Mit SpongeBob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten versucht Nickelodeons Kultschwamm erneut, die Gaming-Welt zu erobern – diesmal mit einem farbenfrohen Action-Abenteuer, das sich vor allem an jüngere Spieler richtet. Die große Frage lautet jedoch: Reicht der typische Bikini-Bottom-Charme, um auch ältere Fans oder Genre-Liebhaber nachhaltig zu begeistern?
So viel Chaos, nur wegen ein paar Burgern Wenn es in der Krossen Krabbe Krabbenburger für den halben Preis gibt, ist der Andrang groß. Da können selbst König Neptun und der Fliegende Holländer nicht widerstehen. Jedoch haben es die beiden Giganten der Gezeiten nicht so mit dem Anstehen, weshalb die Lage schnell eskaliert. Wenige Sekunden später ist Bikini Bottom nicht mehr wiederzuerkennen. Der Schaden an der Stadt ist dabei das kleinere Übel: Viel schlimmer ist, dass die Bevölkerung plötzlich als Geister umherschweben. Auch Spongebob und sein bester Freund Patrick sind davon nicht verschont geblieben, machen sich aber sofort auf den Weg, das Geschehen rückgängig zu machen.
Wer bisher nichts mit SpongeBob Schwammkopf anfangen konnte, wird auch mit dieser Geschichte sicherlich nicht umgestimmt werden. Fans des kultigen Schwammes dürfen sich hingegen freuen. Die Story könnte nämlich direkt aus einer der Folgen stammen. Doch nicht nur die Geschichte erinnert an die Serie, ebenso der typische Humor ist hier zu finden. Wer einige Folgen kennt, wird schnell zahlreiche Anspielungen, Wortwitze etc. erkennen. Das Tolle dabei ist, dass dies auch alles in den bekannten Stimmen zu hören ist. Denn sowohl im Englischen als ebenfalls in der deutschen Synchronisation sind die Originalsprecher der Serie am Werk. Die Entwicklerinnen und Entwickler von Purple Lamp haben in ihrem mittlerweile dritten SpongeBob-Abenteuer aber nicht nur den Ton der Serie gut getroffen. Auch optisch sind das virtuelle Bikini Bottom und seine Bewohner gelungen. Bekannte Schauplätze und Figuren wie SpongeBob, Patrick, Thaddäus und Sandy erkennt man auf den ersten Blick, und dank der genutzten Unreal Engine 5 sieht das Ganze auch noch richtig schick aus und ist gut animiert. Das Highlight sind aber sicherlich die Cutscenes, die so aussehen, als ob sie tatsächlich direkt aus der Comicserie entnommen wurden.
Mehr Routine als Raffinesse Im Gegensatz zur Präsentation wirkt die spielerische Seite hingegen deutlich weniger inspiriert. Giganten der Gezeiten setzt auf eine Mischung aus Plattforming, leichten Rätseln und simplen Kämpfen – ein Mix, der grundsätzlich funktionieren könnte, hier aber auffallend wenig Varianz bietet.
Dabei verfügen SpongeBob und Patrick über eigene Fähigkeiten, die während ihres Abenteuers genutzt werden müssen. Der berühmte quadratische Schwamm kann zum Beispiel Luftblasen abschießen, mit denen er nicht nur Feinden schaden kann, sondern auch Schalter umlegen kann. Zudem kann er, wie schon in den vorherigen Spielen, Karatekicks ausführen und so weit entfernte Plattformen erreichen. Der sprechende Seestern Patrick kann sich hingegen in Sand einbuddeln, um so in eigentlich gesperrte Bereiche zu gelangen. Zudem ist er der stärkere der beiden, weshalb er auch schwerere Gegenstände tragen kann.
Obwohl die unterschiedlichen Fähigkeiten oft genutzt werden, sorgen sie leider kaum für Abwechslung. Das liegt aber nicht nur an der übersichtlichen Anzahl an Fähigkeiten, sondern auch am generellen Spieldesign. Ganz gleich, in welchem der fünf verschiedenen Abschnitte man sich befindet, das Gameplay bleibt stets das gleiche: Man hüpft, springt und haut ein paar Gegner. Wenn man zwischendurch mal wieder eine schiere Ewigkeit irgendwo hinunterrutscht und dabei Hindernissen ausweicht, ist das schon beinahe eine schöne Abwechslung.
Alles kindgerecht Leider ist aber nicht nur das Gameplay immer das Gleiche. Auch die Gegner scheinen aus einer Klonfabrik entsprungen zu sein. Immer wieder haut man dieselben Gegnertypen – Geister und Quallen. Lediglich die vier Bossgegner bieten hier eine schöne Abwechslung. Eine Herausforderung stellen aber auch diese Bossgegner nicht dar, was vor allem daran liegt, dass das gesamte Spiel in erster Linie für jüngere Schwammkopf-Fans gedacht ist.
Dass dem tatsächlich so ist, erkennt man auch am Umfang des Spiels. Hardcore-Gamer*innen dürften von den sechs Stunden, die man zum Durchspielen gerade einmal benötigt, nämlich sehr enttäuscht sein. Für jüngere Gaming-Fans ist die Spielzeit jedoch genau richtig und dürfte sie für einige Nachmittage gut beschäftigen – zumal sie ohnehin wohl noch ein paar Stündchen mehr benötigen werden. Daran sind auch Nebenmissionen schuld, die man ebenfalls in Relation zur Zielgruppe betrachten muss. Zeitrennen, Quallen fangen oder das Auffinden einer bestimmten Anzahl an Items in einer vorgegebenen Zeit sind für geübte Spieler*innen ein Klacks. Jüngere werden hiermit hingegen sehr viel Spaß haben und die Minispiele sicherlich auch das ein oder andere Mal mehr angehen. Gleiches gilt ebenfalls für die zahlreichen Kostüme, die man für SpongeBob finden kann. Denn auch mit ihnen werden die jungen Schwammkopf-Fans ihren Spaß haben und deswegen die zahlreichen versteckten Items mit Freude suchen.
Fazit: Auch wenn es nahe liegt, darf man meiner Meinung nach nicht den Fehler machen, SpongeBob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten mit anderen aktuellen 3D-Plattformen wie Yooka Replaylee oder Ähnlichem zu vergleichen. Im Gegensatz zu denen ist SpongeBob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten nämlich ganz klar und deutlich an die jüngeren Spielerinnen und Spieler gerichtet (das ist auch der Grund, weshalb wir es in diesem Special und nicht als regulären Test veröffentlichen). Wenn man dies berücksichtigt, macht das Spiel eine wirklich gute Figur. Nicht nur, dass es den Look und den Humor der Serie nahezu perfekt einfängt, auch spielerisch bietet es dann genau die richtige Mischung aus Action, Springen und Erkunden im genau richtigen Schwierigkeitsrahmen. Wer einen jungen SpongeBob-Fan bei sich zu Hause hat und noch nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk sucht, sollte sich SpongeBob Schwammkopf: Giganten der Gezeiten also ganz oben auf seine Liste schreiben.