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Dispatch

Entwickler: AdHoc Studio
Publisher: AdHoc Studio

Genre: Simulationen
USK Freigabe: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: 34,99 €

Systeme: PC, PlayStation 5, Switch 2, Xbox Series X/S

Inhalt:

Echte Helden tragen Capes, fliegen durch Wolkenkratzer-Schluchten und retten die Welt im Alleingang? Nicht in Dispatch. Das narrative Adventure von AdHoc Studio – einem Entwicklerteam, das von ehemaligen Telltale-Veteranen gegründet wurde – schlägt eine erfrischend unkonventionelle Richtung ein. Statt selbst an der Front Bösewichte zu verprügeln, sitzen wir hinter dem Schreibtisch einer Einsatzzentrale und koordinieren das Chaos. Bisher war der Überraschungshit PC-, PlayStation- und Switch-Spielern vorbehalten, doch ab sofort dürfen sich auch Konsolen-Helden auf der Xbox Series X|S ins Büro-Schlachtfeld stürzen.



Meinung:

Die Grundlage von Dispatch ist genauso schräg wie sympathisch: Wir schlüpfen in die Rolle von Robert Robertson, der bisher als „Mecha Man“ für Recht und Ordnung gesorgt hat. Nachdem sein hochmoderner Kampfanzug im Gefecht mit seinem Erzrivalen vollständig demoliert wird, ist Schluss mit dem Heldentum in der ersten Reihe. Ohne Rüstung bleibt Robert nur der Wechsel in die Verwaltung des Superhero Dispatch Network. Fortan arbeitet er als Einsatzleiter, also Dispatcher, in einer Notrufzentrale, schickt andere Helden zu ihren Einsätzen, koordiniert Notfälle und soll dabei möglichst nicht komplett die Nerven verlieren.

Was zunächst nach einer ziemlich absurden Idee klingt, entpuppt sich auch auf der Xbox schnell als Grundlage für eines der unterhaltsamsten und ungewöhnlichsten Adventures der vergangenen Zeit.

Willkommen im Büro des Wahnsinns
Wer bei Dispatch einen klassischen Superhelden-Titel erwartet, dürfte zunächst überrascht sein. Hier laufen wir nicht durch eine riesige offene Welt, schwingen uns durch Hochhausschluchten oder liefern uns pausenlos spektakuläre Kämpfe. Stattdessen verbringen wir einen großen Teil unserer Zeit im Büro.

Dort treffen wir auf eine ziemlich illustre Truppe aus Kollegen und Helden. Besonders interessant ist dabei, dass es sich bei vielen unserer neuen Mitarbeiter um ehemalige Superschurken handelt, die nun eine zweite Chance bekommen sollen. Dass ausgerechnet diese Charaktere gemeinsam Verbrechen bekämpfen sollen, sorgt natürlich für reichlich Konfliktpotenzial.

Und genau daraus zieht Dispatch einen Großteil seines Humors. Die Figuren sind keine glattpolierten Superhelden, wie man sie aus vielen anderen Superhelden-Geschichten kennt, sondern haben Ecken, Kanten, persönliche Probleme und jede Menge eigene Vorstellungen davon, wie ein Arbeitstag auszusehen hat. Zwischenmenschliche Spannungen gehören deshalb genauso zum Büroalltag wie tatsächliche Notfälle.

Wer passt zu welchem Einsatz?
Auch wenn die Interaktion zwischen den verschiedenen Figuren viel Spaß bereitet, ist Dispatch natürlich keine reine Graphic Novel. Als Dispatcher übernehmen wir auch spielerische Aufgaben. Dazu blicken wir auf eine Karte, auf der unterschiedliche Notfälle auftauchen – vom entlaufenen Labor-Experiment bis hin zur handfesten Banküberfall-Krise. Jede Aufgabe stellt dabei andere Anforderungen, weshalb wir überlegen müssen, welchen Superhelden wir zu welchem Einsatz schicken.

