|

Das Miniatur Wunderland in Hamburg zieht Jahr für Jahr Millionen Besucher in seinen Bann. Fasziniert blicken sie auf die winzigen, mit unzähligen Details ausgestatteten Landschaften und Städte. Doch was wäre, wenn diese Miniaturwelten tatsächlich lebendig wären? Wenn die kleinen Figuren auf den Straßen und Schienen ein eigenes Bewusstsein hätten und ihren ganz normalen Alltag lebten?
Genau dieses herrlich skurrile Gedankenspiel greift der Rowohlt Verlag mit seiner Sommerneuerscheinung Klein aber tot: Ein Knuffingen Krimi auf. Der Krimi verlegt das Verbrechen an einen der ungewöhnlichsten Schauplätze der deutschen Kriminalliteratur und macht aus der wohl bekanntesten fiktiven Stadt Deutschlands einen ebenso charmanten wie spannenden Tatort.
Ein Meister der Spannung auf neuen Wegen Hinter dem mörderischen Treiben im Kleinformat steckt kein Unbekannter. Geschrieben wurde der Roman nämlich von Jo Fischler, der vielen Lesern vor allem unter seinem Pseudonym Joe Fischler ein Begriff sein dürfte. Schließlich hat sich der österreichische Autor mit seinen Regionalkrimis rund um die Ermittlerin Valerie Mauser längst eine treue Fangemeinde aufgebaut.
Ein noch größeres Publikum kennt ihn aber vermutlich als Jan Beck. Unter diesem Namen veröffentlicht Fischler seit Jahren düstere, komplexe Thriller, die regelmäßig die Bestsellerlisten erobern. Mit Klein aber tot schlägt er nun jedoch bewusst leisere Töne an und zeigt, dass ihm auch humorvoller Cozy Crime hervorragend liegt. Gleichzeitig beweist er aber auch einmal mehr, dass er Spannung unabhängig vom Genre und vom Maßstab meisterhaft zu inszenieren versteht.
Eine ganze Welt in Miniformat Um den besonderen Reiz der Geschichte vollständig zu erfassen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das reale Vorbild. Das Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt ist nämlich nicht nur die größte Modelleisenbahnanlage der Welt, sondern auch eine der beliebtesten Touristenattraktionen Deutschlands, die mit ihren unzähligen liebevoll gestalteten Szenen Besucher aus aller Welt begeistert.
Herzstück der Anlage ist seit ihrer Eröffnung die fiktive Stadt Knuffingen. Selbstfahrende Autos, eine ständig geforderte Feuerwehr und das berühmte Schloss, das regelmäßig in Flammen aufgeht, verleihen der Stadt ihren unverwechselbaren Charakter. Genau diese Kulisse nimmt Fischler als Ausgangspunkt und haucht ihr Leben ein. Für die Bewohner Knuffingens ist ihre Welt im Maßstab 1:87 die einzig wahre Realität – bis ein Mord die friedliche Idylle erschüttert.
Wenn die Idylle im Kleinformat zerbricht Die Handlung kommt in Gang, als der äußerst unbeliebte Journalist Friedrich Frank ermordet aufgefunden wird. Mit seinen bissigen Kritiken hat er sich quer durch Knuffingen zahlreiche Feinde gemacht. Entsprechend groß ist die Zahl möglicher Verdächtiger.
Kommissar Jojo Wunder übernimmt die Ermittlungen und stößt schnell auf ein dichtes Geflecht aus Motiven und persönlichen Konflikten. Besonders heikel wird die Situation, als der Verdacht ausgerechnet auf seine eigene Mutter fällt, deren Restaurant durch die Berichterstattung des Opfers ruiniert wurde. Gleichzeitig gerät auch die sympathische Blumenhändlerin Liora Märklin ins Visier der Ermittlungen – ausgerechnet die Frau, für die Jojo heimlich Gefühle hegt. Als zusätzlich ein Feuerteufel das Knuffinger Schloss bedroht, droht das beschauliche Leben der Miniaturstadt endgültig aus den Fugen zu geraten.
Ein Cozy Crime mit viel Charme Fischler setzt in seiner Geschichte bewusst nicht auf blutige Schockmomente oder übertriebene Härte. Stattdessen lebt der Roman von seinem feinen Humor, den liebenswerten Figuren und einer angenehm leichtfüßigen Erzählweise. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass sich Klein aber tot wunderbar locker liest, ohne dabei an Spannung einzubüßen.
Hinzu kommen zahlreiche kleine Anspielungen auf das Miniatur Wunderland, die Fans der Hamburger Attraktion mit einem Schmunzeln entdecken dürften. Gleichzeitig funktioniert der Krimi aber auch für Leser, die Knuffingen bislang nur vom Hörensagen kennen. Die Welt wird nämlich so anschaulich beschrieben, dass man sie auch ohne vorherige Kenntnisse vor Augen hat.
Fazit: Klein aber tot: Ein Knuffingen Krimi gehört zweifellos zu den originellsten Krimis der vergangenen Zeit. Schon die Idee, einen Mordfall in der lebendig gewordenen Miniaturwelt des Hamburger Miniatur Wunderlands anzusiedeln, ist ebenso ungewöhnlich wie kreativ und hebt den Roman wohltuend von der Masse ab.
Doch nicht nur das außergewöhnliche Setting weiß zu überzeugen. Auch der eigentliche Kriminalfall entwickelt sich spannend, wendungsreich und überraschend vielschichtig. Trotz seines konsequent unblutigen Cozy-Crime-Ansatzes gelingt es Jo Fischler, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Sein lockerer, flüssiger Schreibstil trägt die Leser dabei mühelos durch die Seiten und macht Klein aber tot zur perfekten Urlaubslektüre.
Wer Freude an originellen Krimis mit sympathischen Figuren, einer guten Portion Humor und einer außergewöhnlichen Kulisse hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Und eines ist nach der Lektüre sicher: Beim nächsten Besuch im Miniatur Wunderland wird man Knuffingen garantiert mit ganz anderen Augen betrachten.
Zu erwerben gibt es Klein aber tot: Ein Knuffingen Krimi für 14,00 Euro (bzw. 10,99 Euro als E-Book) bei Amazon, im Buchhandel sowie direkt beim herausgebenden Rowohlt Verlag.
© 2026 Rowohlt Verlag
|