Genre:
Strategie USK Freigabe:
Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
ab 19,11 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S
Inhalt:
Das Mittelalter fasziniert Aufbaustrategen seit jeher. Ob Klassiker wie Die Siedler und Stronghold oder neuere Perlen wie Banished und Manor Lords – das Prinzip, aus einem kleinen Haufen verängstigter Bauern ein blühendes Herzogtum aufzubauen, hat nur wenig von seinem Reiz verloren. Mit Feudal Baron: King's Land schickt sich nun ein weiterer Vertreter an, den Thron der mittelalterlichen Aufbausimulationen zu erklimmen.
Hier schlüpfen wir allerdings nicht etwa in die Rolle eines allmächtigen Königs, sondern übernehmen die deutlich beschwerlichere Aufgabe eines Barons. Das bedeutet: Wir sind unserem Lehnsherrn verpflichtet, für unser Volk verantwortlich und müssen uns gleichzeitig mit Banditen, Seuchen und Missernten herumschlagen. Ob der Titel das Zeug zum Dauerbrenner hat oder ob unser Baron bereits nach den ersten harten Wintern abdanken muss, haben wir für euch ausführlich getestet.
Meinung:
Feudal Baron: King's Land wirft uns ohne große Umschweife in eine raue und unbarmherzige Welt. Das grundlegende Spielprinzip orientiert sich dabei an etablierten Genre-Standards, erweitert diese jedoch um eine interessante politische Komponente: unsere Beziehung zum Lehnsherrn.
Zu Beginn unserer Herrschaft steht uns dabei kaum mehr als ein bescheidenes Dorfzentrum, einige Holzfällerhütten und eine Handvoll arbeitssuchender Leibeigener zur Verfügung. Trotzdem haben wir direkt alle Hände voll zu tun. Schließlich müssen wir dafür Sorge tragen, das Überleben unserer Siedler zu sichern. Das bedeutet im Klartext: Nahrung beschaffen, Unterkünfte errichten und ausreichend Brennholz für den kommenden Winter einlagern.
Der Wirtschaftskreislauf beginnt dabei recht simpel, nimmt mit wachsender Bevölkerung aber spürbar an Fahrt auf. Aus einfachen Holzfällern und Jägern werden schon bald Sägewerker, Imker, Weber, Gerber und Schmiede. Jedes Gebäude benötigt natürlich Arbeitskräfte und Rohstoffe und sollte zudem sinnvoll an unsere Lager angebunden sein. Wer hier unbedacht baut, erzeugt schnell lange Laufwege – und wie wir spätestens seit den zahlreichen ANNO-Teilen wissen, sind lange Wege der schleichende Tod jeder funktionierenden Wirtschaft.
Gut geplant ist halb gebaut Feudal Baron: King's Land sorgt mit einer speziellen Mechanik beim Städtebau allerdings gewissermaßen selbst dafür, dass unsere Wege nicht ausufern. Gebäude lassen sich nämlich nicht einfach beliebig über die Karte verstreut platzieren. Stattdessen setzt das Spiel auf ein recht striktes Bereichs- und Reichweitensystem.
Die einzelnen Produktionsketten greifen dabei direkt ineinander. Ein Getreidefeld muss beispielsweise in Reichweite eines Speichers liegen, der wiederum nah genug am Markt platziert sein sollte, damit unsere Bewohner mit Brot versorgt werden können. Ähnliches gilt für Sägewerke, Schneider oder Steinmetze.
Dieses System zwingt uns dazu, beim Aufbau unserer Siedlung vorausschauend zu planen, und verhindert gleichzeitig, dass wir einfach wild drauflosbauen. Wer die verschiedenen Einzugsgebiete nicht im Blick behält, bremst schnell die komplette Logistik seiner Stadt aus und muss sich schon bald mit leeren Lagern und entsprechenden Versorgungslücken herumschlagen.
