Genre:
Rollenspiele USK Freigabe:
Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
ab 16,79 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S
Inhalt:
Das Nordmeer ruft! Nach dem ursprünglichen Release auf dem PC wagen PlayWay und die Entwickler von BLUM Entertainment/Wildlands Interactive nun den Sprung auf die großen Heimkonsolen. Seit dem 9. Juli dürfen nämlich auch Besitzer einer PlayStation 5 und Xbox Series X|S die Axt schwingen, Hütten zimmern und ihren Stamm durch die rauen skandinavischen Winter führen. Ob Viking Frontiers den erhofften Segen Odins verdient, haben wir in unserem Test unter die Lupe genommen.
Meinung:
Wer sich bei Viking Frontiers ein neues Actionspektakel erhofft hatte, wird schnell eines besseren belehrt. Anstatt klischeehafte Massenschlachten, präsentiert sich Viking Frontiers als ein aus der Ego-Perspektive erlebter Genre-Mix aus Survival-Crafting, Rollenspiel-Elementen und einer überraschend tiefgängigen Siedlungssimulation – ganz in der Tradition von Titeln wie beispielsweise Medieval Dynasty.
Unsere Geschichte beginnt dabei allerdings alles andere als gemütlich. Nach einer gefährlichen Reise verschlägt es uns und unsere Gefährten nämlich in eine unbekannte Gegend. Zwar gibt es hier reichlich Platz für eine neue Heimat, doch von einem entspannten Leben kann zunächst keine Rede sein. Bevor wir überhaupt daran denken können, ein stattliches Langhaus zu errichten, müssen wir erst zunächst einmal dafür sorgen, dass unsere Leute nicht verhungern oder erfrieren.
Und so besteht unsere erste Aufgabe in guter alter Survival-Manier darin, Rohstoffe zu sammeln. Holz, Steine und andere Materialien wollen dabei gefunden und anschließend sinnvoll eingesetzt werden. Aus den ersten gesammelten Ressourcen entstehen dann Werkzeuge und einfache Gebäude, die wiederum neue Möglichkeiten eröffnen. Nach und nach wächst unser kleines Lager so zu einer richtigen Siedlung mit Häusern, Lagern und verschiedenen Produktionsstätten heran.
Dabei spielt auch das Management unserer Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Schließlich müssen wir uns nicht nur um unseren eigenen Charakter kümmern, sondern auch darauf achten, dass unsere Bewohner gut versorgt sind. Nahrung muss beschafft, neue Gebäude müssen errichtet und bestehende Strukturen verbessert werden. Je größer unser Dorf wird, desto umfangreicher werden natürlich auch unsere Aufgaben.
Die Götter wollen besänftigt werden Ein besonders interessanter Kniff, den wir beim Aufbau unserer Siedlung keinesfalls außer Acht lassen sollten, ist dabei das stimmungsvolle System der Götterverehrung. Regelmäßige Opfergaben an Odin, Thor, Freya und die übrigen Asen sind nämlich weit mehr als bloßes Beiwerk. Wer den Göttern huldigt, wird mit wertvollen Boni auf die Produktion, besseren Erträgen oder gesteigerter Kampfkraft belohnt.
Wer die Götter hingegen vernachlässigt, muss mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. Missernten oder plötzlich hereinbrechende Unwetter können uns dann das Leben zusätzlich erschweren. Dadurch fügt sich die Götterverehrung angenehm in den ohnehin schon abwechslungsreichen Siedlungsalltag ein und sorgt dafür, dass wir unsere Umgebung und deren Bedürfnisse stets im Blick behalten müssen.
Eine Siedlung wächst nicht von allein Trotz dieses interessanten Features bildet der Aufbau des eigenen Dorfes zweifellos das Herzstück von Viking Frontiers. Anfangs sind unsere Möglichkeiten dabei noch stark eingeschränkt, doch mit der Zeit schalten wir immer neue Gebäude und Funktionen frei. Zudem können wir unseren Dorfbewohnern feste Rollen zuweisen und uns dadurch einen Teil der Arbeit abnehmen lassen.
Während Landwirte und Jäger beispielsweise für den stetigen Nachschub an Nahrung sorgen, kümmern sich Handwerker und Baumeister um die Instandhaltung sowie den Ausbau unserer Infrastruktur. Priester und Wächter übernehmen wiederum Aufgaben rund um das seelische Wohl und die Verteidigung der Siedlung.
Das Balancing zwischen unseren eigenen Tätigkeiten und dem Delegieren von Aufgaben gelingt vor allem in der ersten Hälfte des Spiels erstaunlich gut. Viking Frontiers motiviert uns hier immer wieder dazu, neue Ziele in Angriff zu nehmen. Wir benötigen bestimmte Materialien, um ein Gebäude fertigzustellen, brauchen bessere Ausrüstung für die nächste Erkundungstour oder müssen unsere Produktion optimieren. Dadurch greifen die verschiedenen Spielsysteme meist angenehm ineinander.
Wer bereits Erfahrung mit Survival-Spielen hat, wird sich auch schnell mit dem grundlegenden Spielablauf zurechtfinden. Sammeln, herstellen, bauen, erkunden und anschließend wieder von vorne beginnen – diese Schleife bildet die Grundlage des Abenteuers. Revolutionär ist das natürlich nicht, im Wikinger-Szenario funktioniert dieser bewährte Kreislauf aber durchaus unterhaltsam.
