Egal welche Top-Liste der besten Comedy-Serien aller Zeiten man sich anschaut, Ted Lasso befindet sich mit Sicherheit unter den Top 5. Auch ich hätte sie mir, als großer Comedy-Fan der ansonsten so gut wie jede bekannte Comedy-Serie angeschaut hat, gerne früher angeguckt. Doch leider fehlte mir dazu immer Apple TV+. Nun habe ich die Gelegenheit aber genutzt und mir gleich alle drei bisherigen Staffeln (eine vierte wurde vor wenigen Monaten angekündigt) der Serie angeguckt. Meine Meinung hierzu und ob es Ted Lasso auch bei mir in die Top-5 schafft, gibt es hier …
Über keine Comedy-Serie wurde in den letzten Jahren wohl mehr geschrieben als zu Ted Lasso. Die Reihe, die exklusiv auf Apple TV+ lief (und läuft), wurde bereits kurz nach ihrem Start im Jahr 2020 zu einem echten Hit. Einen großen Anteil daran hat auch das Setting, in das uns die Serie hineinversetzt und zwei der beliebtesten Sportarten der Welt miteinander verbindet. Der namensgebende Hauptcharakter Ted Lasso ist nämlich eigentlich Trainer einer zweitklassigen College-Football-Mannschaft, und mit Europa oder gar dem europäischen Fußball hat er nichts am Hut. Umso überraschender ist, als sich Rebecca Welton meldet. Welton ist die Besitzerin des englischen Premier League-Klubs AFC Richmond und möchte Ted als neuen Trainer engagieren. Und obwohl Welton ihre wahren Beweggründe für sich behält (oder gerade deswegen) lässt sich Ted dazu überreden und startet schon bald gemeinsam mit seinem Freund Coach Beard in sein neues Abenteuer. Dieses fängt allerdings ganz anders an, als er es sich erträumt hat. Bereits in seiner ersten Pressekonferenz zeigten die Journalisten offen, was sie von ihm halten. Gerade Trent Crimm von The Independent hat es besonders auf ihn abgesehen. Doch nicht nur die Reporter scheinen vom Neuzugang wenig begeistert zu sein, auch die Spieler seiner Mannschaft sind alles andere als positiv auf ihn eingestellt.
Von dieser Ausgangslage ausgehend entwickeln sich in den nächsten 34 Folgen, die in drei Staffeln aufgeteilt sind, lustige Momente, in denen Ted mit unkonventionellen Methoden seine Spieler versucht, von sich zu überzeugen. Dabei blickt die Serie auch über das eigentliche Spielgeschehen hinweg, weshalb ebenfalls Themen wie Freundschaft und Zusammenhalt, Motivationskunst und das Verarbeiten von Niederlagen nicht zu kurz kommen. Ja, sogar ernste Themen psychischer Erkrankungen kommen vor. Und nicht selten passieren ebenso vollkommen unvorhersehbare Dinge, die man so in einer Sportserie sicherlich erwartet hätte. Langweilig wird einem während der gesamten Serie auf keinen Fall. Und auch wenn es den ein oder anderen gibt, der sagt, dass die dritte Staffel die schwächste ist. So muss man doch sagen, das Ted Lasso von der ersten bis zur (vorerst) letzten Episode eine rundum gelungene Serie ist, und gerade in der letzten Season sogar so etwas wie ein satirischer Blick auf die reale Fußballwelt wurde (Stichpunkt Super League).
Die Idee der Reihe entstammt ursprünglich übrigens nicht dem brillanten Hirn von Bill Lawrence, der auch Scrubs erfunden hat und Ted Lasso später als Serie erschuf. Vielmehr stammt die Idee einer Werbeaktion des US-Senders NBC. Als jener Sender erstmals die Rechte für die Übertragung der englischen Premier League erworben hat, überlegte man sich, wie man den US-Amerikanern den Sport näher bringen könnte. Im Zuge dessen hat man mehrere Werbespots gemacht, in denen man Jason Sudeikis als College Football-Trainer auftreten ließ, der dann zum Trainer des Premier League-Klubs Tottenham Hotspurs wurde. Diese Idee fand Apple offensichtlich so genial, dass sie daraus eine Serie machten, für die sie neben Comedy Super-Brain Bill Lawrence ebenfalls Sudeikis selbst verpflichteten. Dieser Schachzug erwies sich als brillant. Sudeikis, der vielen wohl ebenso aus der Hangover-Trilogie oder Kill the Boss bekannt sein dürfte, verkörperte die Rolle des Ted Lasso nämlich nicht nur in der Werbeaktion überzeugend, sondern anschließend auch in der Serie. Man merkt, dass die Rolle tatsächlich auf ihn zugeschnitten ist und Ted ansonsten wohl niemand so hätte verkörpern können, wie es Sudeikis tat.
Aber nicht nur Jason Sudeikis verkörpert seine Rolle nahezu perfekt. Im Prinzip gilt dies nämlich für alle Schauspieler*innen. Hervorzuheben sei hier noch Hannah Waddingham (The Fall Guy, Game of Thrones: Das Lied von Eis und Feuer), die von Anfang bis Ende Rebecca Welton spielt und dies auf so brillante Weise, dass sie dafür mehrere Preise für die beste Nebendarstellerin in einer Comedy-Serie erhalten hat. Gleiches kann ebenfalls Brett Goldstein (Shrinking) von sich behaupten, denn auch der Roy Kent-Darsteller wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet (selbiges gilt selbstverständlich ebenso für Jason Sudeikis selbst).
Fazit: Nachdem ich Ted Lasso nun auch endlich gesehen habe, kann ich verstehen, weshalb die Serie in vielen Top-Listen unter den ersten drei Plätzen zu finden ist. Nicht nur der Plot – ein unwissender College-Football-Trainer als Hauptübungsleiter eines Premier League-Klubs – ist eine hervorragende Prämisse, auch was die Serie in ihren drei Staffeln daraus macht, ist beste Comedy-Unterhaltung. Dabei besteht die Serie aber nicht nur aus Lachern. Auch Themen wie Motivation, Zusammenhalt und psychische Erkrankungen kommen hier vor. Und während diese Themen in anderen Serien gerne mal wie Fremdkörper wirken, sind sie hier genial eingebunden und machen die Story nur noch interessanter. Last but not least ist es auch eine Freude, Sudeikis und seine Kolleg*innen dabei zu sehen, wie sie ihre Rollen auf brillante Weise verkörpern und dafür zu Recht teilweise mit zahlreichen Preisen geehrt wurden. Auch wenn die Serie eigentlich ein perfektes Ende bekommen hat, dürfen sich Fans dennoch freuen. Ende 2024 wurde nämlich eine vierte Staffel angekündigt, deren Dreh dieses Jahr beginnen soll. Bleibt nur zu hoffen, dass diese das hohe Niveau halten und Ted Lasso somit auch weiterhin (zurecht) als eine der besten Comedy-Serien aller Zeiten in den Top-Listen vorzufinden sein wird.