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Manchmal passt es einfach, wenn zwei Bücher kurz hintereinander erscheinen beziehungsweise gelesen werden. Vor wenigen Monaten haben wir uns bei SplashGames im Rahmen dieses Specials bereits mit Christine Thürmers Hiking Asia beschäftigt und die Autorin auf ihren Touren durch Japan, Südkorea und Taiwan begleitet. Nun geht es nicht ganz so weit weg, denn mit Wandern. Radeln. Paddeln. – 12.000 Kilometer Abenteuer in Europa führt uns Thürmer durch Europa. Wobei „nicht ganz so weit weg“ bei einer Reise von Deutschland bis nach Finnland und Spanien durchaus relativ ist.
Was beide Bücher miteinander verbindet, ist natürlich vor allem ihre Autorin. Christine Thürmer hat ihren früheren Büroalltag längst gegen ein Leben eingetauscht, in dem Bewegung zum festen Bestandteil des Tages geworden ist. Und während Hiking Asia den Blick nach Osten richtet, zeigt Wandern. Radeln. Paddeln., wie abwechslungsreich sich auch der europäische Kontinent auf diese Weise erkunden lässt. Die jetzt neu aufgelegte Taschenbuchausgabe des ursprünglich 2018 erschienenen Buches bietet dabei gleich drei sehr unterschiedliche Reisen – und damit auch drei vollkommen unterschiedliche Arten, unterwegs zu sein.
Drei Wege, Europa zu entdecken Der Titel verrät bereits das Grundprinzip des Buches. Die erfahrene Langstreckenwanderin beschränkt sich hier nämlich nicht auf eine einzige Fortbewegungsart, sondern wechselt zwischen Wanderschuhen, Fahrrad und Kajak. Die erste Reise führt sie zu Fuß von Koblenz am Rhein bis nach Tarifa im Süden Spaniens. Anschließend steigt sie aufs Fahrrad und folgt der Ostseeküste von Berlin über Polen und das Baltikum bis nach Finnland. Zum Abschluss geht es schließlich mit dem Kajak durch Schweden.
Zusammengenommen kommen dabei rund 12.000 Kilometer zusammen. Schon diese Kombination macht den Bericht, der Thürmers Abenteuer zwischen dem 25. August 2013 und dem 20. Oktober 2014 zusammenfasst, interessant. Denn obwohl alle drei Unternehmungen unter dem Oberbegriff „Outdoor-Abenteuer“ zusammengefasst werden können, fühlt sich jede davon anders an. Zu Fuß wird die Strecke zum eigentlichen Reiseinhalt. Mit dem Fahrrad verändert sich das Verhältnis zwischen zurückgelegter Entfernung und dem, was man unterwegs wahrnimmt. Und auf dem Wasser muss sich Thürmer wiederum auf eine ganz andere Umgebung einstellen.
Dadurch entsteht kein Reisebericht, bei dem sich über mehrere hundert Seiten immer wieder dieselbe Grundidee wiederholt. Vielmehr bekommt jedes Kapitel seinen eigenen Charakter.
Der Weg ist das eigentliche Ziel Besonders spannend ist dabei, wie Thürmer das Reisen selbst beschreibt. Es geht nicht darum, möglichst schnell ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Vielmehr verändert sich der Blick auf die Umgebung, wenn man sie Schritt für Schritt oder Tritt für Tritt durchquert.
Das merkt man vor allem an den vielen kleinen Situationen, die Thürmer unterwegs erlebt. Ein großer Teil des Reizes entsteht nämlich nicht durch spektakuläre Landschaften oder außergewöhnliche Ereignisse, sondern dadurch, wie sie ihren Reisealltag beobachtet. Wo kann man schlafen? Wie organisiert man die nächste Etappe? Was passiert, wenn etwas nicht so funktioniert wie geplant? Und welche Rolle spielen eigentlich die Menschen, denen man unterwegs begegnet?
Diese Art der Berichterstattung kennen wir schon aus Hiking Asia, und sie sorgt auch diesmal wieder dafür, dass sich das Buch angenehm von einem klassischen Reiseführer unterscheidet. Wie bei ihrem Abenteuer in Asien möchte uns Thürmer auch hier nicht einfach erklären, welche Sehenswürdigkeit an welchem Ort wartet. Sie erzählt vielmehr davon, wie es sich anfühlt, einen großen Teil des Lebens tatsächlich unterwegs zu verbringen.
