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Kurz vorgestellt: Gobliiins Collection
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Als Anfang der 1990er-Jahre Point-and-Click-Adventures ihre große Blütezeit erlebten, sorgte eine Reihe für besonders viele überraschte Gesichter. Während andere Genrevertreter auf ernste Geschichten, Piratenabenteuer oder Detektivfälle setzten, schickte Entwickler Pierre Gilhodes eine Gruppe chaotischer Goblins ins Rennen, die Probleme mit Magie, Muskelkraft und einer gehörigen Portion Wahnsinn lösten. Die Gobliiins-Reihe entwickelte sich schnell zu einem Geheimtipp unter Adventure-Fans und genießt bis heute Kultstatus.

Wer sich selbst ein Bild von dieser außergewöhnlichen Serie machen möchte, bekommt nun die vielleicht beste Gelegenheit seit Jahren dazu. Mit der Gobliiins Collection hat Red Art Games die komplette Hauptreihe auf moderne Konsolen gebracht. Fünf Spiele aus mehr als drei Jahrzehnten warten darauf, neu oder wiederentdeckt zu werden. Dabei wird schnell deutlich, wie stark sich die Reihe im Laufe der Jahre verändert hat – und warum sie trotz aller Eigenheiten bis heute eine treue Fangemeinde besitzt.

Gobliiins (1991) – Ein ungewöhnlicher Genre-Pionier
Der erste Teil der Sammlung ist natürlich auch der Ursprung der gesamten Reihe. Gobliiins erschien 1991 für MS-DOS, Amiga, Atari ST und Macintosh und legte den Grundstein für alles, was die Serie später auszeichnen sollte.

Anstatt lediglich einen Helden zu steuern, übernahm man die Kontrolle über gleich drei Goblins – daher auch die drei „i“ im Titel. Oups, Asgard und Ignatius verfügen jeweils über eigene Fähigkeiten, die geschickt miteinander kombiniert werden müssen, um die zahlreichen Rätsel zu lösen. Einer setzt auf Magie, ein anderer auf technische Kniffe, während der dritte Probleme lieber mit roher Gewalt löst.

Dieses Konzept war seinerzeit erfrischend neu und sorgt auch heute noch für interessante Denksportaufgaben. Gleichzeitig merkt man dem Spiel sein Alter jedoch deutlich an. Viele Rätsel folgen einer Logik, die modernen Spielerinnen und Spielern nicht immer sofort einleuchtet.

Die größte Frustquelle ist allerdings die gemeinsame Lebensleiste, die falsche Experimente gnadenlos bestraft. Geht die Energie zur Neige, ist das Abenteuer sofort beendet. Dennoch gehört Trial-and-Error hier aber leider ebenso zum Spielerlebnis wie Geduld und eine gehörige Portion Frustrationstoleranz.

Trotz dieser aus heutiger Sicht fragwürdigen Designentscheidungen entfaltet Gobliiins noch immer seinen ganz eigenen Charme. Die liebevoll gezeichneten Hintergründe, die skurrilen Animationen und der herrlich absurde Humor machen den Auftakt zu einem faszinierenden Zeitdokument der frühen Adventure-Ära.

Gobliiins bleibt somit bis heute ein kreativer Klassiker, dessen Ideen erstaunlich frisch geblieben sind. Die teilweise kryptischen Rätsel zeigen allerdings auch deutlich, wie sehr sich das Genre seit 1991 weiterentwickelt hat.

Gobliins 2: The Prince Buffoon (1992) – Mehr Persönlichkeit, mehr Humor
Nur ein Jahr später folgte mit Gobliins 2: The Prince Buffoon der direkte Nachfolger. Die auffälligste Veränderung zeigt sich hier bereits im Titel: Aus drei „i“ werden zwei, denn diesmal stehen lediglich zwei Goblins im Mittelpunkt.

Fingus und Winkle könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Fingus eher als vorsichtiger Denker agiert, stürzt sich Winkle als chaotischer Draufgänger in jedes noch so absurde Problem. Die größte spielerische Neuerung besteht darin, dass sich beide Figuren gleichzeitig bewegen lassen. Einige Rätsel erfordern deshalb präzises Timing und eine gute Abstimmung der Aktionen.

Auch technisch legte der Nachfolger sichtbar zu. Die Hintergründe wurden detailreicher, die Animationen aufwendiger und die gesamte Präsentation wirkte deutlich professioneller. Gleichzeitig blieb der anarchische Humor erhalten, der bereits den Vorgänger so besonders machte.

Spielerisch setzt Gobliins 2 stärker auf nachvollziehbare Zusammenhänge, ohne dabei die verrückten Ideen der Reihe aufzugeben. Zwar verlangen manche Rätsel weiterhin Geduld, insgesamt wirkt das Abenteuer jedoch deutlich zugänglicher und besser strukturiert.

