben lang begleiten. Für mich gehört The 7th Guest definitiv dazu. Als Kind war die geheimnisvolle Villa von Henry Stauf ein Ort, der gleichermaßen faszinierte und einschüchterte. Die unheimliche Atmosphäre, die skurrilen Figuren, die teilweise kniffligen Rätsel und natürlich das markerschütternde Lachen von Henry Stauf sorgten dafür, dass mir das Spiel bis heute in Erinnerung geblieben ist. Entsprechend gespannt war ich auf das neue Remake für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S, das Vertigo Games kürzlich veröffentlicht hat.
Meinung:
Die Ausgangslage ist weitgehend unverändert geblieben und katapultierte mich sofort zurück in die frühen 90er-Jahre. Henry Stauf lädt sechs wohlhabende, aber vom Schicksal gebeutelte Gäste in sein viktorianisches Herrenhaus ein. Sein Versprechen: Wer all seine Spiele meistert, bekommt seinen sehnlichsten Herzenswunsch erfüllt.
Doch schon bald wird klar, dass Stauf weit mehr im Sinn hat als einen harmlosen Spieleabend. Die Gäste werden zu Spielfiguren in einem makabren Albtraum, dessen Regeln nur ihr Gastgeber kennt. Wir selbst übernehmen die Rolle eines neuen Besuchers, der nicht nur herausfinden möchte, was mit den sechs Gästen geschehen ist, sondern auch dem Geheimnis des ominösen siebten Gastes auf den Grund geht.
Kenner des Originals werden hier sicherlich zahlreiche vertraute Elemente wiedererkennen, während sich Neueinsteiger dank der gelungenen Inszenierung aber ebenso problemlos zurechtfinden.
Eine Villa voller Geister Während wir aus der Ego-Perspektive durch staubige Flure, luxuriöse Schlafzimmer und düstere Labore streifen, entfaltet das Spiel eine fantastische, angenehm schaurige Atmosphäre. Einen großen Anteil daran hat die technische Frischzellenkur.
1993 setzte The 7th Guest mit seinen vorgerenderten Kulissen und den damals spektakulären Videoeinblendungen der Schauspieler zwar technische Maßstäbe, heute würden die flachen Greenscreen-Figuren allerdings kaum noch Eindruck hinterlassen. Die Entwickler haben deshalb einen cleveren Weg gewählt und setzen nun auf sogenanntes volumetrisches Video.
Dafür wurden die Darsteller in einem speziellen Studio von allen Seiten gleichzeitig aufgenommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die geisterhaften Erscheinungen der Gäste stehen jetzt als echte dreidimensionale Figuren im Raum. Wir können um sie herumgehen, sie werfen korrekte Schatten an die tapezierten Wände und spiegeln sich sogar in glänzenden Oberflächen.
Das wirkt nicht nur deutlich moderner und plastischer, sondern bewahrt gleichzeitig dennoch den herrlich überzeichneten Charme des Originals. Und gerade diese Mischung aus moderner Technik und bewusstem 90er-Jahre-Kitsch sorgte bei mir während des Tests immer wieder für ein breites Grinsen.
Rätsel mit Sinn und Verstand Einer der größten Schwachpunkte des Originals war zweifelsohne das teilweise fragwürdige Spieldesign. Viele Aufgaben wirkten damals recht willkürlich in die Spielwelt geworfen und trieben mich schon als Kind regelmäßig an den Rand der Verzweiflung.
Das Remake macht hier glücklicherweise aber nahezu alles besser. Fast alle der rund 20 Rätsel-Suiten wurden von Grund auf neu gestaltet und die darin enthaltenen Rätsel stärker in die jeweilige Umgebung eingebunden. So manipulieren wir die Weichen einer elektrischen Eisenbahn, schieben Figuren über verschlungene Spielbretter oder verbinden im Stil klassischer Rohrleitungsrätsel Wege von der Wiege bis zum Sarg.