Wanderschuhe, Fahrrad und Kajak Die drei Reiseabschnitte profitieren dabei von ihren unterschiedlichen Voraussetzungen. Die Wanderung von Koblenz nach Tarifa ist die wohl ursprünglichste Form des Reisens. Alles, was man benötigt, muss schließlich irgendwie mitgetragen werden. Jeder zusätzliche Gegenstand macht sich irgendwann bemerkbar – und jeder Kilometer muss aus eigener Kraft bewältigt werden. Und auch wenn das Abenteuer, von dem sie hier erzählt, schon ein paar Jahre her ist, hatte Thürmer natürlich auch damals schon viel Wandererfahrung, weshalb sie genau weiß, wie sie zu Fuß vorzugehen hat.
Zum Zeitpunkt der Fahrradreise hatte sie mit dem Rad dagegen noch deutlich weniger Erfahrung. Gleichzeitig verschiebt sich auf zwei Rädern natürlich auch das Verhältnis zur zurückgelegten Strecke. Als leidenschaftlicher Rennradfahrer war genau dieser Abschnitt für mich persönlich besonders interessant. Natürlich ist eine mehrere Tausend Kilometer lange Radreise entlang der Ostsee mit einer normalen Rennradrunde von rund 100 Kilometern kaum zu vergleichen. Trotzdem kennt man dieses besondere Gefühl, Landschaft nicht einfach an sich vorbeiziehen zu sehen, sondern sie Kilometer für Kilometer selbst zu erfahren.
Thürmers Reise von Berlin durch Polen und das Baltikum bis nach Finnland zeigt sehr schön, welche Möglichkeiten das Fahrrad als Reisemittel bietet. Man legt deutlich größere Entfernungen zurück als zu Fuß, bleibt aber trotzdem unmittelbar mit seiner Umgebung verbunden. Städte, Landschaften und Länder werden nicht einfach nacheinander abgehakt – sie ziehen sich als Teil einer fortlaufenden Reise durch die Geschichte.
Und dann ist da noch das Kajak. Die Reise durch Schweden bringt eine zusätzliche Perspektive ins Buch, denn plötzlich wird die Landschaft nicht mehr hauptsächlich über Straßen und Wege erfahren. Wasserwege bestimmen die Route und stellen Thürmer vor andere Herausforderungen.
Nicht alles läuft nach Plan Dabei macht Thürmer erfreulicherweise keinen Hehl daraus, dass auch eine solche Reise nicht ausschließlich aus schönen Momenten besteht. Genau wie in Hiking Asia berichtet sie auch hier über Müdigkeit, schlechtes Wetter, organisatorische Probleme oder Situationen, die man sich im Vorfeld ganz anders vorgestellt hat – schließlich gehört auch all das zu einer solchen Reise dazu.
Gerade diese Momente machen die Erzählungen aber eben auch so glaubwürdig. Thürmer präsentiert sich nicht als unfehlbare Outdoor-Heldin, die jede Herausforderung mit einem Schulterzucken bewältigt. Stattdessen bleibt sie als Erzählerin nahbar und nimmt auch die weniger glamourösen Seiten ihres Lebens unterwegs mit auf.
Das gelingt vor allem deshalb so gut, weil sie sich selbst nicht übermäßig ernst nimmt. Ihr Erzählstil ist locker, direkt und immer wieder von einer angenehmen Portion Selbstironie geprägt. Selbst längere oder körperlich anstrengende Abschnitte wirken dadurch nicht wie ein trockener Reisebericht.
Begegnungen statt Reiseführerwissen Eine weitere Stärke des Buches sind die Menschen, denen Thürmer auf ihren Touren begegnet. Wer über Monate unterwegs ist, erlebt schließlich nicht nur Landschaften, sondern trifft zwangsläufig auf unterschiedlichste Menschen und Lebensweisen.
Diese Begegnungen geben den einzelnen Etappen zusätzliche Farbe. Sie zeigen gleichzeitig, dass eine lange Reise nicht nur aus der eigenen körperlichen Leistung besteht. Andere Menschen können helfen, überraschen, irritieren oder einfach dafür sorgen, dass aus einem bestimmten Ort eine Erinnerung wird.
Thürmer beobachtet dabei aufmerksam, ohne aus jeder Begegnung gleich eine große Lebensweisheit machen zu müssen. Genau das hält den Erzählfluss angenehm locker.
