Der Landwirtschafts-Simulator ist der mit Abstand bekannteste und erfolgreichste seiner Zunft, doch Simulator-Spiele im Allgemeinen boomen seit einiger Zeit. Ein Blick auf die monatliche Releaseliste zeigt, dass kein Monat vergeht, ohne dass zumindest ein oder zwei neue Simulatoren erscheinen. Dabei gibt es schon jetzt kaum einen Beruf oder eine Tätigkeit, die noch nicht in einem Simulator für jedermann zugänglich gemacht wurde. Da es bei diesem riesigen Angebot kaum machbar ist, alle Spiele zu testen, möchten wir euch in diesem Special in unregelmäßigen Abständen die neuesten, besten oder auch kuriosesten Simulatoren vorstellen.
Teil 311: Disco Simulator Wer schon immer mal davon geträumt hat, einen eigenen Club zu eröffnen, ohne sich mit echten Nachbarn, Lärmbeschwerden oder GEMA-Gebühren herumzuschlagen, bekommt mit Disco Simulator die passende Spielwiese. Die Management-Simulation von Games Incubator wirft uns direkt ins Nachtleben – allerdings weniger auf die Tanzfläche als hinter die Kulissen.
Aufbau statt Abrissparty Der Start ist typisch Tycoon: leere Räume, wenig Geld, große Pläne. Schritt für Schritt entsteht aus kahlen Wänden eine funktionierende Disco mit Bar, Tanzfläche, Lichtanlagen und Sound-Systemen. Das Bauen geht auch auf der Xbox leicht von der Hand, bleibt übersichtlich und lädt zum Experimentieren ein. Wer Laufwege clever plant und seine Einrichtung sinnvoll platziert, merkt schnell, dass gutes Design bares Geld wert ist. Das tolle dabei ist, dass kein Club, den man aufbaut, dem vorherigen gleicht. Schon alleine die Wahl des Standorts sorgt für Unterschiede und verschiedene Möglichkeiten und Wege, um in der Clubszene berühmt zu werden. Ebenso beeinflusst auch das Design des Clubs den Spielverlauf. Laufwege, Beleuchtung und Raumaufteilung wirken sich direkt auf Gästezufriedenheit, Einnahmen und den reibungslosen Ablauf des Abends aus.
Nachtleben will organisiert sein Im Kern ist Disco Simulator ein klassisches Tycoon-Spiel. Personal will eingestellt, bezahlt und sinnvoll eingesetzt werden. Wenn beispielsweise Toiletten kaputt sind, muss sich der Hausmeister schnellstmöglich darum kümmern – ansonsten droht Unmut bei den Gästen. Ebenso erfüllen Barkeeper, Security und DJs unterschiedliche Rollen und reagieren auf Stress, Arbeitszeiten und Auslastung. Hinzu kommt die Planung von Events, die für Ruf und neue Gäste sorgen. Ein interessantes Element ist die Wahl eines Managers, die über spezielle Fähigkeiten verfügen, die verschiedene Aspekte des Clublebens beeinflussen. Manche können besser mit Zahlen umgehen, während andere bei der Organisation von Konzerten oder beim Umgang mit den Kunden besser sind. Durch diese unterschiedlichen Fähigkeiten erhält jeder neue Spielstart eine leicht andere Ausrichtung, auch wenn sich die grundlegenden Abläufe ähneln. Spielerisch bleibt dabei alles angenehm entschleunigt. Statt hektischer Klickorgien beobachtet man Abläufe, optimiert Prozesse und greift ein, wenn der Laden aus dem Ruder zu laufen droht.
Gemächlich, aber Stimmungsvoll Wer Action oder permanente Herausforderungen erwartet, wird hier natürlich nicht fündig. Disco Simulator setzt auf ruhiges Gameplay und wirtschaftliche Entscheidungen. Das passt gut zum Konzept, kann im späteren Spielverlauf aber auch etwas repetitiv wirken. Neue Inhalte schalten sich eher gemächlich frei, weshalb man auch Geduld mitbringen muss. Atmosphärisch macht das Spiel jedoch vieles richtig: Neonfarben, Lichtspiele und dezente Club-Sounds sorgen für echtes Nachtleben-Feeling, ohne zu nerven.
Solide Technik, begrenzter Tiefgang Technisch präsentiert sich der Disco Simulator sowohl auf dem PC als auch auf der Xbox solide, ohne dabei einen vom Hocker zu hauen. Die Benutzeroberfläche ist funktional gestaltet und lässt einen alles Wichtige schnell finden. Inhaltlich reicht der Umfang für mehrere motivierende Spielstunden, erreicht aber nicht die Komplexität großer Genre-Schwergewichte. Irgendwann wiederholen sich Abläufe zwangsläufig.
Fazit: Disco Simulator ist eine gelungene Management-Simulation mit unverbrauchtem Setting. Das Spiel richtet sich vor allem an Fans klassischer Tycoon-Mechaniken, die weniger Action und mehr Planung bevorzugen. Wer Freude daran hat, Prozesse zu optimieren, Zahlen im Blick zu behalten und dabei eine stimmige Atmosphäre zu genießen, findet hier einen unterhaltsamen Genre-Vertreter mit eigenem Charakter.