Das klingt zunächst simpel, entwickelt aber durchaus einen gewissen taktischen Reiz. Unsere Helden unterscheiden sich nämlich nicht nur durch ihre Fähigkeiten, sondern entwickeln sich im Laufe der Geschichte auch weiter. Gleichzeitig müssen wir auch ihre jeweiligen Stärken und Verfügbarkeiten berücksichtigen.

So entsteht eine angenehme Mischung aus Management und Adventure. Wir stehen zwar nicht selbst mitten im Geschehen, fühlen uns aber trotzdem für das Ergebnis verantwortlich. Schicken wir den falschen Helden los, kann ein Einsatz nämlich entsprechend schlechter ausgehen.

Besonders gefallen hat mir dabei, dass die Dispatch-Abschnitte nicht wie lose eingestreute Minispiele wirken. Stattdessen sind sie eng mit der Geschichte verbunden und fügen sich somit perfekt in das Spiel ein.

Charaktere mit Ecken und Kanten
Den größten Teil seiner Faszination bezieht Dispatch allerdings aus seinen Charakteren. Und hier zeigt sich sehr deutlich, dass hinter dem Spiel ein Team steckt, das bereits an erzählerisch starken Adventures wie The Wolf Among Us und Tales from the Borderlands gearbeitet hat.

Die Geschichte wird vor allem über Dialoge und Zwischensequenzen erzählt. Wir unterhalten uns mit unseren Kollegen, treffen Entscheidungen und beeinflussen dadurch unsere Beziehungen zu den anderen Figuren. Dabei geht es nicht immer gleich um weltbewegende Konsequenzen. Manchmal reicht schon eine unbedachte Bemerkung, um jemanden gegen uns aufzubringen oder eine Beziehung in eine andere Richtung zu lenken.

Das sorgt dafür, dass wir den Dialogen tatsächlich Aufmerksamkeit schenken. Wir klicken nicht einfach möglichst schnell durch die nächste Textpassage, sondern überlegen durchaus, wie Robert reagieren soll.

Dabei schafft es Dispatch, Humor und ernstere Momente überraschend gut miteinander zu verbinden. Hinter den teilweise völlig überdrehten Figuren stecken nämlich erstaunlich glaubwürdige Charaktere mit ihren eigenen Problemen und Motivationen. Gerade dadurch funktionieren auch die emotionaleren Momente besser, als man es von einer Superhelden-Parodie zunächst erwarten würde.

Entscheidungen statt Daueraction
Durch sein ganzes Konzept erinnert das Spiel immer wieder an die großen interaktiven Adventures vergangener Jahre. Wer beispielsweise die Spiele von Telltale kennt, wird sich schnell heimisch fühlen. Allerdings beschränkt sich Dispatch nicht ausschließlich auf Dialogentscheidungen.

Neben Gesprächen und Dispatch-Einsätzen warten weitere kleinere Gameplay-Elemente auf uns. Dazu gehören unter anderem Hacking-Sequenzen und gelegentliche Quick-Time-Events. Letztere lassen sich auf Wunsch aber auch ganz einfach deaktivieren, was sehr erfreulich ist. Denn so wird verhindert, dass wir bei den ohnehin stark erzählerisch geprägten Szenen ständig auf irgendwelche eingeblendeten Tasten achten müssen.

Allerdings zeigt sich hier auch eine der wenigen Schwächen des Spiels: Wer möglichst viel klassisches Gameplay erwartet, wird mit Dispatch wahrscheinlich nicht glücklich. Umfangreiche Erkundung oder ausgedehnte Kämpfe sucht man nämlich vergeblich. Die meiste Zeit verbringen wir mit Gesprächen, Entscheidungen und dem Koordinieren unserer Helden.

Das ist kein Fehler – schließlich basiert das gesamte Konzept darauf. Man sollte sich lediglich darüber im Klaren sein, worauf man sich einlässt.