Eine besondere Rolle spielt dabei die magische Geisterlaterne. Mit ihrer Hilfe wechseln wir zwischen der verfallenen Gegenwart und der prachtvollen Vergangenheit des Hauses oder können unsichtbare Dinge sichtbar werden lassen. Dieser Mechanismus sorgt nicht nur für atmosphärische Momente, sondern wird auch geschickt in zahlreiche Rätsel integriert.
Das Erkunden der Villa und das Lösen der Aufgaben fühlen sich dadurch durchgehend belohnend an. Gleichzeitig wurde die Steuerung hervorragend an moderne Gamepads angepasst. Die Interaktionen mit der Umgebung funktionieren präzise und zuverlässig, während die dichte Soundkulisse immer wieder für wohlige Gänsehautmomente sorgt, ohne sich auf billige Jump-Scares verlassen zu müssen.
Moderner Sound Im klassischen Gewand Apropos Soundkulisse: Auch akustisch wurde kräftig nachgebessert. Der Soundtrack orientiert sich zwar klar an den Kompositionen von George „The Fat Man“ Sanger, wird von Komponist Jonathan van den Wijngaarden hier jedoch behutsam modernisiert.
Das Ergebnis ist ein wunderbar atmosphärischer Mix aus klassischem Grusel und modernen Klangwelten. Die neu hinzugekommenen dezenten Jazz-Elemente verleihen dem Soundtrack dabei eine ganz eigene Note und sorgen dafür, dass die Musik jederzeit perfekt zur düsteren Stimmung der Villa passt.
Zusammen mit den überzeugenden Sprecherleistungen entsteht so eine Klangkulisse, die einen förmlich in Henry Staufs Albtraum hineinzieht.
Ein paar morsche Dielen im Gebälk Trotz des insgesamt hervorragenden Eindrucks gibt es im Stauf-Anwesen auch einige kleinere Schwachstellen. Manche Laufwege wirken dann doch einen Tick zu behäbig, und hin und wieder bleibt man beim Erkunden auch ungünstig an Möbelstücken oder anderen Objekten hängen.
Und auch das Hilfesystem ist nicht immer optimal gelungen. Wer sich in einem Rätsel komplett verrennt, kann mitunter längere Zeit feststecken. Zwar existieren sogenannte Stauf-Münzen, mit denen sich Aufgaben überspringen lassen, doch der Spagat zwischen modernem Bedienkomfort und klassischer Adventure-Härte gelingt hier leider nicht in jeder Situation perfekt.
Ein weiterer kleiner Wermutstropfen betrifft die Spielzeit. Nach etwa sechs bis sieben Stunden ist der Spuk nämlich bereits wieder vorbei. Aufgrund der linearen Struktur von Handlung und Rätseln sowie der überschaubaren Anzahl an Sammelobjekten gibt es anschließend auch nur wenige Gründe für einen zweiten Durchgang. Schade, denn die fantastische Atmosphäre hätte mich gerne noch einige Stunden länger begleiten dürfen.
Fazit:
The 7th Guest Remake ist genau die Art von Neuauflage, die sich Fans klassischer Adventures wünschen. Die beeindruckende Atmosphäre, die wunderschön gestaltete Villa, die gelungene technische Modernisierung und die clever überarbeiteten Rätsel machen das Spiel zu einem der interessantesten Vertreter seines Genres der letzten Jahre.
Zwar können einzelne Rätsel den Spielfluss gelegentlich ausbremsen, und auch die geringe Spielzeit hinterlässt einen kleinen Wermutstropfen. Diese Kritikpunkte fallen angesichts der insgesamt hohen Qualität jedoch kaum ins Gewicht. Den Entwicklern ist nämlich das Kunststück gelungen, einen Adventure-Klassiker nicht nur zu bewahren, sondern ihn erfolgreich in die Gegenwart zu transportieren.
Für mich persönlich war die Rückkehr nach Henry Staufs Villa dabei etwas ganz Besonderes. Das Remake weckte Erinnerungen an meine ersten Begegnungen mit dem Original und schaffte es gleichzeitig, mich erneut zu überraschen und zu begeistern. Ein größeres Kompliment kann man meiner Meinung nach einer Neuauflage wohl kaum machen.
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