|

Mit Gotham City Sirens: Cowgirls von Gotham lieferten DC und Panini Comics vor ein paar Monaten bereits einen Comic ab, der sich anfühlte wie ein wilder Mix aus Superhelden-Abenteuer, Sci-Fi-Trash und Buddy-Komödie. Statt düsterer Gassen, Mafia-Intrigen oder klassischer Batman-Stimmung erwartete Leserinnen und Leser ein knallbuntes Spektakel voller abgedrehter Ideen und komplett eskalierender Situationen. Der nun erschienene zweite Band Gotham City Sirens: Disco aus dem All steht dem in nichts nach – ganz im Gegenteil: Er setzt dem Ganzen sogar noch eine ordentliche Portion Wahnsinn oben drauf.
Im Mittelpunkt stehen natürlich erneut Harley Quinn, Poison Ivy und Catwoman – drei Figuren, die längst bewiesen haben, dass sie auch ohne Batman problemlos ganze Geschichten tragen können. Die Dynamik zwischen den drei Antiheldinnen bleibt dabei eindeutig das Herzstück des Comics. Zwischen bissigen Kommentaren, kleinen Sticheleien und Freundschaft entsteht eine Energie, die den Band nahezu durchgehend trägt.
Feiernde Geiseln In Disco aus dem All verschlägt es die drei Antiheldinnen ins schillernde Nachtleben Gothams, wo der neue Club „Lunaria“ mit einem exzentrischen Weltraum-Thema lockt. Catwoman wittert hinter den VIP-Vorhängen eine lukrative Beute, die sie allerdings nicht allein stemmen kann. Kurzerhand trommelt sie deshalb ihre alten Mitstreiterinnen Harley Quinn und Poison Ivy zusammen.
Der Club entpuppt sich jedoch schnell als intergalaktische Mogelpackung, denn das spacige Design dient keineswegs nur der Dekoration. Hinter der Fassade operiert vielmehr der klassische DC-Alienschurke Despero, der die feiernden Gäste als ahnungslose Geiseln für seine ganz eigenen interstellaren Expansionspläne missbraucht. Zwischen tödlichen Bässen, außerirdischen Elite-Garden und einer Flut aus glitzerndem Chaos müssen die Sirenen improvisieren, um nicht nur ihre Beute, sondern ganz nebenbei auch noch die Menschheit zu retten.
Die Handlung entwickelt sich dabei rasend schnell in Richtung völlig überdrehter Science-Fiction-Action. Außerirdische Bedrohungen, bizarre Kreaturen und jede Menge absurder Situationen sorgen dafür, dass der Comic sich zu keinem Zeitpunkt zu ernst nimmt. Genau darin liegt allerdings auch seine größte Stärke. Wie schon der erste Band versucht Disco aus dem All gar nicht erst, besonders realistisch oder tiefgründig zu wirken. Stattdessen setzt die Geschichte voll auf Tempo, Humor und kreative Eskalation.
Gerade Harley Quinn bekommt dabei einige der besten Momente spendiert. Ihr chaotischer Humor harmoniert perfekt mit dem völlig verrückten Ton der Story. Gleichzeitig wirkt Catwoman angenehm cool und kontrolliert, während Poison Ivy immer wieder für eine leicht sarkastische Note sorgt. Dieses Zusammenspiel funktioniert einmal mehr hervorragend und verhindert, dass der Comic komplett im Wahnsinn versinkt.
Leah Williams versteht die Gotham Sirens Verantwortlich für diesen herrlich absurden Spaß ist Leah Williams, die sich in den vergangenen Jahren vor allem mit modernen, charakterorientierten Geschichten voller Humor und emotionalem Feingefühl einen Namen gemacht hat. Besonders ihre Arbeiten an Marvel-Reihen wie X-Factor oder Power Girl zeigten bereits deutlich, wo ihre größten Stärken liegen. Williams versteht es nämlich hervorragend, Figuren glaubwürdig miteinander interagieren zu lassen – selbst dann, wenn um sie herum längst völliges Chaos herrscht.
