|

Mit Ruf der Toten legt Jan Beck den zweiten Fall für den angeschlagenen Kriminalpsychologen Simon Dorn vor – und macht schnell klar: Hier geht es nicht um gemütliche Krimiunterhaltung, sondern um einen Thriller, der konsequent unter die Haut will. Schon der Einstieg hat es in sich: Eine geheimnisvolle Online-Nachricht, ein scheinbarer Hilferuf – und wenig später eine Tote. Was wie ein klassischer Mordfall beginnt, entwickelt sich rasch zu einem düsteren Katz-und-Maus-Spiel.
Düsterer Einstieg mit Sogwirkung Jan Beck, der eigentlich Johann Fischler heißt, in Innsbruck geboren wurde und vor seiner Autorenkarriere als Jurist tätig war, hat es in seinem neuesten Thriller erstklassig geschafft, moderne Technik in die Geschichte einzubinden. Eine künstliche Intelligenz, die im Namen einer Toten spricht, sorgt hier nämlich nicht nur für eine unheimliche Grundstimmung, sondern sorgt auch immer wieder dafür, dass neue Fragen aufgeworfen werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern, wo KI gerne wie ein billiges Gimmick wirkt, fügt sie sich hier erstaunlich stimmig in die Handlung ein. Trotz alledem bleibt der Roman aber ein typischer Thriller, der über etwa 480 dicht gepackte Seiten, verschiedene Erzählfäden geschickt miteinander verknüpft und den Leserinnen und Lesern mit grausamen Details, psychologischer Tiefe und einem Mörder, der lange im Dunkeln bleibt, bis zum Ende in Atem hält.
Ein Ermittlerduo, das nicht verschiedener sein könnte Das Ermittlerduo Simon Dorn und Lea Wagner funktioniert auch im zweiten Band hervorragend. Dorn ist innerlich zerrissen, von Verlusten gezeichnet und alles andere als ein klassischer Held. Genau das macht ihn interessant. Lea Wagner bringt Energie, Direktheit und Bodenständigkeit ins Spiel und bildet somit den perfekten Gegenpol. Die Dialoge und das Zusammenspiel zwischen den beiden wirken glaubwürdig und verleihen der Geschichte eine starke menschliche Komponente.
Tempo, Spannung und düstere Atmosphäre Stilistisch schreibt Jan Beck flott und schnörkellos. Kurze Kapitel, wechselnde Perspektiven und immer neue Hinweise sorgen dafür, dass man „nur noch ein Kapitel“ lesen will – und dann ist man plötzlich wieder hundert Seiten weiter. Zwar verlangt die Vielzahl an Figuren und Handlungssträngen ein wenig Aufmerksamkeit, doch wer dranbleibt, wird mit einem stimmigen Gesamtbild belohnt.
Fazit: Ruf der Toten ist ein packender, moderner Thriller, der klassische Ermittlungsarbeit mit aktueller Technik verbindet. Düster, temporeich und spannend bis zur letzten Seite – und somit genau das Richtige für alle, die Thriller mögen, die auch nach dem Zuklappen noch im Kopf bleiben.
Zu erwerben gibt es Dorn: Zimmer 203. Ruf der Toten. für 16,00 Euro (bzw. 4,99 Euro als e-Book) bei Amazon, beim herausgebenden Penguin Verlag oder im Buchhandel.
© 2026 Penguin Verlag
|