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Stromausfall: Free Ride
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/rideManchmal führt eine persönliche Krise nicht dazu, dass man sich zurückzieht, sondern dazu, dass man alles hinter sich lässt und einfach losfährt. Genau das passiert bei der Niederländerin Noraly Schoenmaker. Aus einer schwierigen Phase in ihrem Leben entsteht eine Reise, die sie nicht nur quer durch zahlreiche Länder führt, sondern letztlich auch ihr weiteres Leben verändert. Vielen dürfte Schoenmaker vor allem unter ihrem Namen Itchy Boots bekannt sein. Auf ihrem YouTube-Kanal dokumentiert sie seit Jahren ihre Motorradreisen und hat damit eine riesige Fangemeinde erreicht.

In Free Ride – 36.000 Kilometer mit dem Motorrad auf dem Weg zu mir selbst blickt sie nun auf den Beginn dieser außergewöhnlichen Geschichte zurück. Die deutsche Ausgabe ist Ende Juli 2026 bei Goldmann erschienen und erzählt von neun Monaten, 25 Ländern und rund 36.000 Kilometern auf dem Motorrad. Dabei geht es allerdings nicht allein um die zurückgelegte Strecke. Vielmehr beschreibt Schoenmaker, wie aus einer zunächst eher spontanen Idee ein völlig neuer Lebensabschnitt entsteht.

Von der Geologin zur Motorradreisenden
Zu Beginn steht eine Frau, deren Leben eigentlich einen ganz anderen Verlauf genommen hatte. Schoenmaker war als Geologin tätig, bevor eine persönliche Krise sie dazu brachte, ihre bisherigen Pläne zu hinterfragen. Statt sich möglichst schnell wieder in einen geregelten Alltag einzufinden, entscheidet sie sich für einen radikalen Neustart.

Dafür geht es zunächst nach Indien. Dort sammelt sie erste Erfahrungen auf dem Motorrad und entwickelt zunehmend Gefallen daran, die Welt auf diese Weise zu erkunden. Wenig später kommt mit einer Royal Enfield Himalayan auch das Motorrad hinzu, das fortan einen wichtigen Platz in ihrer Geschichte einnimmt: Basanti.

Was folgt, ist eine Reise, die mit einer gewissen Unbedarftheit beginnt. Schoenmaker ist schließlich keine erfahrene Weltenbummlerin, die bereits unzählige Expeditionen hinter sich hat. Viele Dinge muss sie unterwegs erst lernen. Genau daraus bezieht Free Ride aber einen großen Teil seines Reizes. Es ist einfach interessant mitzuerleben, wie sie langsam sicherer wird und sich immer besser auf unvorhersehbare Situationen einzustellen weiß.

Abenteuer abseits der Komfortzone
Die Reise führt Schoenmaker durch völlig unterschiedliche Regionen und stellt sie immer wieder vor neue Herausforderungen. Hitze, schwierige Straßen, ungewohnte Verkehrsverhältnisse und technische Probleme gehören ebenso dazu wie die beeindruckenden Landschaften, die sie unterwegs durchquert.

Besonders interessant ist dabei, dass die Reise nicht ausschließlich aus spektakulären Momenten besteht. Es gibt Situationen, in denen nichts nach Plan läuft, und Augenblicke, in denen Schoenmaker selbst nicht genau weiß, wie es weitergehen soll. Gerade diese Passagen lassen die Reise glaubwürdig wirken. Hinter den beeindruckenden Bildern, die man von Itchy Boots kennt, steckt schließlich nicht nur Abenteuerlust, sondern auch eine Menge Improvisation.

Das Motorrad wird dabei beinahe zu einem eigenen Charakter. Basanti ist nicht einfach ein Fortbewegungsmittel, sondern ein wichtiger Bestandteil des gesamten Abenteuers. Wenn etwas mit der Maschine nicht funktioniert, steht damit nicht nur ein technisches Problem im Raum – plötzlich kann die komplette Weiterreise infrage stehen.

Die Reise zu sich selbst
Der interessanteste Teil von Free Ride liegt jedoch nicht auf der Straße. Schoenmaker nutzt ihre Reise auch dazu, ihre eigene Vergangenheit und die Gründe für ihren radikalen Neuanfang zu reflektieren.

Dabei entsteht kein klassischer Selbstfindungsratgeber. Die Autorin gibt vielmehr Einblicke in ihre Gedanken und zeigt, wie sich ihre Einstellung während der Reise verändert. Aus der anfänglichen Unsicherheit entwickelt sich nach und nach ein größeres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Jeder neue Abschnitt bringt andere Herausforderungen mit sich und zwingt sie dazu, Entscheidungen selbst zu treffen.

Gerade weil Schoenmaker ihre Unsicherheiten nicht verschweigt, funktioniert diese Entwicklung sehr überzeugend. Sie präsentiert sich nicht als unerschrockene Abenteurerin, der nichts etwas anhaben kann. Angst, Zweifel und Überforderung gehören genauso zu ihrer Geschichte wie die Freude am Unterwegssein.

