|

Ellie Lawson hat sich ihr Leben in New York eigentlich ziemlich genau so eingerichtet, wie sie es sich vorgestellt hat. Als Eventplanerin arbeitet sie erfolgreich in einer großen Agentur und auch privat scheint alles an seinem Platz zu sein. Bis innerhalb kürzester Zeit nichts mehr davon übrig ist: Ihr Freund trennt sich von ihr und auch beruflich steht sie plötzlich vor dem Aus.
So bleibt Ellie zunächst nur die Rückkehr zu ihren Eltern nach Long Island. Diese betreiben das Honeycrisp B&B auf einem Apfelhof – einen Ort, den Ellie nach ihrem Weggang eigentlich hinter sich lassen wollte. Viel länger als unbedingt nötig möchte sie dort allerdings nicht bleiben. Schließlich soll es nur eine Zwischenstation sein, bis sie wieder einen Job gefunden und ihr Leben in Manhattan zurückgewonnen hat.
Doch dann begegnet sie Aiden, einem früheren Freund aus ihrer Kindheit. Und weil auch er gerade nicht in seinem eigenen Zuhause wohnen kann, müssen die beiden zunächst miteinander auskommen. Als anschließend auch noch die Organisation des örtlichen Harvest Festivals auf ihren Schultern landet, ist das Wiedersehen endgültig nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
Valerie Bowman nutzt diese Ausgangslage für eine romantische Geschichte, die neben der Beziehung ihrer beiden Hauptfiguren auch Ellies Vorstellungen von Erfolg und einem gelungenen Leben hinterfragt. Das Honeycrisp B&B ist dabei der Auftakt der Harvest-Hollow-Reihe, die in den nächsten Monaten fortgeführt wird.
Eine Autorin mit Romance im Blut Valerie Bowman kennt das Genre, in dem sie sich bewegt, nicht nur aus beruflicher Sicht. Sie wuchs in Illinois mit sechs Schwestern auf und war damit das siebte Kind der Familie. Schon während ihrer Kindheit gehörte dabei eine umfangreiche Sammlung von Liebesromanen zum Haushalt. Ihr eigener erster Roman erschien 2012.
Seitdem hat Bowman sowohl historische als auch zeitgenössische Liebesgeschichten veröffentlicht. Heute lebt sie mit ihrer Familie und ihren beiden Mini-Schnauzern Huckleberry und Violet in Jacksonville. Wenn sie nicht schreibt, liest sie, reist oder widmet sich mit Begeisterung unterschiedlichen Reality-TV-Formaten.
Die Erfahrung mit romantischen Geschichten merkt man Das Honeycrisp B&B auch durchaus an. Bowman weiß, welche Zutaten eine unterhaltsame RomCom braucht, und setzt sie ohne große Umschweife ein.
Zwei Menschen, zwei Vorstellungen Ellie bringt aus New York natürlich viel Erfahrung in der Veranstaltungsplanung mit und entwickelt deshalb schnell Ideen, wie das Harvest Festival größer und erfolgreicher werden könnte. Aiden steht ihren Vorschlägen allerdings zunächst skeptisch gegenüber. Für ihn haben die gewachsenen Traditionen des Ortes einen Wert, den Ellie in ihrem anfänglichen Eifer nur schwer nachvollziehen kann.
Daraus entstehen immer wieder Reibereien, die Bowman für humorvolle Situationen nutzt. Gleichzeitig sind Ellies Ideen nicht grundsätzlich falsch, ebenso wenig wie Aidens Wunsch, Bewährtes zu erhalten. Beide müssen deshalb lernen, die Perspektive des jeweils anderen ernst zu nehmen.
Für Ellie wird die Arbeit am Festival dabei zunehmend zu einer Art unfreiwilliger Bestandsaufnahme. Sie hat in New York viel Energie in ihre Karriere gesteckt. Nun muss sie sich aber fragen, ob sie dieses Leben tatsächlich vermisst – oder ob sie lediglich davon überzeugt war, es vermissen zu müssen.
Je länger sie in Harvest Hollow bleibt, desto schwerer fällt es ihr jedenfalls, die Rückkehr zu ihren Eltern als bloßen Zwischenstopp abzutun.
Alte Freundschaft, neue Gefühle Natürlich entwickelt sich zwischen Ellie und Aiden nicht nur eine berufliche Zusammenarbeit. Schließlich kennen sich beide bereits seit ihrer Jugend und haben sich nach Ellies Weggang aus den Augen verloren. Doch jetzt müssen sie sich zwangsläufig wieder miteinander auseinandersetzen.
