Der Landwirtschafts-Simulator ist der mit Abstand bekannteste und erfolgreichste seiner Zunft, doch Simulator-Spiele im Allgemeinen boomen seit einiger Zeit. Ein Blick auf die monatliche Releaseliste zeigt, dass kein Monat vergeht, ohne dass zumindest ein oder zwei neue Simulatoren erscheinen. Dabei gibt es schon jetzt kaum einen Beruf oder eine Tätigkeit, die noch nicht in einem Simulator für jedermann zugänglich gemacht wurde. Da es bei diesem riesigen Angebot kaum machbar ist, alle Spiele zu testen, möchten wir euch in diesem Special in unregelmäßigen Abständen die neuesten, besten oder auch kuriosesten Simulatoren vorstellen.
Teil 328: Forensics: Crime Scene Detective Fingerabdrücke sichern, DNA-Spuren untersuchen und aus kleinsten Hinweisen einen Tathergang rekonstruieren – das klingt zunächst eher nach einem Krimi als nach einer Simulation. Doch genau diese ungewöhnliche Mischung erwartet uns in Forensics: Crime Scene Detective von Aerosoft. Hier übernehmen wir nicht die Rolle des klassischen Ermittlers, der Verdächtige verfolgt und am Ende den Täter in Handschellen legt. Stattdessen stehen wir dort, wo die eigentliche Aufklärungsarbeit beginnt: am Tatort und später im Labor.
Tatortarbeit statt Action Unser Arbeitstag beginnt meist dort, wo ein Verbrechen geschehen ist. Ausgerüstet mit dem passenden Equipment, untersuchen wir den Tatort sorgfältig und halten Ausschau nach möglichen Beweisen. Dabei ist ein wachsames Auge gefragt, denn nicht jeder Gegenstand entpuppt sich tatsächlich als wichtige Spur.
Haben wir etwas Verdächtiges entdeckt, wird der Fund fotografiert, dokumentiert und fachgerecht gesichert. Fingerabdrücke, biologische Spuren oder andere Beweismittel landen anschließend in unserem Labor. Genau hier unterscheidet sich Forensics: Crime Scene Detective von den meisten klassischen Krimispielen. Statt möglichst schnell einen Täter zu überführen, steht hier sorgfältige kriminaltechnische Arbeit im Mittelpunkt – ein Aspekt, der in vielen anderen Spielen meist nur am Rande behandelt wird.
Im Labor beginnt die eigentliche Analyse Nach der Spurensicherung ist unser Arbeitstag allerdings noch lange nicht beendet. Im Labor werden die gesammelten Beweismittel anschließend genauer untersucht. Wir analysieren Fingerabdrücke, untersuchen DNA-Spuren oder nehmen digitale Beweise unter die Lupe. Erst das Zusammenspiel der verschiedenen Untersuchungsergebnisse bringt uns der Lösung eines Falls Schritt für Schritt näher.
Gerade diese Aufteilung zwischen Tatortarbeit und Labor gehört zu den größten Stärken des Spiels. Wir sammeln nicht einfach wahllos Gegenstände ein, sondern müssen deren Bedeutung richtig einordnen. Ein einzelner Hinweis wirkt zunächst oft belanglos, kann zusammen mit weiteren Beweisen jedoch plötzlich eine völlig neue Richtung vorgeben.
Dabei ist Aufmerksamkeit unser wichtigstes Werkzeug. Wer am Tatort nicht gründlich arbeitet oder wichtige Spuren übersieht, erschwert sich die spätere Auswertung unnötig. Dadurch vermittelt das Spiel durchaus das Gefühl, selbst Verantwortung für den Verlauf der Ermittlungen zu tragen.
Ruhige Spurensuche statt Daueraction Wie bei vielen Berufssimulationen sollte man allerdings auch hier keinen vollständig realistischen Arbeitsalltag erwarten. Zahlreiche kriminaltechnische Abläufe wurden vereinfacht und spielerisch angepasst. Schließlich möchte Forensics: Crime Scene Detective in erster Linie unterhalten und nicht als digitale Ausbildung für angehende Kriminaltechniker dienen.
Dennoch vermittelt das Spiel einen interessanten Eindruck davon, wie viel Arbeit hinter einem Kriminalfall steckt. Während Film und Fernsehen meist die eigentlichen Ermittler in den Vordergrund rücken, konzentriert sich Forensics: Crime Scene Dective auf die Menschen, die aus scheinbar unbedeutenden Spuren verwertbare Beweise machen.
Gerade dadurch nimmt der Titel innerhalb unseres SimSimulator-Specials eine besondere Rolle ein. Schließlich zeigt er einmal mehr, dass sich auch eher ungewöhnliche Berufsfelder hervorragend als Grundlage für eine Simulation eignen.
Nicht jede Spur sorgt für Spannung Die ungewöhnliche Ausrichtung bringt allerdings auch einige Schwächen mit sich. Wer ständig neue Herausforderungen oder spektakuläre Wendungen erwartet, könnte sich mit der Zeit etwas unterfordert fühlen. Viele Arbeitsabläufe wiederholen sich und folgen stets einem ähnlichen Muster: Tatort untersuchen, Spuren sichern, Beweise analysieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.
Für Fans ruhiger Simulationen dürfte genau das allerdings den Reiz des Spiels ausmachen. Forensics: Crime Scene Detctive nimmt sich Zeit für seine Thematik und setzt bewusst auf konzentriertes Arbeiten statt auf Action. Wer gerne Hinweise untersucht und aus vielen kleinen Puzzleteilen ein Gesamtbild zusammensetzt, dürfte hier schnell Gefallen finden.
Solide Technik, passende Atmosphäre Technisch präsentiert sich Forensics: Crime Scene Detective insgesamt ordentlich. Die verschiedenen Tatorte sind ausreichend detailliert gestaltet und bieten genügend Hinweise, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Grafisch sollte man allerdings kein großes AAA-Spektakel erwarten. Im Mittelpunkt stehen klar die Ermittlungsarbeit und die Analyse der Spuren.
Auch die Atmosphäre weiß zu überzeugen. Die nüchterne und sachliche Inszenierung passt hervorragend zum Szenario und vermittelt glaubhaft das Gefühl, tatsächlich kriminaltechnische Arbeit zu verrichten. Dadurch hebt sich das Spiel angenehm von vielen anderen Simulationen ab, die häufig einen deutlich lockereren oder humorvolleren Ton anschlagen.
Fazit: Forensics: Crime Scene Detective ist eine gelungene und vor allem ungewöhnliche Ergänzung der Welt der SImulations-Spiele. Nachdem wir bereits die unterschiedlichsten Berufe kennenlernen durften, verschlägt es uns hier erstmals in die Welt der Kriminaltechnik. Statt Verbrecher zu verfolgen, untersuchen wir Tatorte, sichern Spuren und analysieren Beweise – und müssen dabei vor allem eines sein: gründlich.
Natürlich sind nicht alle Arbeitsschritte gleichermaßen spannend und die wiederkehrenden Abläufe können auf Dauer etwas eintönig wirken. Wer sich jedoch für Kriminalfälle interessiert und schon immer wissen wollte, wie die eigentliche Spurensicherung hinter den Kulissen funktioniert, findet hier eine interessante Simulation. Gleichzeitig zeigt Forensics: Crime Scene Detective einmal mehr, wie vielfältig das Simulationsgenre inzwischen geworden ist – und dass es längst um weit mehr geht als Landwirtschaft, Bauarbeiten oder das Fahren großer Maschinen.