Die wohl wichtigste Verbesserung war jedoch die Abschaffung der gefürchteten gemeinsamen Lebensleiste. Dadurch wird das Experimentieren in den liebevoll gestalteten Kulissen nämlich wesentlich angenehmer und entspannter.

Viele Fans betrachten Gobliins 2 bis heute als den Höhepunkt der gesamten Reihe. Und tatsächlich funktioniert die Mischung aus Kreativität, Humor und Rätseldesign auch mehr als drei Jahrzehnte später noch erstaunlich gut.

Goblins 3 (1993) – Die Serie wird erwachsen
1993 wagte die Reihe den nächsten großen Entwicklungsschritt. Goblins 3 (international auch als Goblins Quest 3 bekannt) reduziert die Anzahl der spielbaren Goblins erneut und schickt mit Blount nur noch einen einzelnen Helden auf Reisen.

Um das Fehlen der bisherigen Begleiter auszugleichen, führten die Entwickler ein deutlich umfangreicheres Inventarsystem sowie temporäre Helferfiguren ein. Die größte Besonderheit bleibt jedoch Blounts gespaltene Persönlichkeit. Nachdem er von einem Werwolf gebissen wurde, verwandelt er sich regelmäßig in sein haariges Alter Ego Super-Blount und eröffnet dadurch völlig neue Lösungswege.

Im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern wirkt das Spiel größer, ambitionierter und komplexer. Statt einzelner Rätselbildschirme erwartet die Spieler nun eine stärker zusammenhängende Welt, die zum Erkunden einlädt. Die Aufgaben verlangen häufiger mehrere Schritte und deutlich mehr Vorausplanung.

Diese Entwicklung bringt allerdings auch Nachteile mit sich. Manche Rätsel wirken unnötig kompliziert und können den Spielfluss spürbar ausbremsen. Gerade Spielerinnen und Spieler, die die kompaktere Struktur der ersten beiden Teile bevorzugen, könnten hier gelegentlich die Geduld verlieren.

Trotzdem bleibt Goblins 3 ein beeindruckendes Adventure. Die Spielwelt ist abwechslungsreich, der Humor weiterhin präsent und die kreative Handschrift von Pierre Gilhodes ist jederzeit erkennbar. Gerade deshalb funktioniert das Abenteuer auch heute noch hervorragend und fühlt sich deutlich stärker als ein klassisches Point-and-Click-Adventure an als seine Vorgänger.

Gobliiins 4 (2009) – Der schwierige Neustart
Nach einer langen Pause von sechzehn Jahren kehrte die Reihe 2009 mit Gobliiins 4 zurück. Das Spiel brachte nicht nur die drei „i“ im Titel zurück, sondern damit auch wieder drei spielbare Goblins.

Tchoup, Styk und Perluys bewegen sich diesmal durch eine vollständig dreidimensionale Polygonwelt. Das grundlegende Spielprinzip bleibt dabei zwar erhalten, optisch schlägt die Reihe damit jedoch einen völlig anderen Weg ein.

Die Rätsel sind aber weiterhin solide gestaltet, und auch der typische Humor blitzt immer wieder durch. Dennoch erreicht das Abenteuer nur selten die Kreativität und den Charme seiner Vorgänger. Vor allem die 3D-Grafik wirkt aus heutiger Sicht doch arg altbacken und kann mit der zeitlosen Optik der frühen Teile kaum mithalten.

Hinzu kommt, dass sich Gobliiins 4 stärker an modernen Adventure-Konventionen orientiert und dadurch einen Teil seiner Eigenständigkeit verliert. Das Spiel macht durchaus Spaß, fühlt sich aber weniger einzigartig an als die drei Vorgänger und gilt zurecht als der schwächste Teil der Reihe.

Gobliiins 5 (2023) – Die Rückkehr zu den Wurzeln
Mehr als ein Jahrzehnt später folgte schließlich Gobliiins 5. Das ursprünglich 2023 für den PC veröffentlichte Abenteuer versteht sich klar als Rückbesinnung auf die Ursprünge der Reihe.

Bereits die ersten Minuten machen deutlich, dass Pierre Gilhodes genau wusste, was sich Fans gewünscht hatten. Die Serie kehrt zur handgezeichneten Optik zurück und orientiert sich deutlich stärker an den ersten drei Spielen.

Auch spielerisch fühlt sich vieles wieder vertraut an. Die bekannten Goblins sind zurück, der Humor sitzt deutlich besser als im Vorgänger und die Rätsel wirken kreativer und abwechslungsreicher.

Gleichzeitig profitiert das Spiel von modernen Komfortfunktionen und Designentscheidungen, die den Einstieg erleichtern, ohne den Charakter der Reihe zu verwässern.

