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James Bond 007: Ein Quantum Trost

Publisher: Activision

Genre: Action
USK Freigabe: keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: 65 €

Systeme: DS, PC, PlayStation 2, PlayStation 3, Wii, Xbox 360

Inhalt:
Als neuer Agenten-Publisher hält Activision Ein Quantum Trost für alle Bond-Fans bereit: Wer bei „Casino Royale“ vergeblich auf das Spiel zum Film wartete, bekommt nun die Story beider Streifen auf einer Disc präsentiert. Damit gibt 007 nicht nur seinen Einstand auf der aktuellen Konsolengeneration, sondern kehrt nach sechs Jahren Abstinenz auch wieder auf den PC zurück. Entwickelt hat hier "Call Of Duty"-Veteran Treyarch. Das alles, und der persönliche Segen von Daniel Craig – da kann doch nichts mehr schiefgehen, oder?

Meinung:
James Bond ist ein echter Veteran, nicht nur im Film-, sondern auch im Videospielgeschäft, schließlich erschienen seine ersten Spiele schon Anfang der 80er als Automaten und auf Systemen wie dem Atari 2600. Mit der Zeit kamen Actionspiele, Sidescroller, Textadventures und Rennspiele bis Nintendo und Rare mit dem Spiel zum ersten Pierce Brosnan-Bond sowohl einen Meilenstein unter den Egoshootern, als auch eine Schablone für die nächsten 007-Spiele schuf.

1999 widmete sich EA dem Franchise und ging mit „Der Morgen stirbt nie“ für die PS1 erst mal baden. Der um einiges bessere Nachfolger „Die Welt ist nicht genug“ erschien dann auch für PC und N64 und stellte gleichzeitig die letzte Brosnan-Versoftung dar. EA versuchte es dann mit drei Eigenentwicklungen, die nicht an Filme gebunden waren und der Umsetzung des Connery-Klassikers „Liebesgrüße aus Moskau“. Die Spiele waren gut, aber keine Meilensteine. Nun ist Activision am Zug und bleibt dem Genre treu.

Mogelpackung
Normalerweise würde ich an dieser Stelle etwas über die Story des Spiels erzählen. Hat man aber weder „Casino Royale“ noch „Ein Quantum Trost“ gesehen, versteht man nur wenig, so lose sind alle Missionen verbunden. Die Tatsache, dass man zuerst drei Levels aus dem aktuellen Film spielt, danach eine sehr lange Rückblende mit den Ereignissen aus „Casino Royal“ erlebt und schließlich für den finalen Showdown wieder zu „Quantum“ zurückkehrt, trägt zur endgültigen Verwirrung bei. Besser wäre es hier gewesen, zwei gleichwertige Kampagnen zur Auswahl anzubieten.

Wie war noch gleich ihr Name?
Aber fahren wir nun mit unserer Observation fort: Ein gewisser Mr. White spricht auf seinem Anwesen unmotiviert in sein Handy und wird angeschossen, der Schütze will ihn wegzerren und stellt sich dabei vor. Moment, sollte dieses leise Nuscheln eben „Mein Name ist Bond, James Bond“ bedeuten? Die Männer, die nun auftauchen und den Agenten in den Garten hetzen, sprechen jedenfalls wieder laut und deutlich. Die Musik ist super, keine Frage. Im englischen Original haben Daniel Craig, Eva Green und alle wichtigen Schauspieler ihren virtuellen Kollegen ihre Stimmen geliehen – und das bei einer so hochkarätigen Kinofilm-Umsetzung!

Nur für die deutsche Fassung war wohl kein Geld mehr übrig, so dass das „Synchronstudio“ (Die Garage, die dem Vater des dafür angeheuerten  Finanzwirtschaftsstudenten gehört) einfach seinen Produktionsleiter (Eben dieser Finanzwirtschaftsstudent, der in seinem früheren Nebenjob bei der Synchronisation des Filmes Kaffee für die Sprecher geholt hat, und dank dieser Erfahrung die erste Wahl für Activision darstellte) kurzerhand in die Fußgängerzone schickte, um ein paar „markante“ Stimmen aufzutreiben. Durch einen besseren und lauteren Hauptsprecher hätte man die Synchro noch halbwegs retten können.

In Deckung!
Ich lasse mich nicht beirren, gehe mit Bond in Deckung und darf nun einen Blick auf den gar nicht mal übel modellierten Daniel Craig werfen. Während ich diese Zeilen schreibe, sitzt dieser immer noch in seiner Deckung, genau wie die ganzen Bösewichte. Alle hocken brav hinter irgendeinem Steingeländer und lugen ab und zu hervor. Keiner schießt, im Hintergrund läuft dramatische Musik, alle haben sich lieb. Der Pausemodus ist nicht aktiviert! Aber bestimmt haben mich die Typen einfach nicht gesehen…

Also machen wir einmal auf „böse Doppelnull“ und erschießen eine freundliche Wache. Nun geht das Geballer los. Ich erschieße noch einen, bleibe dabei schön in Deckung. Man kann nämlich – und das ist eher untypisch für das sonst sehr realistische Ego-Genre – einfach die Gegner aus der eigenen Deckung anvisieren (oder die Stelle, die sie beim Verlassen ihres Schutzes gleich einnehmen werden), und losballern. Bond muss dabei nicht mal aufstehen geschweige denn seinen Schutz verlassen. Er schießt einfach blind - so sieht es jedenfalls aus - über die Deckung hinweg und trifft.Warum auch den teuren Anzug riskieren? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass echte Egoshooter-Fans daran Gefallen finden.