Dabei funktioniert vor allem ihr Zusammenspiel gut. Ellie ist energisch, spontan und will die Dinge gerne selbst in die Hand nehmen, während Aiden wesentlich ruhiger und bedachter vorgeht. Ihre unterschiedlichen Herangehensweisen sorgen für Wortgefechte, aber auch für eine Dynamik, die die Liebesgeschichte trägt.
Bowman setzt dabei auf bekannte Romance-Elemente: eine gemeinsame Vergangenheit, unfreiwillige Nähe und zwei Menschen, die zunächst nicht so recht wissen, wohin ihre erneute Bekanntschaft führen soll. Wer viele Liebesromane liest, wird deshalb einige Entwicklungen früh vorhersehen können.
Das ist allerdings weniger problematisch, als es zunächst klingt. Das Honeycrisp B&B lebt nämlich nicht von großen Überraschungen, sondern davon, Ellie und Aiden bei ihrer erneuten Annäherung zuzusehen.
Zwischen Apfelhof und Großstadt Der Schauplatz spielt für die Geschichte dabei eine wichtige Rolle. Das B&B, der Apfelhof und die Vorbereitungen auf das Harvest Festival stehen nämlich in deutlichem Kontrast zu Ellies bisherigem Alltag in New York.
Dabei nutzt Bowman die Umgebung nicht nur als hübsche Kulisse. Harvest Hollow wird für Ellie zunehmend zu einem Ort, an dem sie wieder stärker mit ihrer Familie und ihrer Vergangenheit in Berührung kommt. Dinge, die sie früher als selbstverständlich betrachtet oder vielleicht sogar als Einschränkung empfunden hat, erscheinen ihr nun aus einem anderen Blickwinkel.
Wer die typischen Hallmark-Romanzen kennt, wird dabei gewisse Parallelen erkennen. Eine Frau aus der Großstadt kehrt widerwillig in ihre Heimat zurück, ein altes Liebesinteresse taucht wieder auf und ein gemeinsames Projekt bringt beide immer wieder zusammen. Auch das ländliche Umfeld und das große Herbstfest passen hervorragend in dieses Muster.
Bowman nutzt diese vertrauten Elemente jedoch nicht einfach als Selbstzweck, sondern verbindet sie mit Ellies persönlicher Entwicklung. Die romantischen Elemente dürfen hier durchaus etwas stärker ausfallen, und auch Ellies persönliche Situation bekommt mehr Raum, als es eine reine Wohlfühlkomödie benötigen würde.
Eine Hauptfigur mit Ecken und Kanten Ellie ist dabei nicht unbedingt eine Figur, die man von der ersten Seite an uneingeschränkt sympathisch finden muss. Ihr Ehrgeiz und ihr Selbstvertrauen sind grundsätzlich positive Eigenschaften, doch gerade zu Beginn ist sie sehr auf ihre eigenen Vorstellungen fixiert.
Das führt dazu, dass sie gelegentlich Entscheidungen trifft, bei denen man sich als Leser durchaus fragt, ob sie nicht etwas mehr Rücksicht auf andere nehmen könnte. Gleichzeitig ist genau das für ihre Entwicklung wichtig. Sie muss nämlich nicht einfach nur herausfinden, ob Aiden der richtige Mann für sie ist. Viel entscheidender ist die Frage, welche Art von Leben sie selbst eigentlich führen möchte.
Aiden bildet dazu einen passenden Kontrast. Er ist stärker mit seiner Heimat verbunden und geht viele Dinge ruhiger an. Dabei bleibt er aber mehr als nur der romantische Gegenpol zu Ellie. Auch seine Vorstellungen davon, was ein erfülltes Leben ausmacht, tragen zum zentralen Thema des Romans bei.
Fazit: Das Honeycrisp B&B ist eine charmante RomCom über einen unerwarteten Neuanfang und die Erkenntnis, dass ein erfolgreich wirkendes Leben nicht automatisch das richtige sein muss. Ellie und Aiden sorgen mit ihren unterschiedlichen Charakteren für unterhaltsame Momente, auch wenn ihre Geschichte nur wenige Überraschungen bereithält.
Mit Apfelhof, Herbststimmung und einem Hauch Hallmark-Flair ist der Auftakt der Harvest-Hollow-Reihe damit vor allem eines: eine unkomplizierte RomCom für gemütliche Lesestunden.
Zu erwerben gibt es Das Honeycrisp B&B für 14,00 Euro (bzw. 11,99 Euro als E-Book) bei Amazon, im Buchhandel sowie direkt beim herausgebenden Penguin Verlag.
© 2026 Penguin Verlag
|