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Wer hat schon Zeit, über ungelöste Mordfälle nachzudenken, wenn eine Hochzeit zu planen ist? Für den Donnerstagsmordclub war es ein ruhiges Jahr. Joyce ist mit der Erstellung von Tischplänen beschäftigt und damit, wer wen zum ersten Tanz aufzufordern hat. Elizabeth trauert. Ron hat mit familiären Problemen zu kämpfen, und Ibrahim therapiert noch immer seine Lieblingsverbrecherin. Doch als Elizabeth einen Hochzeitsgast trifft, der in Schwierigkeiten steckt, sind Entführung und Tod dem Donnerstagsmordclub wieder dicht auf den Fersen. Ein Bösewicht will Zugang zu einem unknackbaren Code und schreckt vor nichts zurück, um ihn zu bekommen. Und schon sind die vier Hobbydetektive erneut in ihrem Element: Mörder zu jagen und Rätsel zu lösen und dabei klüger als die Polizei zu sein!
Ich gebe zu, ich bin auf Der Donnerstagsmordclub erst durch den vor wenigen Wochen auf Netflix erschienenen Film aufmerksam geworden. Der Film mit Oscarpreisträgerin Helen Mirren, Pierce Brosnan, Ben Kingsley und Celia Imrie hat mir mit seinem britischen Humor, der Spannung und den tollen Charakteren so gut gefallen, dass ich sehr traurig war, dass es nur einen Film gibt. Umso erfreuter war ich, als ich auf der Suche nach weiteren Informationen zum Streifen festgestellt habe, dass der Film auf einer Buchreihe basiert, von der just zu diesem Zeitpunkt der fünfte Band erscheinen sollte. Und auch wenn ich die vier vorherigen Bände nicht gelesen habe, konnte ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen, mir diesen neuesten Fall des Donnerstagsmordclub genauer anzuschauen.
Autor der Donnerstagsmordclub-Reihe ist der britische Produzent und Fernsehmoderator Richard Osman. Der Donnerstagsmordclub, welcher auch gleichzeitig sein Debütwerk war, machte ihn 2020 quasi über Nacht zum neuen Stern am britischen Krimihimmel und brachte ihm zudem den British Book Award 2020 in der Kategorie „Autor des Jahres“ ein. Ausschlaggebend für diesen Erfolg war sicherlich auch das eher ungewöhnliche Setting. Anstatt professioneller Ermittler*innen oder Detektiv*innen waren hier vier Rentner*innen aus einem britischen Ruhesitz Mördern und Betrügern auf der Spur. Dieses Konzept führte Osman natürlich in den kommenden drei Bänden fort, mit denen er ebenfalls große Erfolge feiern konnte. Dass das ebenso mit dem nun erschienenen fünften Band der Fall sein wird, steht im Prinzip außer Frage. Denn auch diesmal ist der Autor dem Konzept und den liebgewonnenen Charakteren selbstverständlich treu geblieben.
Obwohl sowohl die Figuren als auch das gesamte Setting nun also schon seit vier Bänden bestehen, ist es dennoch nicht so, dass man die vier vorherigen Bände gelesen haben muss – man muss nicht mal wie ich den Film gesehen haben. Selbst ohne jegliche Vorkenntnisse lernt man die vier Hauptcharaktere Elizabeth Best, Ron Ritchie, Ibrahim Arif und Joyce Meadowcroft allein durch ihr Handeln und Auftreten schnell kennen. Gleiches gilt auch für das „Drumherum“, also etwa dafür, in welchem Ruhesitz die vier wohnen oder worum es sich beim Donnerstagsmordclub überhaupt handelt. Komplizierter wird es mit den Nebenfiguren. Diese traten nämlich nicht alle im Film auf, weshalb es etwas dauert, bis man weiß, wie diese im Grunde genau dazu passen. Während der 448 Seiten werden aber auch diese Charaktere nach und nach ordentlich vorgestellt, sodass man diese ebenfalls mit der Zeit immer besser kennenlernt. Gänzlich ohne Vorkenntnisse kann man hingegen der eigentlichen Handlung folgen. Diese ist nämlich ganz unabhängig von den Vorherigen und bietet mit dem ominösen unlösbaren Code eine ganz neue Komponente. Anstatt klassischen Krimi-Mustern mit Verdächtigen usw. zu folgen, geht es hier etwas technischer zu, was dem Ganzen etwas sehr Frisches verleiht.
Trotz dieser gänzlich neuen Komponente ähnelt der Aufbau der Geschichte den vorherigen Fällen. Denn nicht nur das langsam steigende Erzähltempo dürfte jedem, der die vorherigen Bücher oder den Film gesehen hat, bekannt vorkommen. Auch der Mix aus Spannung, Humor, gut gesetzten Pointen und reichlich Rätselspaß, an dem man als Leser*in sogar teilhaben kann, ist bekannt und funktioniert hier mal wieder bestens. Das Gleiche gilt ebenso für die zahlreichen Nebenstränge. Denn obwohl es so neben dem eigentlichen Geschehen noch um viele weitere Themen wie etwa häusliche Gewalt, Trauer, Drogenhandel, aber ebenfalls um Freundschaft und Zusammenhalt geht, verliert man niemals den Überblick. Vielmehr sorgen all diese Themen und Nebenstränge für reichlich Abwechslung, ohne dabei auch nur einmal zu sehr von der Hauptstory abzulenken.
Fazit: Ganz egal, ob man die vier vorherigen Bände gelesen hat, nur den Netflix-Film kennt oder sogar ohne jegliche Vorkenntnisse an Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code herangeht – gut unterhalten wird man auf jeden Fall. Mit dem sowohl aus den vorherigen Bänden als ebenfalls im Film zu sehenden bekannten Mix aus Humor, Spannung und den tollen Charakteren schafft es Osman nämlich auch im nunmehr fünften Band seiner Erfolgs-Krimireihe, einen wieder zu fesseln. Wer Lust auf Krimis hat, die statt auf viel Blutvergießen auf Herzlichkeit, Wärme und gut geschriebene Rätsel setzen, sollte sich Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code auf jeden Fall ganz oben auf seine Liste schreiben. Und am besten die vier vorherigen Bände gleich mit notieren.
Zu erwerben gibt es Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code für 17,99 Euro (bzw. 14,99 Euro als e-Book) bei Amazon, beim herausgebenden List Verlag oder im Buchhandel.
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