Inzwischen läuft das Spiel übrigens immer noch weiter. Die Typen gucken ab und zu raus, schießen auf irgendwas und Daniel Craig versucht mit der Walter in der Hand einfach nur gut auszusehen. Im echten Leben würde ich mich hinter so einem Steingeländer nicht sicher fühlen. Zwar gibt es später auch Gegner, die Bond flankieren, doch all das ist hemmungslos gescriptet und ohne Spur einer richtigen KI. Und wenn doch mal zu viele Gegner auf einmal kommen, steht ganz sicher etwas in der Nähe, das verdächtig in der Sonne glänzt. Schießt darauf, und erfreut euch an der Explosion.

Gimmicks? Gibts nur noch für den Spieler
Dabei macht das Spielen in der Deckung durch die große Bewegungsfreiheit enorm Spaß! So kann man auf die andere Seite eines Weges wechseln, indem man am Rand einfach nur A drückt – passende Hinweise blendet das Spiel gerne ein, sofern die entsprechende Option aktiviert ist. Auch um die Ecke eines Objekts kann man auf diese Weise gehen. Möchte man zur nächsten Deckung sprinten, sollte man sich nicht auf das Spiel verlassen: Zwar wird die Option eingeblendet und man kann auch A betätigen, befindet sich zwischen Bond und Objekt jedoch ein Abgrund (kann auch ein Spalt zwischen zwei Häuserdächern sein), so stürzt der Agent hoffnungslos in den Tod.

Verschlossene Tore öffnet man per Hacking-Minispiel, bei dem man einfach auf dem Steuerkreuz ein paar Mal die Richtung drücken muss, die das Spiel vorgibt. Der Tastendruck sollte zwar zeitnah geschehen, für einen normalen Spieler stellt dies aber kein Problem dar, zudem hat man noch drei Fehlversuche frei. Sicherheitskameras lassen sich so anzapfen, dass sie ihr Bild direkt auf Bonds Mobiltelefon schicken. Hört man ein Handy klingeln, ist es meist jedoch eines, das die Bösewichte liegen ließen. Die SMS-, Bild-, und Tonnachrichten geben auch Hinweise auf versteckte Waffen. An interessanten Features fehlt es dem Spiel jedenfalls nicht.

Im Angesicht des Todes
Dazu gehört auch der Nahkampf. Überrascht man einen Gegner, kann man den rechten Stick drücken, um den Kontrahenten etwa mit einem Judowurf oder anderen Angriffen auszuschalten. Es wird dann kurz einer der vier Buttons eingeblendet, welchen man dann zu drücken hat, damit der Angriff gelingt. Das Ganze geht auch aus dem Sprint heraus. Auf dem PC soll dieses Feature noch etwas interessanter sein – hier hätte man auch auf der Konsole noch etwas in Sachen Schwierigkeit nachlegen können, das Grundprinzip ist aber in Ordnung. Gerät man an einen Boss, den man im Nahkampf besiegen muss, kommt es zu einer zu betätigenden Tastenfolge, ähnlich God Of War, nur nicht so spektakulär.

Erleidet man Schaden, so wird das Bild grau, der berühmte Bond-Pistolenlauf erscheint und macht das Sichtfeld immer enger. Stirbt man, läuft stilecht Blut über den Bildschirm – auch dieses Gimmick weiß optisch zu gefallen. Die Tatsache, dass auch ein Bond einfach so in Deckung gehen kann, um volle Gesundheit zu erhalten, ist der nächste Kritikpunkt. Ich weiß, dass es in vielen Shootern so gehandhabt wird, und in SciFi-Spielen wie Crysis oder Fracture habe ich auch kein Problem damit, da es dort durch den Schutzschild des Anzuges erklärt wird. Bei Shootern mit „normalen“ Menschen ist es doch nur eine Vereinfachung des Spielprinzips – man spart sich die Medikits. Auch beim stets hochgelobten Call Of Duty ist es so, doch muss man es deswegen auch gut finden?

Linearity Report
Die grösste Schwachstelle des Spieles dürfte jedoch der komplett lineare Spielablauf sein. Zwar gibt es hier und da mal eine Stelle, an der man nicht vorbei muss, und wo man eine Waffe oder ein Handy finden kann, die meiste Zeit bewegt man sich jedoch völlig geradlinig zum nächsten Abschnitt des Levels. Diese Unterteilungen fallen auf den ersten Blick gar nicht auf, man merkt es dann, wenn man zurück will und es irgendwo nicht mehr weitergeht, weil etwa ein Objekt umgefallen ist oder man nicht (mehr) so hoch/weit springen kann. Überquert man die Grenze zum nächsten Abschnitt nicht, kommen von dort auch keine Gegner rüber.