Eine Serie zum Spielen
Optisch schlägt Dispatch ebenfalls einen etwas anderen Weg ein, als man zunächst vermuten würde. Statt auf eine möglichst realistische Darstellung setzt AdHoc Studio auf einen animierten Comic-Look à la Telltale Games – nur deutlich moderner und detaillierter. Dank der Unreal Engine wirken die Charaktere hier nämlich tatsächlich direkt aus einer hochwertigen Animationsserie entsprungen, was natürlich hervorragend zum Thema passt.

Gerade bei den zahlreichen Zwischensequenzen spielt die Präsentation ihre Stärken aus. Gesichtsausdrücke, Bewegungen und Inszenierung sorgen dafür, dass die Figuren lebendig wirken und die Dialoge nicht wie simple Standbilder mit gesprochenem Text erscheinen.

Einen großen Anteil an der tollen Präsentation hat aber auch die hervorragende Synchronbesetzung. Mit unter anderem den bekannten Schauspielern Aaron Paul (Breaking Bad) und Jeffrey Wright (The Batman) sowie der professionellen Synchronsprecherin Laura Bailey ist das Spiel sehr prominent besetzt. Dementsprechend verleihen sie den Figuren auch sehr viel Persönlichkeit und tragen maßgeblich dazu bei, dass selbst längere Dialogpassagen unterhaltsam bleiben.

Bei dieser tollen Synchronisationsarbeit kann man auch mal gut darüber hinwegsehen, dass es keine deutsche Sprachausgabe gibt. Wer des Englischen nicht so mächtig ist, muss deshalb leider auf die deutschen Untertitel zurückgreifen.

Dafür kommt aber jeder in den Genuss der musikalischen Untermalung, die ebenfalls exzellent gelungen ist. Der Soundtrack hält sich insgesamt angenehm zurück, doch genau das passt hier perfekt. Die leisen Töne untermalen das Geschehen im Büro und tragen damit einen großen Teil zu der tollen Atmosphäre bei, die Dispatch von Anfang bis Ende versprüht.



Fazit:
Bild unseres Mitarbeiters Stefan.Heppert

Als Xbox-Spieler bin ich froh, dass Dispatch nun auch auf „meiner“ Konsole angekommen ist. Das ungewöhnliche Konzept funktioniert nämlich noch immer erstaunlich gut: Ein ehemaliger Superheld, der plötzlich hinter dem Schreibtisch sitzt, eine Gruppe ehemaliger Superschurken, die jetzt auf der Seite der Guten kämpfen soll, und jede Menge Bürochaos ergeben zusammen ein herrlich absurdes, aber ausgesprochen unterhaltsames Adventure.

Vor allem die sympathischen Charaktere, die witzigen Dialoge und die gelungene Geschichte machen Dispatch zu einem Titel, den man nur ungern aus der Hand legt. Die Dispatch-Einsätze sorgen dabei für spielerische Abwechslung, während Entscheidungen und Beziehungen dafür sorgen, dass wir uns wirklich als Teil der Geschichte fühlen. Wer die guten alten Telltale Games vermisst, sollte sich diesen ungewöhnlichen Superhelden-Ausflug spätestens jetzt nicht mehr entgehen lassen.



Dispatch - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Stefan.Heppert

Screenshots


















Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 8.75 Grafik: 9.00
Sound: 9.00
Steuerung: 9.00
Gameplay: 8.00
Wertung: 8.75
  • Hervorragend geschriebene und sympathische Charaktere
  • Sehr unterhaltsame Dialoge und viel Humor
  • Ungewöhnliche und erfrischende Superheldengeschichte
  • Hervorragende Sprecherbesetzung
  • Wunderschöner Animationsstil
  • Wenig klassisches Gameplay
  • Keine Erkundung oder umfangreiche Action
  • Einige Minispiele wirken etwas aufgesetzt
  • Wer hauptsächlich Superhelden-Action erwartet, könnte enttäuscht sein

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Rezension vom: 16.08.2026
Kategorie: Simulationen
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