Der Landwirtschafts-Simulator ist der mit Abstand bekannteste und erfolgreichste seiner Zunft, doch Simulator-Spiele im Allgemeinen boomen seit einiger Zeit. Ein Blick auf die monatliche Releaseliste zeigt, dass kein Monat vergeht, ohne dass zumindest ein oder zwei neue Simulatoren erscheinen. Dabei gibt es schon jetzt kaum einen Beruf oder eine Tätigkeit, die noch nicht in einem Simulator für jedermann zugänglich gemacht wurde. Da es bei diesem riesigen Angebot kaum machbar ist, alle Spiele zu testen, möchten wir euch in diesem Special in unregelmäßigen Abständen die neuesten, besten oder auch kuriosesten Simulatoren vorstellen.
Teil 342: Way of the Hunter 2 2022 durfte ich mich mit Way of the Hunter erstmals auf die virtuelle Jagd begeben. Schon damals stand weniger der schnelle Abschuss als vielmehr eine möglichst realistische Jagderfahrung im Mittelpunkt. Vier Jahre später schicken uns Nine Rocks Games und THQ Nordic mit Way of the Hunter 2 erneut auf die Pirsch. Am grundsätzlichen Spielprinzip hat sich wenig geändert, dafür wurde an vielen Stellen nachgebessert und das Leben in den Jagdgebieten deutlich umfangreicher gestaltet.
Neue Reviere, neue Herausforderungen Unsere Jagdausflüge führen uns diesmal in die nordamerikanische Wildnis von New Laurentia und in das afrikanische Kilimaya-Reservat. Dazu kommt das kleinere Gebiet rund um das Hearth-&-Hunt-Hauptquartier in den Rocky Mountains, das ebenfalls eigene Jagdmöglichkeiten bietet. Entsprechend abwechslungsreich fällt auch die Tierwelt in Way of the Hunter 2 aus. Während wir in Nordamerika unter anderem Elchen, Bären und Bisons nachstellen, bekommen wir es in Afrika mit Löwen, Büffeln, Flusspferden und Nilkrokodilen zu tun.
Egal, wo wir unterwegs sind: Einfach loslaufen und auf das erstbeste Tier schießen funktioniert auch diesmal nicht. Die Tiere reagieren auf unsere Anwesenheit und können schnell das Weite suchen. Deshalb untersuchen wir Spuren, beobachten die Tiere und achten auf Windrichtung und Entfernung, bevor wir uns in eine gute Schussposition bringen.
Neu beziehungsweise deutlich stärker ausgeprägt ist außerdem das Zusammenspiel der Tierpopulationen. Wir sollten also nicht einfach alles erlegen, was uns vor die Flinte läuft, sondern uns genauer mit den Herden und ihrem Zustand beschäftigen. Manche Tiere halten sich etwas abseits der Herde auf und sind dadurch natürlich leichter zu erlegen als Tiere, die mitten in der Gruppe stehen. Es kommt diesmal also stärker darauf an, welches Tier wir ins Visier nehmen, was der Jagd noch einmal zusätzliche Tiefe verleiht.
Vier Pfoten und ein gutes Auge Eine der wohl schönsten und interessantesten Neuerungen ist aber ganz sicher unser Jagdhund. Der Vierbeiner begleitet uns nun nämlich durch die weitläufigen Reviere und hilft dabei, Tierspuren und Blut aufzuspüren. Gerade wenn ein angeschossenes Tier davonläuft, kann seine feine Nase eine wirklich große Hilfe sein. Denn anstatt mühselig nach den Blutspuren zu suchen, können wir einfach unserem Hund folgen. Doch Vorsicht: Zu Anfang ist er noch nicht ganz so zuverlässig. Das ändert sich aber mit stetigem Training und gemeinsamer Zeit.
Zudem können wir jetzt auch aus unseren eigenen Fehlern lernen. Nach einem Schuss zeigt uns die überarbeitete Schussanalyse nun unter anderem Flugbahn, Geschwindigkeit, Winkel und Trefferposition des Geschosses. So können wir sehr viel genauer nachvollziehen, warum ein Schuss vielleicht nicht so gut saß wie geplant und es beim nächsten Mal besser machen. Gerade für Einsteiger ist das eine praktische Ergänzung und eine gute Möglichkeit, nach und nach ein besseres Gefühl für Waffen und Entfernungen zu bekommen.
Daneben steht uns inzwischen auch moderne Ausrüstung zur Verfügung. Unter anderem können wir jetzt nämlich auch auf Wärmebild- und Nachtsichttechnik zurückgreifen, wodurch sich weitere Möglichkeiten für die Jagd ergeben. Und auch verschiedene Waffen, Optiken und andere Ausrüstungsgegenstände lassen sich im Laufe des Spiels freischalten beziehungsweise einsetzen.