Dem König Tribut zollen Neben dem eigentlichen Städtebau bildet aber auch das empfindliche Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen unserer Siedlung und den Forderungen der Krone einen wichtigen Bestandteil des Gameplays. Der König sieht in unserer Baronie schließlich keineswegs ein gemütliches Ausflugsziel, sondern vor allem eine willkommene Einnahmequelle.
In regelmäßigen Abständen verlangt die Krone ihren Tribut. Mal sind es horrende Goldsummen, mal gewaltige Mengen an Getreide oder Waffen für den nächsten königlichen Feldzug. Vernachlässigen wir diese Forderungen, sinkt unsere Gunst bei Hofe dramatisch. Im schlimmsten Fall drohen drastische Strafen oder sogar der Verlust unseres Titels.
Bedienen wir den König hingegen zu großzügig, kann es passieren, dass unsere eigene Bevölkerung im Winter hungert oder wegen zu hoher Steuern gegen uns aufbegehrt. Dieser ständige Spagat zwischen den Interessen der Krone und den Bedürfnissen des eigenen Volkes sorgt für eine angenehme Grundspannung und zwingt uns immer wieder dazu, unsere Prioritäten neu zu überdenken.
Um die Kassen zu füllen und das Volk bei Laune zu halten, stehen uns zudem verschiedene Erlasse und Gesetze zur Verfügung. Wir können beispielsweise Feste ausrufen, um die Stimmung zu verbessern, oder höhere Steuern eintreiben, um dringend benötigte Bauprojekte zu finanzieren. Über den Handelsmarkt haben wir außerdem die Möglichkeit, überschüssige Waren an benachbarte Siedlungen zu verkaufen oder dringend benötigte Rohstoffe einzukaufen.
Zwischen Schafweide und Schwerterklirren Wie es sich für ein Aufbauspiel gehört, müssen wir uns allerdings nicht nur als geschickte Wirtschaftsexperten, sondern auch als fähige Verwalter beweisen. Denn unser Volk hat Bedürfnisse. Neben Nahrung und Wärme verlangen die Bürger nach religiöser Erbauung durch Kapellen und Kirchen, nach Unterhaltung im Wirtshaus und natürlich auch nach medizinischer Versorgung.
Bricht beispielsweise die Pest aus und wir haben keinen Kräuterkundigen zur Hand, kann die Seuche innerhalb kürzester Zeit einen großen Teil unserer Bevölkerung dahinraffen. Das wiederum legt im schlimmsten Fall ganze Produktionsketten lahm. Es lohnt sich also, stets ein Auge auf die Gesundheit und Zufriedenheit unserer Bewohner zu haben.
Natürlich bleibt eine aufstrebende Baronie auch nicht von Neidern und anderen Gefahren verschont. Immer wieder werden wir von Räuberbanden oder feindlichen Truppen bedroht. Hier beschreitet das Entwicklerteam einen eher ungewöhnlichen Weg: Statt auf Echtzeit-Schlachten wie in Stronghold oder ANNO zu setzen, kommt ein eher trockenes, rundenbasiertes Taktiksystem auf einem Rasterfeld zum Einsatz.Bevor die Schlacht beginnt, können wir unsere Bauern mit Harken und Speeren ausrüsten, Zäune aufstellen und Fallgruben platzieren. Sobald der Feind anrückt, wechselt das Spiel auf ein schlichtes Kachelgitter, auf dem die Einheiten abwechselnd bewegt werden und ihre Angriffe ausführen.
Was auf dem Papier durchaus nach strategischer Tiefe klingt, entpuppt sich in der Praxis leider als eines der schwächsten Elemente des Spiels. Die Kämpfe wirken hölzern, visueller Reiz fehlt nahezu vollständig und bereits nach wenigen Auseinandersetzungen fühlen sich die Gefechte eher wie eine lästige Pflichtaufgabe als wie ein spannendes Highlight an. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen.
