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Kurz vorgestellt: WILL: Follow the Light
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Ein Leuchtturm mitten im Nirgendwo, meterhoher Schnee und das beklemmende Gefühl, von der Welt abgeschnitten zu sein – WILL: Follow the Light macht bereits nach wenigen Minuten klar, welche Richtung es einschlagen möchte. Statt auf bombastische Action oder spektakuläre Effekte setzt das Debütspiel von TomorrowHead Studio auf eine melancholische Reise durch eisige Landschaften und die Geschichte eines Mannes, der plötzlich alles zu verlieren droht. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich ruhiges Adventure, das seine stärksten Momente immer dann entfaltet, wenn es sich Zeit nimmt.

Eine Reise durch die Kälte
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Will, ein Leuchtturmwärter irgendwo im hohen Norden. Sein Alltag ist geprägt von Einsamkeit, Schnee und dem ständigen Kampf gegen die Naturgewalten. Als nach einer Katastrophe plötzlich sein Sohn verschwindet, beginnt für ihn eine gefährliche Reise quer durch unwirtliche Landschaften und über gefrorene Meere.

Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass es in WILL: Follow the Light alles andere als actionreich zugehen wird. Stattdessen setzt das Spiel konsequent auf Atmosphäre und entschleunigtes Storytelling und bewegt sich damit durchaus in ähnlichen Gefilden wie Firewatch. Im Gegensatz zum Überraschungshit von Campo Santo halten sich die Dialoge hier allerdings bewusst zurück. Gerade zu Beginn gibt es zwar noch einige Gespräche, im weiteren Verlauf werden Emotionen jedoch zunehmend über die Umgebung, die Musik und kleine Gesten transportiert. Genau dadurch entfaltet die Geschichte aber auch eine überraschend intensive Wirkung. Die Welt fühlt sich kalt, leer und verloren an – und genau das spiegelt die innere Verfassung der Hauptfigur hervorragend wider.

Besonders gelungen ist dabei die Art und Weise, wie das Spiel Einsamkeit inszeniert. Das Heulen des Windes, das Knarzen alter Holzbauten und die gewaltigen Schneelandschaften sorgen immer wieder für besonders intensive Momente. Wer ruhige, atmosphärische Spielerfahrungen schätzt, dürfte hier also schnell in den Bann gezogen werden.

Dichte Atmosphäre
Optisch gehört WILL: Follow the Light definitiv zu den beeindruckenderen Indie-Produktionen der letzten Zeit. Die verschneiten Landschaften sehen sowohl auf dem PC als auch auf den Konsolen fantastisch aus, Polarlichter tauchen die Welt in eindrucksvolle Farben und auch die dynamischen Wettereffekte hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beleuchtung. Taschenlampen, Leuchttürme oder das schwache Mondlicht werden gezielt eingesetzt, um gleichzeitig Orientierung und Unsicherheit zu erzeugen.

Und auch der Soundtrack trägt enorm zur Atmosphäre bei. Die Musik bleibt dabei zwar meist dezent im Hintergrund, setzt jedoch genau in den richtigen Momenten emotionale Akzente. Zusammen mit den starken Umgebungsgeräuschen entsteht so ein audiovisuelles Gesamtbild, das die bedrückende Stimmung nicht nur hervorragend untermalt, sondern auch lange im Gedächtnis bleibt.

Starke Stimmung mit erzählerischen Schwächen
So gelungen die Grundstimmung auch ausfällt, erzählerisch leistet sich WILL: Follow the Light dennoch einige spürbare Schwächen. Bestimmte Ereignisse wirken seltsam abrupt oder werden kaum richtig inszeniert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Erdrutsch, der eigentlich ein einschneidender Moment der Geschichte sein sollte, den Spieler*innen aber praktisch gar nicht direkt erleben. Stattdessen erfährt man eher beiläufig davon, wodurch viel emotionale Wirkung verloren geht.

Auch die Übergänge zwischen einzelnen Abschnitten wirken teilweise etwas holprig. Immer wieder findet man sich plötzlich an neuen Orten wieder, ohne dass das Spiel ausreichend erklärt, wie Will überhaupt dorthin gelangt ist. Dadurch entstehen narrative Sprünge, die den ansonsten immersiven Eindruck unnötig schwächen. Gerade weil das Spiel so stark auf Atmosphäre und emotionale Bindung setzt, fallen solche erzählerischen Lücken hier besonders deutlich auf.

Mehr als nur ein weiterer Walking Simulator
Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzt WILL: Follow the Light allerdings nicht ausschließlich auf seine Geschichte. Zwar steht die narrative Ebene klar im Vordergrund, als Auflockerung gibt es aber immer wieder kleinere Rätsel, Navigationsaufgaben und verschiedene Fortbewegungsarten.

Besonders die Segelpassagen auf dem eisigen Meer sorgen dabei für Abwechslung und vermitteln ein überzeugendes Gefühl für die Gefahren der Umgebung. Wer hier vorankommen möchte, muss sich tatsächlich mit Koordinaten auseinandersetzen, den Wind lesen und die Tücken eines dynamischen, unvorhersehbaren Wettersystems einkalkulieren. Hinzu kommen Hundeschlitten-Sequenzen, kleinere Survival-Elemente und Rätsel, die zwar allesamt nie zu komplex werden, das Abenteuer aber angenehm auflockern.

Trotzdem gehören ausgerechnet die Rätsel leider zu den schwächeren Bestandteilen des Spiels. Viele Aufgaben wirken erstaunlich uninspiriert und wiederholen sich zu häufig. Immer wieder läuft es darauf hinaus, Schalter zu finden, bestimmte Objekte in der Umgebung aufzuspüren oder kleinere Mechanismen zu aktivieren. Wirklich kreative Ideen bleiben dabei weitgehend aus.

Hinzu kommt, dass die Rätsel den Erzählfluss häufig spürbar ausbremsen. Gerade wenn die Geschichte emotional Fahrt aufnimmt oder spannende neue Informationen präsentiert werden, wird man plötzlich aus der Atmosphäre gerissen, um mehrere Minuten lang nach einem bestimmten Gegenstand oder dem nächsten Schalter zu suchen. Dadurch verliert die ansonsten starke Inszenierung immer wieder an Tempo und Intensität.

Allerdings sind es nicht allein die Rätsel, die Probleme bereiten. Auch technisch wirkt das Spiel hier und da etwas unausgereift. Die Steuerung reagiert nicht immer sauber und manche Animationen wirken etwas steif – hier merkt man, dass hinter dem Projekt eben kein riesiges AAA-Studio steckt, sondern ein kleines Indie-Studio.

Fazit:
Mit WILL: Follow the Light liefert TomorrowHead Studio ein in weiten Teilen bemerkenswert atmosphärisches Erstlingswerk ab. Die eisigen Landschaften, die melancholische Stimmung, der Soundtrack und die Präsentation hinterlassen Eindruck und sorgen immer wieder für starke Momente. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass sich das Studio vor allem beim Gameplay und der erzählerischen Struktur stellenweise etwas übernommen hat.

Repetitive Rätsel, abrupte Szenenwechsel und einige narrative Lücken bremsen das Abenteuer immer wieder aus. Dabei beweisen gerade die gelungenen Segel-Sequenzen, dass die Entwickler*innen durchaus wissen, wie man Abwechslung sinnvoll in ein narratives Spiel integriert.

Am Ende bleibt ein nicht ganz rund wirkendes Erlebnis, das durch seine starke Atmosphäre und die emotionale Grundidee dennoch lange im Gedächtnis bleibt.

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Special vom: 22.05.2026
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
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