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Wer Moritz Netenjakob kennt, weiß um sein Talent, den Wahnsinn des Alltags in messerscharfe Dialoge und urkomische Szenarien zu verwandeln. In seinem neuesten Buch Der beste Papa der Welt widmet er sich nun dem wohl größten Abenteuer der menschlichen Existenz: der Vaterschaft. Dabei verzichtet er dankenswerterweise auf den erhobenen Zeigefinger oder trockene Theorie. Stattdessen wirft er den Leser mitten hinein in das Gefühlschaos eines Mannes, der eigentlich nur alles richtig machen will und dabei regelmäßig an den Tücken des Objekts – sei es ein widerspenstiger Kinderwagen oder die eigene Erwartungshaltung – scheitert. Es ist eine literarische Achterbahnfahrt, die so rasant erzählt ist, dass man kaum Zeit zum Luftholen findet.
Das Ende der Coolness als Neubeginn Die Stärke des Buches liegt in der schonungslosen Ehrlichkeit, mit der Netenjakob das Bild des modernen Vaters demontiert. Der Protagonist verabschiedet sich schrittweise von seinem coolen Selbstbild und tauscht intellektuelle Souveränität gegen die bedingungslose Kapitulation vor einem Wesen, das noch nicht einmal sprechen kann. Besonders stark sind die Passagen, in denen der Autor die Absurdität moderner Eltern-Foren und die kompetitive Art mancher Spielplatz-Begegnungen aufs Korn nimmt. Netenjakob schreibt hier für eine Generation von Vätern, die zwischen Karriereanspruch und Windeleimer nach ihrer Identität suchen, ohne dabei jemals den Humor oder den Respekt vor der Aufgabe zu verlieren.
Die Magie der kleinen Momente Trotz aller komödiantischen Höhepunkte vergisst der Autor dabei nie, den leisen Zauber einzufangen, der in der Beziehung zwischen Vater und Kind wohnt. Wenn gerade mal nichts Irrwitziges passiert, entstehen nämlich auch Momente ungeahnter Intimität. Netenjakob beweist dabei ein feines Gespür für Timing; er weiß genau, wann er den Leser mit einer Pointe zum Lachen bringen und wann es auch mal ruhiger zugehen muss.
Lockerer Stil zum längeren lesen Sprachlich bleibt das Buch die ganze Zeit über angenehm zugänglich. Der Ton ist locker, aber nie flapsig, professionell, aber niemals belehrend. Die kurzen Kapitel lesen sich flüssig und eignen sich sowohl für längere Lesephasen als auch für ein paar Seiten zwischendurch. Dabei gelingt es Netenjakob, Alltagsszenen so präzise zu schildern, dass man sich selbst immer wieder darin wiederfindet, unabhängig davon, ob man selbst Vater ist oder nicht.
Fazit: Der beste Papa der Welt ist weit mehr als ein humorvolles Vaterbuch. Es ist ein ehrlicher, kluger und sehr menschlicher Blick auf das Familienleben, der einen zum Lachen bringt und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Moritz Netenjakob beweist, dass große Themen wie Verantwortung, Liebe und Selbstzweifel auch leichtfüßig und unterhaltsam erzählt werden können. Ein lesenswertes Buch für Eltern, werdende Eltern und alle, die sich für die kleinen und großen Geschichten des Alltags interessieren.
Zu erwerben gibt es Der beste Papa der Welt für 18,00 Euro (bzw. 14,99 Euro als e-Book) bei Amazon, im Buchhandel oder beim herausgebenden Verlag Kiepenheuer & Witsch.
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