Technologie für den Aufstieg Wesentlich besser hat uns hingegen der Entwicklungsbaum gefallen, der im späteren Spielverlauf immer umfangreicher wird und neue Technologien sowie Gebäude freischaltet. Hier entscheiden wir selbst, ob wir uns stärker auf den Handel, eine effizientere Landwirtschaft oder die militärische Aufrüstung konzentrieren möchten.
Allerdings zeigt sich gerade im späteren Spielverlauf auch eine der größten Schwächen von Feudal Baron: King's Land. Sobald die Infrastruktur erst einmal steht und die Rohstoffe im Überfluss fließen, verkommt das Gameplay stellenweise zur reinen Verwalterroutine.
Es fehlt an echten Großprojekten, etwa in Form von Monumentalbauten oder komplexeren Handelsrouten mit benachbarten Regionen, die uns auch nach vielen Spielstunden noch vor neue Herausforderungen stellen würden. Gerade erfahrene Aufbaustrategen dürften sich hier langfristig etwas mehr Tiefgang wünschen.
Solide Mittelalter-Romantik Grafisch präsentiert sich Feudal Baron: King's Land solide, ohne dabei große Glanzpunkte zu setzen. Die Gebäude sind liebevoll gestaltet und das geschäftige Treiben der Bürger auf den Straßen vermittelt durchaus das Gefühl einer lebendigen mittelalterlichen Kleinstadt. Beim Herauszoomen wirkt die Spielwelt allerdings stellenweise etwas trist und detailarm.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Sounddesign. Die Hintergrundmusik setzt auf traditionelle Lauten- und Flötenklänge, die hervorragend zum mittelalterlichen Szenario passen. Allerdings ist die Auswahl an Musikstücken recht überschaubar, sodass sich die immer gleichen Melodien mit der Zeit doch etwas abnutzen.
Die Benutzeroberfläche ist grundsätzlich übersichtlich aufgebaut, hat allerdings mit kleineren Schwächen zu kämpfen. Gerade auf den Konsolen fällt die Schrift stellenweise sehr klein aus. Hinzu kommen teilweise etwas verwirrende Menüstrukturen sowie vereinzelte Logikfehler bei den Produktionsketten, die den Spielfluss unnötig ausbremsen.
Auch die KI unserer Handwerker arbeitet nicht immer zuverlässig. So kann es vorkommen, dass Ressourcen trotz voller Lager nicht ordnungsgemäß transportiert werden oder Arbeiter ihre Aufgaben nicht ganz so gewissenhaft erledigen, wie wir es uns wünschen würden.
Mehr als nur eine Kampagne Neben der Kampagne bietet Feudal Baron: King's Land weitere Szenarien mit unterschiedlichen Ausgangssituationen und Herausforderungen. Wer lieber ohne größere Vorgaben baut, kann sich außerdem im freien Spiel austoben. Hier steht weniger die Geschichte als vielmehr die eigene Kreativität und die Optimierung der Siedlung im Mittelpunkt.
Damit bietet der Titel durchaus genügend Möglichkeiten, auch nach Abschluss der Kampagne noch einige Zeit mit dem Aufbau des eigenen Reiches zu verbringen. Gerade für erfahrene Aufbauspieler hätten wir uns bei den langfristigen Zielen allerdings noch etwas mehr Abwechslung gewünscht.
Fazit:
Feudal Baron: King's Land ist ein grundsolides und atmosphärisches Aufbauspiel, das das Rad zwar nicht neu erfindet, Genrefans aber dennoch für viele Stunden an den Bildschirm fesseln kann. Besonders der Spagat zwischen der Versorgung der eigenen Bevölkerung und den stetig eintrudelnden Forderungen des Königs sorgt für eine interessante und motivierende Note im ansonsten bekannten Bau-Schema.
Wer über kleinere Schwächen bei der KI, das eher simple Kampfsystem und den etwas zähen Spielfluss im späteren Spielverlauf hinwegsehen kann, bekommt ein liebevoll gestaltetes Mittelalter-Erlebnis geboten.
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