Dadurch bekommt der Titel Free Ride eine zusätzliche Bedeutung. Es geht nicht nur um die Freiheit, auf einem Motorrad ohne festgelegtes Ziel unterwegs zu sein. Es geht auch darum, sich von Vorstellungen zu lösen, wie das eigene Leben eigentlich aussehen sollte. Damit erinnert das Buch ein wenig an die Werke der Weitwanderin Christine Thürmer, die wir bei SplashGames bereits vorgestellt haben. Auch dort steht nicht allein die Reise im Mittelpunkt, sondern die persönliche Entwicklung und die Frage, was das Unterwegssein mit einem selbst macht.

Fremde Länder, bekannte Menschlichkeit
Neben der persönlichen Entwicklung sind natürlich die vielen Länder und Kulturen ein wichtiger Bestandteil des Buches. Schoenmaker bewegt sich durch Regionen, die für viele Leserinnen und Leser vermutlich ebenso fremd sind wie für sie selbst zu Beginn ihrer Reise.

Dabei sind es nicht nur die Landschaften, die in Erinnerung bleiben. Einen besonders wichtigen Platz nehmen die Menschen ein, denen Schoenmaker unterwegs begegnet. Immer wieder ist sie auf Unterstützung angewiesen und erlebt, dass Fremde bereit sind, ihr weiterzuhelfen. Gerade weil sie allein unterwegs ist, sind es oft diese Begegnungen, die ihr besonders lange im Gedächtnis bleiben.

Das Buch zeigt damit auch eine Seite des Reisens, die in spektakulären Reisevideos leicht untergehen kann: Man kann noch so gut vorbereitet sein – irgendwann ist man auf andere Menschen angewiesen. Und häufig sind es gerade diese ungeplanten Begegnungen, die eine Reise besonders nachhaltig prägen.

Mehr als die schriftliche Version von Itchy Boots
Für Fans des YouTube-Kanals stellt sich natürlich die Frage, welchen Mehrwert ein Buch über eine Reise bietet, deren wichtigste Stationen bereits auf Video festgehalten wurden. Tatsächlich lohnt sich aber auch für Fans der Videos der Blick ins Buch, denn Schoenmaker kann hier deutlich stärker auf ihre Gedanken, Zweifel und persönlichen Erlebnisse eingehen.

Natürlich überschneiden sich die grundlegenden Ereignisse mit dem, was viele Zuschauer bereits kennen. Das Buch bietet jedoch die Möglichkeit, stärker hinter die Kulissen zu schauen. Gedanken, Zweifel und Erlebnisse lassen sich auf Papier einfach ausführlicher darstellen als in einem einzelnen Video. Dadurch bekommt man einen anderen Zugang zu Schoenmaker und ihren Entscheidungen.

Gleichzeitig dürfte gerade für Neueinsteiger der Einstieg problemlos funktionieren. Man muss weder den YouTube-Kanal kennen noch sich besonders gut mit Motorrädern auskennen, um der Geschichte folgen zu können. Zwar spielen technische Details und das Motorradfahren eine wichtige Rolle, im Mittelpunkt steht aber stets die Person auf der Maschine.

Fernweh zwischen zwei Buchdeckeln
Aber auch als klassischer Reisebericht funktioniert Free Ride gut. Schoenmaker beschreibt ihre Erlebnisse nämlich sehr anschaulich, ohne daraus einen Reiseführer zu machen. Es geht nicht darum, möglichst viele Informationen über die einzelnen Länder zu vermitteln. Entscheidend ist vielmehr, wie sie diese Orte selbst erlebt.

Die deutsche Ausgabe wird zudem durch einen 16-seitigen Bildteil ergänzt, der einige visuelle Eindrücke der Reise liefert. Das passt gut zum Buch, denn Schoenmakers Geschichte ist natürlich eng mit den Bildern verbunden, die sie während ihrer Reisen produziert.

Wer allerdings ausschließlich eine möglichst tiefgehende Auseinandersetzung mit den bereisten Ländern und ihren Kulturen erwartet, könnte etwas enttäuscht sein. Dafür bleibt die Perspektive sehr konsequent bei Schoenmaker und ihren persönlichen Erlebnissen. Genau das macht Free Ride letztlich eher zu einer Reiseerzählung als zu einem klassischen Länderbericht.

Fazit:
Free Ride – 36.000 Kilometer mit dem Motorrad auf dem Weg zu mir selbst erzählt von einer außergewöhnlichen Motorradreise, ist aber gleichzeitig die Geschichte eines persönlichen Neuanfangs. Noraly Schoenmaker verbindet Abenteuer, Selbstzweifel und zahlreiche Begegnungen zu einem Reisebericht, der auch abseits des Motorrads interessant bleibt.

Fans von Itchy Boots erhalten einen persönlichen Blick auf die Anfänge ihrer Reiseleidenschaft, während Neueinsteiger eine unterhaltsame Geschichte über Mut, Veränderung und die Lust am Aufbruch bekommen. Kleinere Längen gibt es zwar, insgesamt ist Free Ride aber eine gelungene Einladung, den eigenen Horizont gelegentlich etwas weiter zu stecken.

Zu erwerben gibt es Free Ride – 36.000 Kilometer mit dem Motorrad auf dem Weg zu mir selbst für 18,00 Euro (bzw. 15,99 Euro als E-Book) bei Amazon, im Buchhandel sowie direkt beim herausgebenden Goldmann Verlag.

© 2026 Goldmann Verlag

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Special vom: 21.08.2026
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
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