Freie Jagd oder lieber dem Auftrag folgen? Neben der freien Jagd gibt es natürlich auch verschiedene Aufgaben, die uns tiefer in die jeweiligen Regionen führen. In New Laurentia beschäftigen wir uns beispielsweise mit ungewöhnlichen Entwicklungen innerhalb der Elchpopulation, während in Kilimaya der Schutz des dortigen Ökosystems eine größere Rolle spielt. Wer lieber auf eigene Faust unterwegs ist, kann sich aber auch hier jederzeit von den Aufgaben lösen und einfach losziehen. Das Spiel verbindet damit freie Erkundung bzw. Jagd mit einer lockeren Geschichte und abwechslungsreichen Missionen.
Als persönlicher Rückzugsort dient dabei unser Jagdhaus in den Rocky Mountains, das wir nicht nur erweitern, sondern auch mit Trophäen aus unseren Jagdausflügen schmücken können. Umfangreiche Hausbaumöglichkeiten à la Sims sollte man hier zwar nicht erwarten, trotzdem finde ich es eine schöne Idee, dass wir unsere Erfolge nach und nach an einem eigenen Ort sammeln und später noch einmal betrachten können.
Wer nicht alleine auf die Pirsch gehen möchte, kann außerdem im Zwei-Spieler-Koop gemeinsam auf die Jagd gehen. Der Mehrspielermodus konzentriert sich zum Start allerdings auf das gemeinsame freie Erkunden; weitere Multiplayer-Funktionen sind aber bereits für spätere Updates vorgesehen.
Schöne Natur, lange Wege Optisch gibt es an Way of the Hunter 2 nur wenig zu kritisieren. Vor allem die weitläufigen Landschaften und detaillierten Tiere machen die Reviere zu einem echten Hingucker. Dabei profitiert das Spiel auch von seinem generell gemächlichen Tempo. Da wir häufig langsam unterwegs sind und uns viel Zeit für die Umgebung nehmen, kommen die Landschaften besonders gut zur Geltung. Vogelrufe, Wind, Wasser und andere Umgebungsgeräusche sorgen zudem für eine passende Geräuschkulisse.
Allerdings hat die große Welt auch ihre Schattenseiten. Die Wege zwischen einzelnen Aufgaben oder interessanten Jagdgebieten können schon mal ziemlich lang ausfallen. Das gehört einerseits zum entschleunigten Spielprinzip, andererseits verbringen wir dadurch immer wieder einige Zeit mit nichts anderem als dem Weg zum nächsten Ziel. Ärgerlich wird es zudem, wenn Missionsziele oder Marker nicht auf Anhieb eindeutig sind und wir erst einmal herausfinden müssen, wo es eigentlich weitergeht. Einige dieser Probleme wurden bereits per Update behoben, ganz frei von kleineren Ungereimtheiten ist die Jagd aber noch nicht.
Und auch das bereits angesprochene ruhige Tempo muss man mögen. Way of the Hunter 2 ist schließlich kein Spiel, in dem uns ständig ein Tier vor die Flinte läuft. Stattdessen heißt es, geduldig sein, beobachten und sich langsam an die Beute heranzupirschen. Dabei kann es schon mal passieren, dass ein Tier durch einen kleinen Fehler aufgeschreckt wird und die mühsam vorbereitete Jagd damit schnell vorbei ist. Das sorgt zwar für Spannung und passt grundsätzlich zum realistischen Ansatz, kann nach mehreren erfolglosen Versuchen aber auch frustrieren. Wer lieber schnell zum nächsten Abschuss kommen möchte, braucht hier deshalb etwas Geduld.
Fazit: Way of the Hunter 2 bleibt der Linie des Vorgängers treu und baut dessen realistischen Jagdansatz sinnvoll aus. Die abwechslungsreichen Reviere, das ausgefeiltere Tierverhalten, das überarbeitete Herdenverhalten, der wirklich nützliche Jagdhund und die detaillierte Schussanalyse sorgen dafür, dass sich die Jagd noch realistischer anfühlt. Gleichzeitig können lange Wege, gelegentlich unklare Missionsziele und das teilweise sehr gemächliche Tempo für Frust sorgen. Wer jedoch Spaß daran hat, Tiere zu beobachten, Spuren zu verfolgen und geduldig auf den richtigen Moment zu warten, bekommt hier eine atmosphärische Jagdsimulation, die gegenüber dem ersten Teil an vielen Stellen spürbar zugelegt hat.