Der Landwirtschafts-Simulator ist der mit Abstand bekannteste und erfolgreichste seiner Zunft, doch Simulator-Spiele im Allgemeinen boomen seit einiger Zeit. Ein Blick auf die monatliche Releaseliste zeigt, dass kein Monat vergeht, ohne dass zumindest ein oder zwei neue Simulatoren erscheinen. Dabei gibt es schon jetzt kaum einen Beruf oder eine Tätigkeit, die noch nicht in einem Simulator für jedermann zugänglich gemacht wurde. Da es bei diesem riesigen Angebot kaum machbar ist, alle Spiele zu testen, möchten wir euch in diesem Special in unregelmäßigen Abständen die neuesten, besten oder auch kuriosesten Simulatoren vorstellen.
Teil 294: Architect Life: A House Design Simulator Unter dem Label der Life-Reihe hat der französische Publisher Nacon in den letzten Jahren ein paar Simulationsspiele herausgebracht. Angefangen hat es im Jahr 2022 mit Train Life. Es folgten Chef Life, Garden Life, Taxi Life und Ambulance Life (die natürlich alle in diesem Special vorgestellt wurden). Vor wenigen Tagen wurde dann das vorerst letzte Spiel der Reihe veröffentlicht, welches einen noch einmal einen gänzlich neuen Beruf hautnah erleben lässt.
In Architect Life: A House Design Simulator agieren wir nämlich als Architekt und müssen die Traumhäuser unserer Kunden wahr werden lassen. Bevor wir uns an unseren ersten Auftrag wagen, gilt es aber zunächst, das Tutorial zu spielen. Denn ganz so simpel, wie es sich zunächst anhören mag, ist das dann doch nicht. Der Bau eines Hauses besteht nämlich aus mehreren Phasen, die wir alle durchgehen müssen.
Die langwierigste Phase ist dabei gleich die erste – die Planung. Hierzu stehen wir an unserem Schreibtisch und planen das Haus anhand eines virtuellen Modells. Zuerst steht hierbei natürlich die Frage nach der Anzahl der Stockwerke, der Räume, der Raumaufteilung und dem gewünschten Dach an. Ist das erledigt, müssen wir Türen, Fenster, Heizungen und Klimaanlagen planen. Ist auch dies getan, geht es darum, Böden und Wandfarben auszusuchen, bevor es schlussendlich zur Inneneinrichtung übergeht. Im freien Modus stehen uns dabei keinerlei Grenzen im Weg. Hier können wir wirklich nach Herzenslust drauflos planen und unser eigenes Traumhaus errichten. In der Karriere sieht dies ein wenig anders aus. Hier haben unsere Auftraggeber genaue Vorgaben, an die wir uns auch halten müssen. Dazu zählt nicht nur die Quadratmeterzahl des Hauses und die gewünschten Räume, sondern ebenfalls , welche Gegenstände sie im Haus haben wollen. Immerhin können wir entscheiden, welchen Look das Haus und die Inneneinrichtung haben sollen.
Allzu extravagant sollten wir dabei aber nicht werden. Schließlich steht uns nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung, zudem nicht nur die Planung gehört. Letzten Endes muss das Haus auch noch gebaut werden, wobei die verschiedenen Bauunternehmen natürlich ebenso noch bezahlt werden wollen. Glücklicherweise stehen uns für jeden Bauabschnitt (Rohbau, Fertigstellung und Außenbereich) immer drei Unternehmen zur Auswahl, die sich bei Kosten und Zeitaufwand (das Haus muss schließlich zu einem bestimmten Zeitpunkt fertiggestellt sein) unterscheiden. Aber hier sollten wir ebenfalls nicht automatisch auf den billigsten bzw. schnellsten zurückgreifen. Denn je preiswerter ein Unternehmen ist, desto schlechter ist auch dessen Arbeit. Auch hier sollte man also ein gutes Mittelmaß finden, damit der Kunde am Ende wirklich zufrieden ist.
