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Die Pfalz ist bekannt für sanfte Hügel, exzellenten Wein und ihre sprichwörtliche Geselligkeit. Dass die idyllische Region an der Deutschen Weinstraße jedoch auch ein Pflaster für mörderische Verbrechen sein kann, beweist die Autorin Lilly Hess in ihrem aktuellen Roman Tote trinken keinen Riesling. Erschienen im Heyne Verlag, markiert das Buch den vielversprechenden Auftakt der neuen Cozy-Crime-Reihe Mord im Gepäck.
Ein Mord auf der Weinstraße Eigentlich wollte Rosi Ritter nur eine Busreise entlang der deutschen Weinstraße leiten. Doch die Stimmung gerät schon früh ins Wanken: Zunächst verabschiedet sich der Würstchenwärmer im Reisebus, wenig später wartet bei einem Halt im Pfälzer Wald bereits die nächste Katastrophe. Die Reisegruppe stolpert dort nämlich über die Leiche der jungen Winzerin Anna Zeder, die brutal erschlagen wurde.
Als am Tatort ein auffälliges Amulett entdeckt wird, gerät schnell das Weingut einer alteingesessenen Familie in den Fokus der Ermittlungen. Das Problem: Das Schmuckstück gehört ausgerechnet Grete – der besten Freundin von Rosi – deren Weingut in direkter und erbitterter Konkurrenz zum Opfer stand. Da die örtliche Polizei rasch einen Verdacht schöpft, sehen sich die Beteiligten gezwungen, selbst Nachforschungen anzustellen.
Gemeinsam mit der ehemaligen Kommissarin Olga und der temperamentvollen Tangotänzerin Monique beginnt Rosi daher, auf eigene Faust zu ermitteln – und gerät dabei immer tiefer in ein Netz aus Familiengeheimnissen, Rivalitäten und menschlichen Abgründen.
Schon die Grundidee hebt den Roman angenehm von vielen anderen Cozy-Krimis ab. Statt im immergleichen Dorfmilieu zu spielen, nutzt Lilly Hess die Reisegruppe als erzählerischen Motor. Die Figuren sind ständig unterwegs, treffen neue Menschen und geraten immer wieder in kuriose Situationen. Dadurch bleibt die Geschichte angenehm lebendig und entwickelt schnell ihren eigenen Rhythmus.
Schräge Figuren mit viel Charme Die größte Stärke des Romans liegt allerdings eindeutig in der Dynamik seines herrlich ungleichen Ermittler-Trios. Da wäre zunächst Rosi Ritter, eine ehemalige Kanzlerreferentin, die dank ihres organisatorischen Talents selbst in chaotischen Situationen erstaunlich ruhig bleibt. Ihr zur Seite steht Olga, eine pensionierte Kommissarin, deren legendäre Betonfrisur mindestens genauso standhaft ist wie ihr kriminalistischer Instinkt. Komplettiert wird das Trio von Monique, einer charmanten Tangotänzerin, die mit viel Intuition und einem feinen Gespür für Menschen punktet.
Unterschiedlicher könnten die drei also kaum sein – und genau daraus zieht der Roman einen großen Teil seines Humors. Vor allem die Dialoge sorgen immer wieder für unterhaltsame Momente und verleihen der Geschichte eine angenehm lockere Dynamik.
Dabei bewegt sich Tote trinken keinen Riesling bewusst nah an typischen Cozy-Crime-Klischees. Manche Figuren wirken leicht überzeichnet, einige Situationen beinahe sitcomartig. Das muss man natürlich mögen. Wer realistische Polizeiarbeit oder hochkomplexe Thriller-Spannung erwartet, dürfte hier also eher nicht fündig werden. Der Roman möchte in erster Linie unterhalten – und genau das gelingt ihm über weite Strecken ausgesprochen gut.
Die Pfalz als heimlicher Star Mindestens genauso wichtig wie der eigentliche Kriminalfall ist allerdings das Setting. Die Pfalz wird von Lilly Hess atmosphärisch und mit viel Liebe zum Detail eingefangen. Weinfeste, kleine Ortschaften, regionale Eigenheiten und natürlich der Riesling selbst sorgen schnell dafür, dass beim Lesen echtes Urlaubsgefühl aufkommt.
Gerade diese Mischung aus Krimi und Wohlfühlatmosphäre macht den besonderen Reiz des Romans aus. Man merkt deutlich, dass die Autorin weniger auf permanente Hochspannung setzt, sondern vielmehr auf ein gemütliches Leseerlebnis voller Humor, Charme und sympathischem Chaos – und genau das gelingt ihr ausgesprochen gut.
Dass Lilly Hess dieses Genregefühl so sicher beherrscht, kommt dabei nicht von ungefähr. Hinter dem Namen verbirgt sich nämlich die erfahrene Autorin Lilly Alonso, die bereits mit ihren stimmungsvollen Mallorca-Krimis bewiesen hat, wie gut sie atmosphärische Wohlfühl-Krimis schreiben kann. Entsprechend dürften auch ihre bisherigen Leser*innen trotz Schauplatzwechsel erneut voll auf ihre Kosten kommen.
Fazit: Mit Tote trinken keinen Riesling gelingt Lilly Hess ein sympathischer Einstieg in ihre neue Reihe Mord im Gepäck. Der Roman erfindet das Cozy-Crime-Genre dabei zwar nicht neu, bringt aber dennoch genug eigene Ideen und Charme mit, um sich angenehm von der Masse abzuheben.
Wer spannende Thriller mit düsterer Atmosphäre sucht, wird hier vermutlich nicht fündig. Wer dagegen Lust auf einen lockeren Krimi mit Wein, Witz und liebenswert schrägen Figuren hat, dürfte an diesem Buch aber ganz sicher viel Freude haben.
Zu erwerben gibt es Tote trinken keinen Riesling für 13,00 Euro (bzw. 9,99 Euro als E-Book) bei Amazon, beim herausgebenden Heyne Verlag und im Buchhandel.
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