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Stromausfall: Frankie – Unter Menschen
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/Frankie2Der Roman Frankie gehört seit seinem Erscheinen im Jahr 2023 zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Das liegt nicht nur daran, dass ich ein großer Katzenliebhaber bin und selbst seit vielen Jahren mit Samtpfoten zusammenlebe, sondern auch an der außergewöhnlich gelungenen Geschichte.
Umso größer war die Vorfreude auf die Fortsetzung Frankie – Unter Menschen. Hier setzt Jochen Gutsch die Geschichte seines wohl ungewöhnlichsten Helden nämlich endlich fort: die eines Katers, der die Welt der Menschen mit scharfem Blick, trockenem Humor und überraschender Empathie betrachtet. Der Roman knüpft dabei direkt an den Vorgänger an und schickt Frankie erneut auf eine Reise, die er sich selbst kaum hätte ausmalen können. Das Ergebnis daraus ist ein ebenso unterhaltsames wie berührendes Buch.

Humor mit Tiefgang
Bevor es tiefer in Frankies neues Abenteuer geht, lohnt sich ein Blick auf seinen Schöpfer. Bevor sich Jochen Gutsch als Romanautor etablierte, war er viele Jahre für den Spiegel tätig und wurde für seine journalistische Arbeit unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet.
Später schrieb er gemeinsam mit Maxim Leo mehrere Bestseller, darunter Es ist nur eine Phase, Hase. Sein bislang größter Erfolg bleibt jedoch Frankie, das 2023 zu den erfolgreichsten Büchern des Jahres zählte und inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.
Seine Werke machen dabei nicht nur die messerscharfe Beobachtungsgabe, gepaart mit einem tiefen Verständnis für die tragikomischen Momente des Alltags, aus. Gutsch versteht es zudem meisterhaft, schwere Themen wie Einsamkeit oder gesellschaftliche Ausgrenzung so leichtfüßig zu verpacken, dass sie nicht wie eine Belehrung wirken.

Eine Odyssee auf vier Pfoten
Wer den ersten Teil gelesen hat, wird es wissen: Frankie hat im Grunde alles, was ein Kater braucht – einen Riesen-Fernseher, ein Riesen-Bett und Futter mit viel Soße. Nur sein Menschenfreund Gold fehlt ihm. Der sitzt nämlich noch immer in der Klinik fest, um seine Depressionen zu sortieren. Und so wartet Franke – mehr schlecht als recht – auf seinen menschlichen Kumpel. Zumindest eine ganze Zeit. Denn durch eine Verkettung unglücklicher Umstände (und eine ordentliche Portion tierische Neugier) landet der Kater in einem Müllwagen und findet sich plötzlich kilometerweit entfernt von seinem angestammten Revier wieder.

Das Herzstück des Romans ist aber Frankies Begegnung mit Shattab, einem jungen Mädchen, das aus der »Kanakensammelstelle«, wie sie sagt, abgehauen ist und nun ihren eigenen Weg durch den Großstadtdschungel sucht. Die Dynamik zwischen dem altklugen Kater, der die Welt durch die Brille des pragmatischen Überlebenskünstlers sieht, und der verletzlichen, aber mutigen Shattab ist pures Gold. Gemeinsam flüchten sie vor einem unerbittlichen Ordnungshüter und begegnen dabei unterschiedlichsten Gestalten, Menschen wie Tieren. Einer alten Frau, die vielleicht mal die Fotografin von John Lennon war, zwei belesenen Aaskrähen und brutalen Jugendlichen ohne Herz. Frankie und Shattab rauben moralisch eine Tankstelle aus, sie fliehen auf eine Hühnermastfarm oder treiben auf einem Fluss Richtung »Arsch der Welt«. Gutsch gelingt hier das Kunststück, Frankies schnoddrige Stimme beizubehalten, während die Handlung eine emotionale Tiefe erreicht, die den Vorgänger fast noch in den Schatten stellt.

Aus den Augen eines Katers
Wie schon beim ersten Teil haben mir auch diesmal die Stellen besonders gut gefallen, in denen Frankie die menschliche Welt aus tierischer Perspektive spiegelt. Der Kater versteht nach wie vor vieles nicht – und gerade deshalb erkennt er oft mehr als die Menschen selbst. Daraus entstehen mal absurde Momente, manchmal erkennt er aber auch Einsamkeit, Angst und Gleichgültigkeit – womit er den (meisten) Menschen einen großen Schritt voraus ist.
Trotz dieser emotionalen Tiefe vermeidet Gutsch dabei bewusst sentimentale Fallen. Statt rührseliger Tiergeschichte bekommt man hier eine kluge Betrachtung darüber, was es heißt, verloren zu sein – geografisch wie emotional –, womit es auch Bezug zur aktuellen Lage zahlreicher Menschen nimmt, die man so vielleicht auch ein bisschen besser verstehen lernt.

Unterhaltsame schwere
Trotz aller Ernsthaftigkeit bleibt das Buch dennoch erstaunlich leicht lesbar. Der Humor ist trocken, manchmal absurd, oft entwaffnend ehrlich. Gerade diese Leichtigkeit macht die schweren Themen zugänglich. Wenn Frankie über die Merkwürdigkeiten menschlichen Verhaltens sinniert, wirkt das gleichzeitig komisch, aber eben auch erschreckend zutreffend.
Die Sprache, die Gutsch dabei gewählt hat, ist klar, präzise und schnörkellos, aber voller kleiner poetischer Momente. Dadurch entsteht eine Art Sogwirkung, die bewirkt, dass es nur schwer ist, das Buch wieder beiseitezulegen. Zumindest war dies bei mir der Fall, sodass ich das Buch innerhalb zweier Lese-Sessions bereits durchhatte.

Fazit:
Wer glaubt, mit Frankie – Unter Menschen eine schnöde Fortsetzung einer erfolgreichen Tiergeschichte zu bekommen, liegt vollkommen daneben. Vielmehr erhält man hier einen äußerst klugen, warmen und stellenweise auch überraschend düsteren Roman über Verlust, Freundschaft und die Suche nach Zugehörigkeit. Gutsch zeigt uns hier durch die Augen eines Katers, dass „Heimat“ kein Ort mit Postleitzahl ist, sondern ein Gefühl, das entsteht, wenn man nicht mehr allein ist. Gutsch gelingt es hier, große Themen in eine kleine, scheinbar unspektakuläre Reise zu packen. So zeigt er uns beispielsweise durch die Augen eines Katers, dass „Heimat“ kein Ort mit Postleitzahl ist, sondern ein Gefühl, das entsteht, wenn man nicht mehr allein ist. Und in genau solchen Momenten liegt die besondere Stärke des Buches.

Wer Geschichten mag, die gleichzeitig unterhalten und berühren, findet hier genau das richtige Buch. Und spätestens nach den letzten Seiten wünscht man sich, noch ein Stück weiter mit diesem ungewöhnlichen Kater durch die Welt zu streifen.

Zu erwerben gibt es Frankie - Unter Menschen für 23,00 Euro (bzw. 19,99 Euro als E-Book) bei Amazon, beim herausgebenden Penguin Verlag und im Buchhandel.

© 2026 Penguin Verlag

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Special vom: 19.03.2026
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
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