Die Bauphase selbst läuft in der Regel automatisch ab, wobei eine Leiste am oberen Bildschirmrand den Fortschritt anzeigt. Ganz ohne unser Zutun geht es dann aber doch nicht. Während der Bauphase können nämlich zufällige Ereignisse eintreten, die unser Eingreifen benötigen. So kann es zum Beispiel passieren, dass der Zement knapp wird und den Bau verzögert. Wie wir mit dieser Situation umgehen, liegt nun an uns. Warten wir auf eine neue Lieferung und nehmen die zusätzlichen Bautage hin, oder kaufen wir schnell neuen Zement nach, wobei das natürlich weitere Kosten verursacht? Auch wenn die Folgen unserer Entscheidung meist nur minimal sind, ist es doch schön, dass wir auf diese Weise ebenfalls in diese Phase eingebunden sind und nicht nur dabei zusehen, wie sich die Fortschrittsleiste nach und nach füllt. Ist das Haus fertig, können wir zum Abschluss noch eine Besichtigung machen, wobei wir dann tatsächlich selber durch das Haus bzw. den Garten laufen und uns alles auch zu verschiedenen Uhrzeiten anschauen können.
Was mich positiv überrascht hat, ist die große Auswahl, die uns beim Planen der Häuser zur Verfügung steht. Allein von den Außenwänden gibt es drei unterschiedliche Typen (Beton, Stein, Holz). Im Vergleich zu den Fenstern und Türen ist das aber gar nichts. Denn hier stehen uns zahlreiche Varianten zur Verfügung – manche davon sind auch sehr kreativ und sind in diesem Stil ganz sicher noch nie in einem Videospiel zu sehen gewesen. Übertrumpft wird das Ganze dann nochmal von der Inneneinrichtung, die uns teilweise vor die Qual der Wahl stellt. Nur an kleinen Deko-Elementen fehlt es ein wenig, weshalb die fertigen Häuser dann teilweise doch sehr steril wirken. So unrealistisch ist das aber nicht, schließlich sprechen wir hier ja auch von gänzlich neuen Häusern, in denen noch niemand für Unordnung gesorgt hat. Wer Sims 4 oder einen anderen Teil gespielt hat, wird sich übrigens sofort heimisch fühlen. Denn gerade das Planen und Einrichten der Häuser erinnert einen doch schon sehr stark an EAs Lebenssimulation.
Wer die vorherigen Life-Spiele gespielt hat, wird wissen, dass sie technisch alle grundsolide waren. Architect Life macht dabei keine Ausnahme, wobei es mir optisch von allen bisherigen Life-Spielen am besten gefallen hat. Während die Planungsphase grafisch noch sehr simpel gestaltet wurde, erkennt man am Ende, wenn man durch die Häuser läuft, nämlich doch, dass sich die Entwickler*innen bei der Gestaltung der Objekte sehr viel Mühe gegeben haben. Sofa, Tische und sämtliche andere Deko-Elemente sind nämlich nicht nur toll designt (manches davon würde ich mir tatsächlich in die eigene Wohnung stellen), sondern ebenfalls mit zahlreichen Details versehen. Gleiches gilt ebenso für die Soundkulisse, die zwar größtenteils sehr ruhig ist, aber eben auch immer wieder ein paar nette Details aufweist. Wenn man nahe an einer Feuerstelle vorbeiläuft, hört man zum Beispiel gut das Knistern des Feuers. Leider ist aber noch nicht alles ganz fehlerfrei. So flackern aktuell zum Beispiel die Wasseroberflächen noch sehr stark. Jedoch dürfte dieses Problem mithilfe eines Patches schnell behoben sein. Die Steuerung bedarf im Vergleich dazu keiner weiteren Verbesserung. Sie ist nämlich bereits jetzt tadellos. Natürlich ist es per Maus wesentlich einfacher, durch die verschiedenen Menüs und Untermenüs zu navigieren, aber auch per Controller funktioniert dies nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sehr gut.
Fazit: Mit Architect Life: A House Design Simulator hat Nacon ein weiteres tolles Simulationsspiel herausgebracht, das nicht nur die Vielfalt des Genres aufzeigt, sondern auch qualitativ hervorragend ist. Das Gameplay ist interessant und fördert mit seinen unzähligen Bau- und Dekorationsmöglichkeiten die eigene Kreativität. Die Technik ist ordentlich und die Steuerung funktioniert selbst auf den Konsolen tadellos. Bleibt nur zu hoffen, dass Architect Life nicht der letzte Simulator von Nacon bleibt. Bei der Qualität der Spiele wäre es nämlich wirklich schade, wenn die Life-Reihe nach sechs Spielen schon wieder ihr Ende finden würde.