Das PC-Spiele Monate oder sogar Jahre später ihren Weg auf Konsolen finden, ist nichts Ungewöhnliches. Dass sie dabei jedoch einen komplett neuen Titel erhalten, kommt deutlich seltener vor. Genau das ist aber bei Wild West Legacy geschehen. Hinter dem vermeintlich neuen Western-Abenteuer verbirgt sich nämlich eine überarbeitete Fassung von Wild West Dynasty. Wer dessen turbulente Vergangenheit kennt, ahnt auch, warum sich Toplitz Productions für die Umbenennung entschieden hat. Der PC-Start verlief seinerzeit nämlich alles andere als reibungslos und hinterließ einen entsprechend schlechten Eindruck. Die Namensänderung wirkt daher weniger wie ein kreativer Neustart als vielmehr wie der Versuch, die holprige Vergangenheit im Staub der Prärie verschwinden zu lassen. Stellt sich nur die Frage, ob dies auch gelingt.
Gute Idee mit schwächen Wer bei einem Western-Spiel sofort an epische Schießereien im Stil eines Revolverhelden denkt, muss bei Wild West Legacy erst einmal kurz die Sporen zügeln. Das Spiel folgt der bewährten Formel von Toplitz’ Dynasty-Reihe und setzt uns mit fast nichts in der Einöde aus. Wir schlüpfen in die Haut eines Überlebenden, der nach einem tragischen Überfall auf seinen Treck vor dem Nichts steht. Statt Banditen zu jagen, geht es darum, Schritt für Schritt eine eigene Existenz aufzubauen – vom Sammeln einfacher Ressourcen über den Bau einer ersten Blockhütte bis hin zur Errichtung einer florierenden Siedlung. Gerade diese Mischung aus Überlebenssimulation und Städtebau hebt das Spiel von klassischen Action-Adventures ab und kann eine überraschend große Sogwirkung entfalten. Das Wachstum der eigenen Gemeinschaft sorgt grundsätzlich für ein motivierendes Gefühl von Fortschritt.
Trotz dieser tollen Grundidee, die schon in anderen Dynasty-Titeln für viel Vergnügen sorgte, fehlt einem doch irgendetwas – um genau zu sein, Leben und Dynamik. Die weitläufige Spielwelt wirkt trotz hübscher Landschaften erstaunlich leer, Begegnungen bleiben oberflächlich, und echte Überraschungen sind selten. Was als Pionier-Fantasy gedacht ist, fühlt sich oft eher wie Verwaltungsarbeit vor schöner Kulisse an. Die Motivation speist sich daher weniger aus spannenden Ereignissen als aus dem stetigen Abarbeiten von Aufgabenlisten.
Der lange Schatten der PC-Vergangenheit Man merkt Wild West Legacy an jeder Ecke an, dass es eine lange Reise hinter sich hat, wobei die PC-Wurzeln sowohl Segen als auch Fluch sind. Auf der positiven Seite steht ein mittlerweile enorm gewachsener Umfang an Gebäuden, Quests und Management-Optionen, den die Entwickler über Monate hinweg in der Dynasty-Phase verfeinert haben. Auf der negativen Seite blitzen hier und da noch die technischen Macken auf, die schon die Rechner-Version plagten. Die Performance auf den Konsolen ist zwar deutlich stabiler als zum ursprünglichen Early-Access-Start auf dem PC, aber wer eine perfekt polierte Welt ohne gelegentliche Grafik-Aussetzer oder hölzerne Animationen erwartet, wird schnell in die Realität zurückgeholt.
Auch die Steuerung kann ihre PC-Heimat nicht ganz abschütteln. Mit dem Controller funktioniert zwar alles, aber selten wirklich komfortabel. Gerade beim Bauen oder beim Verwalten von Inventar und Bewohnern wird die Geduld regelmäßig auf die Probe gestellt. Hier merkt man einfach, dass das Spiel ursprünglich für Maus und Tastatur optimiert war und man dies nur schwer wieder rückgängig machen kann.
Ein weiteres Relikt der PC-Version ist zudem die Leere im Spielablauf. Die Siedlung wächst, Zahlen steigen, Gebäude vermehren sich – aber emotionale Höhepunkte oder dramatische Wendungen bleiben dabei leider Mangelware. Selbst Konflikte und Gefahren wirken oft eher wie Pflichtübungen als wie echte Bedrohungen. Ein episches Abenteuer, das die Besiedlung des Wilden Westens eigentlich sein sollte, sieht wahrlich anders aus.
Es kann durchaus fesseln Trotz all der genannten Schwächen besitzt das Spiel dennoch einen gewissen Reiz. Der Aufbau einer funktionierenden Western-Gemeinschaft kann durchaus fesseln, vor allem für Spieler, die gerne planen, optimieren und organisieren. Wenn die Produktionsketten greifen und das Dorf wächst, entsteht nämlich tatsächlich ein Gefühl von Fortschritt. Gleichzeitig sorgt die mangelnde Inszenierung aber eben auch immer wieder für Ernüchterung. NPCs wirken wie Statisten, die Welt bleibt passiv, und die Atmosphäre erreicht selten die Intensität, die man von einem Western erwartet. Statt dramatischer Geschichten dominiert hier leider die Routine.
Fazit: Wild West Legacy ist sicherlich kein Totalausfall, aber bedauerlicherweise auch weit entfernt von einem gelungenen Neubeginn. Die Konsolenfassung präsentiert eine interessante Idee, die durch technische Schwächen, monotones Design und die Altlasten ihrer PC-Herkunft aber spürbar ausgebremst wird. Wer eine ruhige Aufbau-Simulation im Western-Setting sucht und bereit ist, bei Komfort, Inszenierung und Dynamik Abstriche zu machen, kann hier aber dennoch durchaus einige unterhaltsame Stunden verbringen.