Was braucht man eigentlich zum Leben? Neben den eigentlichen Reisen schwingt aber auch immer wieder eine zweite Ebene mit. Denn Thürmers Lebensweise wirft zwangsläufig die Frage auf, wie viel Besitz, Komfort und Planung man tatsächlich benötigt.
Dabei versucht sie allerdings nicht, dem Leser ihren Lebensstil als einzig richtige Lösung zu verkaufen. Das Buch funktioniert vielmehr als Einladung, die eigenen Gewohnheiten einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wer täglich nur mit überschaubarem Gepäck unterwegs ist, setzt zwangsläufig andere Prioritäten als jemand, der ein ganzes Haus zur Verfügung hat.
Gerade dadurch bekommt Wandern. Radeln. Paddeln. aber auch mehr Tiefe, ohne zu einem philosophischen Ratgeber zu werden. Die Gedanken entstehen aus den Erlebnissen heraus und wirken deshalb deutlich natürlicher, als wenn Thürmer ihre Reisen lediglich als Anlass für Lebensweisheiten verwenden würde.
Ein anderer Blick auf Europa Interessant ist außerdem, dass Thürmer für ihre Abenteuer nicht auf exotische Kontinente angewiesen ist. Deutschland, Frankreich, Spanien, Polen, das Baltikum, Finnland und Schweden reichen völlig aus, um eine enorme Bandbreite an Landschaften und Reiseerfahrungen zusammenzubringen.
Das Buch zeigt Europa dabei aus einer Perspektive, die man als normaler Urlauber nur selten erlebt. Wer mit dem Flugzeug nach Spanien fliegt oder mit dem Auto durch Polen fährt, nimmt einen Ort zwangsläufig anders wahr als jemand, der ihn über Wochen hinweg aus eigener Kraft durchquert.
Genau daraus zieht der Reisebericht einen großen Teil seiner Faszination. Bekannte Länder wirken plötzlich weniger selbstverständlich, weil Thürmer sie nicht als einzelne Urlaubsziele betrachtet, sondern als Stationen einer langen Reise.
Nach „Hiking Asia“ eine Reise durch Europa Für uns ist Wandern. Radeln. Paddeln. nach Hiking Asia bereits die zweite Begegnung mit Christine Thürmer innerhalb kurzer Zeit. Dabei ergänzen sich beide Bücher erstaunlich gut.
Während Hiking Asia vor allem durch die kulturellen Unterschiede und die Begegnungen in Japan, Südkorea und Taiwan geprägt ist, konzentriert sich Wandern. Radeln. Paddeln. stärker auf die verschiedenen Formen des Unterwegsseins. Gerade die Kombination aus drei Fortbewegungsarten sorgt dafür, dass Thürmer ihre Reisen immer wieder aus einer anderen Perspektive erlebt.
Wer Hiking Asia bereits gelesen hat, wird außerdem schnell wieder mit Thürmers angenehm unkomplizierter Art vertraut sein. Wer die Autorin dagegen noch nicht kennt, bekommt mit diesem Buch einen sehr guten Einblick in ihre ungewöhnliche Art, Reisen und Unterwegssein zu erleben.
Fazit: Wandern. Radeln. Paddeln. – 12.000 Kilometer Abenteuer in Europa ist kein klassischer Reiseführer, sondern ein abwechslungsreicher und sehr persönlicher Reisebericht. Christine Thürmer nimmt uns auf drei völlig unterschiedliche Touren mit und zeigt dabei, wie verschieden sich das Unterwegssein zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Kajak anfühlen kann. Ihre lockere, selbstironische Erzählweise macht selbst die anstrengenderen Etappen unterhaltsam und sorgt dafür, dass die 12.000 Kilometer nie wie eine bloße Aneinanderreihung von Reisedaten wirken.
Nach Hiking Asia ist Wandern. Radeln. Paddeln. damit eine ebenso unterhaltsame wie inspirierende zweite Begegnung mit Christine Thürmer und eine klare Empfehlung für alle, die gerne Reiseberichte lesen und selbst ein wenig Fernweh verspüren.
Zu erwerben gibt es Wandern. Radeln. Paddeln. – 12.000 Kilometer Abenteuer in Europa für 14,00 Euro (bzw. 13,99 Euro als E-Book) bei Amazon, im Buchhandel sowie direkt beim herausgebenden Malik Verlag.
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