Richtig fies wird es, wenn man auf Dächern herumrennt und der Abstand zum Boden plötzlich gar nicht mehr so groß aussieht. Pech nur, dass man auf der Straße nichts verloren hat, wenn es das Spiel nicht will. Erneut verliert der Agent sein Leben an die Engstirnigkeit des Leveldesigns. Zufällig parkt da aber ein Bus, über den man zum nächsten Dach kommt. Vielleicht könnte man von hier... wieder nichts, dieses Mal hat die unsichtbare Mauer zugeschlagen. Auch wenn man da jetzt schon einen Gegner sieht, kann man auf dem Bus so viel Krach wie nur möglich machen. Der Typ gehört zum nächsten Abschnitt und ist auch nicht angreifbar, obwohl das Fadenkreuz rot wird! Ach nein, sorry. Auch wenn es weitergeht und die nächsten Gegner kommen, der einsame Typ von vorhin steht immer noch regungslos da, wo er auch vorhin schon stand. Hat wohl das Script zu Hause vergessen...

Vielleicht war es keine gute Idee, so ein Spiel mit Rücksicht auf die Wii-Version zu entwickeln, das schadet sowohl Nintendos Plattform, deren Stärken eben woanders liegen, als auch den Versionen für PC, 360 und PS3. Zwei komplett unterschiedliche Spiele dürften hier der beste Weg sein, es mag ihn sich nur niemand leisten.

Wahl der Waffen
Mühe hat sich Treyarch sichtlich bei den Waffen gegeben. Es gibt eine ganze Menge davon und die sehen nicht nur alle unterschiedlich aus, sondern verhalten sich auch sehr realistisch. So zieht das Maschinengewehr etwas hoch, wenn man länger draufhält, die Sniper Rifle wackelt beim Zielen. Man kann zudem nur drei Waffen mitnehmen, wobei Bond niemals die P99 ablegt. Schalldämpfer sind ebenfalls einsetzbar, bei manchen Waffen hat man die Auswahl zwischen Automatik und Einzelschuss.

Grafisch gibt sich Ein Quantum Trost sehr zwiespältig. Daniel Craig selbst ist gut getroffen, die Umgebung sieht zwar detailreich, aber oft sehr altbacken aus. Hätte man hier noch ein paar Texturen ausgetauscht, wäre das Spiel um einiges ansehnlicher. Dann und wann überrascht Ein Quantum Trost mit kraftvollen Explosionen, Erschütterungen, auslaufenden Weinfässern und anderen Effekten. Einige Objekte lassen sich zerstören, das sind meist aber nur solche, die für Deckung oder Erfolge (die übrigens nach zahlreichen Bond-Filmen und -Zitaten betitelt sind) gebraucht werden. Auch die Zwischensequenzen sind nicht übel.



Fazit:
Bild unseres Mitarbeiters Michael Hambsch michaelSelten hat mich ein Spiel mit solch gemischten Gefühlen zurückgelassen wie „Ein Quantum Trost“. Es ist ein Arcade-Ego-Shooter mit vielen spielerischen Schwachstellen, der aber durchaus Spaß macht und tolle Momente bietet. Zu lineares Design, eine chaotische Erzählweise, geringe Spieldauer und die schlechte deutsche Synchronisation sind jedenfalls Negativpunkte, die ordentlich unter die Gürtellinie zielen. Fast 70 Euro ist da als Preis für die Konsolenfassung definitiv zu hoch. Ich erinnere da an Lost - zwar auch nicht das Nonplusultra  -, das aber eine eigenständige Story bot und mit 45 Euro auch nicht so teuer war. 

Für die Filmstudios ist eine derartige Umsetzung wohl nur lizenzierter Franchise, für die Spielhersteller schnelles Geld. Schade, denn würden alle an einem Strang ziehen, könnte man weitaus bessere Ergebnisse erzielen. Vielleicht reicht es auch, mal das Egoshooter-Genre zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. James Bond könnte ich mir jedenfalls gut als Alternative zu Solid Snake und Sam Fisher vorstellen.



James Bond 007: Ein Quantum Trost - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Michael Hambsch

Screenshots


















Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 6.5625 Grafik: 6.75
Sound: 6.00
Steuerung: 7.00
Gameplay: 6.50
Wertung: 6.5625
  • Kinoreife Musik
  • Ausgeklügeltes Waffensystem
  • Ideen wie Nahkampf und Deckung sind es würdig, weiter verbessert zu werden
  • Multiplayer-Modus
  • Das Leveldesign schränkt zu sehr ein
  • Um der Story folgen zu können, sollte man die Filme gesehen haben
  • Kaum KI, Gegnerverhalten nur gescriptet
  • Schlechte Synchronisation
  • Viel zu geringer Umfang, enthält mehr Casino Royale als Ein Quantum Trost

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Rezension vom: 11.11.2008
Kategorie: Action
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Die Bewertung unserer Leser für dieses Game
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