Genau davon profitiert nun auch Gotham City Sirens: Disco aus dem All. Williams schreibt die drei Hauptfiguren nicht einfach nur als coole Kämpferinnen, sondern als Freundinnen mit völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten. Die Dialoge wirken locker, oft herrlich überzogen, und treffen trotzdem den Kern der Charaktere.
Dabei merkt man dem Comic jederzeit an, dass Williams große Freude daran hatte, einfach einmal komplett frei aufzudrehen. Manche Szenen erinnern fast an eine Mischung aus Samstagmorgen-Cartoon und Sci-Fi-Parodie. Das dürfte sicherlich nicht jedem gefallen, sorgt aber ohne Frage für einen enorm hohen Unterhaltungswert.
Ein visuelles Feuerwerk Mindestens genauso wichtig wie die Geschichte ist für den Gesamteindruck allerdings auch der Zeichenstil von Haining. Die Illustrationen passen nämlich hervorragend zu diesem wilden Konzept und setzen die verrückten Ideen gekonnt in Szene. Statt klassischer, düsterer Gotham-Optik setzt Haining auf expressive Figuren, kräftige Neonfarben und bewusst überzeichnete Gesichtsausdrücke.
Vor allem die Actionsequenzen profitieren enorm von dieser Darstellung. Explosionen, Alien-Technologie und vollkommen überdrehte Kampfszenen entfalten eine beeindruckende Dynamik. Gleichzeitig gelingt es Haining aber auch, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Sirens visuell klar herauszuarbeiten. Harley Quinn wirkt permanent kurz vor der Eskalation, Catwoman bleibt elegant und kontrolliert, während Poison Ivy oft irgendwo zwischen Genervtheit und tödlicher Gelassenheit pendelt.
Gerade Leserinnen und Leser, die moderne Comic-Optik mit leichten Manga-Einflüssen mögen, dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.
Nicht für jeden gemacht Trotz aller Stärken wird Disco aus dem All allerdings vermutlich nicht jeden DC-Fan gleichermaßen überzeugen. Wer klassische Gotham-Geschichten mit düsterer Atmosphäre, Detektivarbeit und ernsten Konflikten erwartet, könnte mit dem extrem bunten und bewusst albernen Ton durchaus seine Schwierigkeiten haben. Der Comic setzt nämlich deutlich stärker auf Spaß und Eskalation als auf Spannung oder Tiefgang.
Manchmal schießt die Geschichte dabei sogar leicht über das Ziel hinaus. Einige Szenen wirken beinahe schon zu chaotisch, wodurch der rote Faden gelegentlich etwas verloren geht. Zudem zieht das Erzähltempo gerade gegen Ende noch einmal spürbar an, sodass nicht jede Idee genug Raum bekommt, sich vollständig zu entfalten. Dennoch passt genau diese kreative Überladung erstaunlich gut zum grundsätzlichen Konzept der Reihe.
Fazit: Gotham City Sirens: Disco aus dem All ist letztlich genau der Comic, den Fans des ersten Bandes sich erhofft haben: laut, bunt, verrückt und völlig hemmungslos. Leah Williams und Haining liefern hier keine klassische Superheldengeschichte ab, sondern ein energiegeladenes Abenteuer, das vor allem von seinen Figuren, seinem Humor und seiner einzigartigen Atmosphäre lebt.
Wer Lust auf eine unkonventionelle DC-Geschichte mit viel Humor, starker Figurenchemie und einer gehörigen Portion Sci-Fi-Wahnsinn hat, bekommt hier einen äußerst unterhaltsamen Band serviert. Und Fans der Gotham Sirens dürften an diesem kosmischen Disco-Trip ohnehin ihren Spaß haben.
Zu erwerben gibt es Gotham City Sirens: Disco aus dem All für 17,00 Euro (beziehungsweise 12,99 Euro als E-Book) bei Amazon, im Buchhandel oder direkt bei Panini Comics.
© 2026 Panini Verlags GmbH
|