Natürlich bleibt Gobliiins 5 ein Nischenprodukt. Die Rätsel verlangen weiterhin Experimentierfreude, und nicht jede Lösung erschließt sich auf Anhieb. Wer sich jedoch auf die besondere Denkweise der Serie einlässt, wird mit einem charmanten Abenteuer belohnt.

Damit gelingt Gobliiins 5 genau das, woran viele späte Serienteile scheitern: eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, ohne dabei altmodisch zu wirken.

Mehr als nur eine Spielesammlung
Erfreulicherweise beschränkt sich die Gobliiins Collection aber nicht nur darauf, lediglich die fünf Hauptspiele auf moderne Plattformen zu bringen. Die Sammlung versteht sich vielmehr als kleine Hommage an die gesamte Geschichte der Reihe und bietet zahlreiche exklusive Zusatzinhalte.

Besonders interessant fällt dabei die integrierte Miniserie aus, die einen näheren Blick auf Pierre Gilhodes ermöglicht. Der kreative Kopf hinter den Gobliiins-Spielen begleitet die Reihe schließlich seit ihren Anfängen Anfang der 1990er-Jahre.

Ergänzt wird dieser Bereich zudem durch eine umfangreiche Galerie mit exklusiven Illustrationen und Konzeptzeichnungen, die faszinierende Einblicke in die Entstehung der skurrilen Fantasywelt gewährt.

Einen weiteren Mehrwert bietet auch das exklusive Entwicklerinterview. Hier spricht Gilhodes über die Ursprünge der Serie, die Herausforderungen während der Entwicklung sowie die Ideen hinter vielen der ungewöhnlichen Rätsel und Charaktere.

Abgerundet wird das Bonuspaket zu guter Letzt noch durch einen umfangreichen Musikplayer. Dieser enthält Stücke aus sämtlichen Teilen der Reihe und hält sogar einige seltene oder weniger bekannte Kompositionen bereit.

Für Neueinsteiger mögen diese Extras nicht zwingend kaufentscheidend sein. Für langjährige Fans werten sie die Sammlung jedoch spürbar auf und verleihen ihr den Charakter einer liebevoll zusammengestellten Jubiläumsausgabe.

Technische Umsetzung mit Licht und Schatten
So gelungen die Bonusinhalte auch ausfallen, bei der technischen Aufbereitung wäre noch etwas mehr möglich gewesen.

Vor allem die Steuerung des Mauszeigers per Analogstick fühlt sich gerade in den hektischeren Timing-Passagen von Gobliins 2 spürbar träger und unpräziser an als mit einer echten Maus.

Auch den Menüs und der Emulation der frühen DOS-Klassiker merkt man an, dass Red Art Games hier nicht über die Ressourcen eines großen Publishers verfügte. Zusätzliche Komfortfunktionen hätten der Sammlung aber sicherlich gutgetan.

Gerade eine optionale Hotspot-Anzeige wäre für die älteren Teile eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Durch die grobpixelige Optik der ersten Teile ist es hier oftmals nämlich schwierig zu erkennen, welche Objekte überhaupt anklickbar sind, weshalb sich vor allem Neueinsteiger hier gelegentlich etwas verloren fühlen dürften.

Fazit:
Die Gobliiins Collection zeigt eindrucksvoll, wie sich eine Spielereihe über mehr als drei Jahrzehnte entwickeln kann. Vom innovativen Rätselspiel der frühen Neunziger über den experimentellen dritten Teil bis hin zur gelungenen Rückkehr mit Gobliiins 5 entsteht ein spannender Blick auf die Geschichte eines außergewöhnlichen Adventure-Franchises.

Natürlich sind nicht alle Spiele perfekt gealtert. Die älteren Titel verlangen Geduld, manche Rätsel können frustrieren und Gobliiins 4 bleibt qualitativ hinter den übrigen Teilen zurück. Gleichzeitig gehört genau diese Unperfektheit seit jeher zum Charme der Reihe.

Was man allen fünf Teilen hoch anrechnen muss, ist, dass sie sich allesamt trauen, ungewöhnlich zu sein, und bis heute auf Ideen setzen, die man in modernen Adventures sonst nur noch selten findet. Da verzeiht man dann auch gerne mal die eine oder andere technische Schwäche der Collection.

Wer klassische Point-and-Click-Abenteuer liebt, erhält mit der Gobliiins Collection also eine umfangreiche Reise durch einen oft übersehenen, aber äußerst kreativen Teil der Adventure-Geschichte. Für Retro-Fans ist die Sammlung ohnehin nahezu Pflichtprogramm, während neugierige Neueinsteiger eine wunderbare Gelegenheit erhalten, endlich eine der skurrilsten und charmantesten Serien des Genres kennenzulernen.

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Special vom: 11.06.2026
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
Kategorie: Special
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