Allerdings sollte man eine gewisse Geduld mitbringen. Gerade in den späteren Spielstunden können sich manche Aufgaben nämlich etwas ziehen, wenn bestimmte Ressourcen in größeren Mengen benötigt werden. Wer grundsätzlich wenig Freude daran hat, immer wieder durch die Landschaft zu streifen und Materialien zu sammeln, dürfte deshalb nicht dauerhaft glücklich werden.
Zwischen Wildnis und Wikingern Die Welt rund um unsere Siedlung ist glücklicherweise nicht nur eine riesige Rohstoffkammer. Bei unseren Erkundungstouren stoßen wir auf neue Orte, Aufgaben und Gefahren. Wer sich zu weit von der eigenen Heimat entfernt, sollte deshalb stets auf der Hut sein. Neben den Widrigkeiten der Natur können uns auch feindliche Bewohner der Spielwelt das Leben schwer machen.
In solchen Momenten kann es dann auch mal zu Kämpfen kommen, wenngleich das Kampfsystem nicht im Mittelpunkt des Spiels steht. Viking Frontiers möchte uns vielmehr das Gefühl vermitteln, in einer unbekannten Welt ein neues Leben aufzubauen. Die Auseinandersetzungen sind deshalb eher ein Teil des Gesamtpakets als der große Star des Spiels.
Deutlich wichtiger als Kämpfe sind Erkundung und Ressourcenmanagement. Wir müssen überlegen, welche Ausrüstung wir auf eine Expedition mitnehmen, wo wir die benötigten Materialien finden und wann es besser ist, wieder in die Sicherheit unserer Siedlung zurückzukehren. Dadurch entsteht ein durchaus stimmiger Kreislauf aus Risiko und Belohnung, der uns immer wieder dazu verleitet, noch ein kleines Stück weiter vorzudringen.
Auch optisch kann die nordische Spielwelt mit ihren Wäldern, Bergen und Küsten durchaus Atmosphäre erzeugen. Besonders schön ist es, wenn wir nach einer längeren Erkundungstour in die eigene Siedlung zurückkehren und sehen, wie sie seit unserem letzten Besuch gewachsen ist. Technisch gehört Viking Frontiers zwar nicht zur Speerspitze des Genres, die Präsentation erfüllt ihren Zweck aber durchaus ordentlich.
Jetzt auch auf der Konsole Ursprünglich war Viking Frontiers vor allem für PC-Spieler interessant. Seit dem 9. Juli dürfen sich nun aber auch Konsolenspieler in das Wikingerleben stürzen. Gerade für Freunde von Survival- und Aufbauspielen ist die Konsolenveröffentlichung dabei durchaus interessant. Wer es sich lieber auf dem Sofa gemütlich macht und in aller Ruhe eine Siedlung wachsen lässt, bekommt hier nämlich eine weitere Möglichkeit, sich mit den Nordmännern zu beschäftigen.
Für die Portierung auf die Konsolen zeigten sich die Entwickler von Wildlands Interactive verantwortlich. Dabei standen sie vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, eine komplexe, ursprünglich für Maus und Tastatur entworfene Menüführung auf das Gamepad zu übertragen. Dieses Experiment darf aber größtenteils als gelungen bezeichnet werden. Durchdachte Ringmenüs erleichtern das Auswählen von Werkzeugen, das Setzen von Baufeldern und das Aufrufen wichtiger Verwaltungsübersichten spürbar. Dennoch bleiben die Menüs recht verschachtelt, weshalb man doch ein wenig Eingewöhnungszeit benötigt. Danach navigiert man aber doch überraschend schnell durch die einzelnen Menüs.
Ein bisschen anders verhält es sich bei der restlichen Technik. Sobald die eigene Siedlung eine beträchtliche Größe erreicht und Dutzende NPCs gleichzeitig ihren Aufgaben nachgehen, gerät die Bildrate auf den Konsolen nämlich ab und an spürbar ins Stottern. Zudem ploppen Texturen gelegentlich vor einem auf und auch weitere gelegentliche Textur- und kleinere KI-Aussetzer der eigenen Clan-Mitglieder trüben das ansonsten stimmige Gesamtbild. So bleiben manche Bewohner gerne einmal orientierungslos an Zäunen hängen oder laufen schlichtweg im Kreis.
Technisch merkt man Viking Frontiers dann eben doch an, dass es sich hier lediglich um Indie-Projekt aus dem Hause PlayWay handelt - und nicht um das nächste Triple-A-Spiel. Die technischen Unzulänglichkeiten sind zwar ärgerlich, verhindern aber glücklicherweise nicht, dass wir uns über viele Stunden hinweg mit dem Aufbau unserer eigenen Wikingersiedlung beschäftigen können.
Fazit:
Viking Frontiers ist ein solides Survival- und Aufbauspiel im Wikinger-Setting, das vor allem mit dem motivierenden Ausbau der eigenen Siedlung punktet. Zwar fehlt es an einigen Stellen an Innovation und die eine oder andere Sammelaufgabe kann sich gerade im späteren Spielverlauf etwas ziehen. Insgesamt bietet der Titel aber eine stimmige Mischung für alle, die ihre Wikinger lieber siedeln und überleben lassen, anstatt mit der Axt auf Raubzug zu gehen.
Wer also Freude daran hat, Rohstoffe zu sammeln, Gebäude zu errichten, seine Bewohner zu organisieren und Schritt für Schritt eine eigene Siedlung aufzubauen, dürfte mit Viking Frontiers durchaus einige unterhaltsame Stunden verbringen. Die Konsolenportierung ist dabei trotz kleiner technischer Schwächen ordentlich gelungen und macht den Titel nun auch für diejenigen interessant, die ihre Wikinger-Abenteuer lieber mit dem Controller auf der Couch erleben.
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