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Stromausfall: Beneath the Trees – Wo niemand dich sieht – Band 01
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/TreesNiedliche Tierfiguren, eine idyllische Kleinstadt und eine Serienmörderin als Hauptfigur: Patrick Horvath verbindet in Beneath the Trees – Wo niemand dich sieht Krimi, Horror und schwarzen Humor zu einem ungewöhnlichen Comic-Erlebnis.

Eine Kleinstadt mit Geheimnissen
Woodbrook ist eine beschauliche Kleinstadt, in der jeder jeden kennt. Die Bewohner gehen ihren täglichen Beschäftigungen nach und genießen ihr ruhiges Leben. Eine von ihnen ist Samantha Strong. Die Braunbärin betreibt einen Eisenwarenladen und ist ein angesehenes Mitglied der Gemeinde.

Allerdings hat Sam ein Geheimnis, das ihre Nachbarn besser nicht erfahren sollten: Sie ist eine Serienmörderin. Sam hat ihr mörderisches Doppelleben erstaunlich gut organisiert. Ihre Opfer sucht sie außerhalb von Woodbrook, während die eigene Heimatstadt für sie tabu ist. So kann sie ihren Alltag als freundliche Ladenbesitzerin und ihre mörderischen Aktivitäten voneinander trennen.

Das funktioniert, bis eines Tages ein Bewohner Woodbrooks ermordet wird. Plötzlich gerät Sams sorgfältig geordnete Welt aus den Fugen. Denn wenn die Polizei genauer hinsieht, könnte nicht nur der unbekannte Täter Probleme bekommen, sondern auch Sam selbst. Also beginnt sie, auf eigene Faust nach dem Mörder zu suchen.

Niedliche Optik, düstere Geschichte
Der größte Reiz von Beneath the Trees liegt im Kontrast zwischen Inhalt und Gestaltung. Patrick Horvath erzählt seine Geschichte mit anthropomorphen Tieren und einer warmen, beinahe gemütlichen Bildsprache. Woodbrook wirkt freundlich und einladend, die Bewohner könnten teilweise direkt aus einem liebevoll gestalteten Bilderbuch für Kinder stammen.

Die Geschichte dahinter ist allerdings alles andere als harmlos. Mord, Gewalt und eine Serienkillerin als Hauptfigur passen zunächst überhaupt nicht zu dieser Optik. Gerade dieser Gegensatz macht aber den besonderen Reiz des Comics aus. Die freundliche Gestaltung macht die düsteren Momente nicht weniger brutal, sondern teilweise sogar verstörender. Wenn die beinahe kindliche Idylle plötzlich durch einen Mord durchbrochen wird, fällt der Gegensatz nämlich besonders stark auf.

Dabei muss Horvath nicht permanent auf drastische Bilder setzen. Vieles funktioniert bereits durch die Atmosphäre und die Tatsache, dass die Bewohner von Woodbrook ihr ganz normales Leben weiterführen, während sich im Hintergrund etwas Unheilvolles entwickelt.

Die niedliche Aufmachung sollte deshalb keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass sich der Comic eindeutig an ein erwachsenes Publikum richtet. Die deutsche Ausgabe ist entsprechend ab 16 Jahren freigegeben.

Samantha Strong – Serienmörderin mit Prinzipien
Besonders interessant ist Samantha Strong selbst. Sie ist keine klassische Heldin und auch keine Antiheldin, deren Handlungen sich irgendwie moralisch rechtfertigen lassen. Sam tötet Menschen, weil sie diesen Drang verspürt, und hat damit erstaunlich wenig Probleme. Wer jetzt unweigerlich an Dexter Morgan denkt, liegt allerdings nicht völlig falsch. Auch Sam führt ein sorgfältig verborgenes Doppelleben und hat sich für ihre Morde eigene Regeln auferlegt. Der entscheidende Unterschied: Während Dexter seine Taten zumindest teilweise durch seinen persönlichen Kodex rechtfertigt, geht Sam deutlich unbefangener mit ihrem mörderischen Hobby um.

Gerade dadurch wird sie zu einer faszinierenden Figur. Horvath versucht nicht, sie sympathischer erscheinen zu lassen, als sie ist. Stattdessen zeigt er, wie selbstverständlich Sam ihre beiden Leben voneinander trennt. Tagsüber kümmert sie sich um ihren Laden und ihre Nachbarn, außerhalb Woodbrooks geht sie ihrer tödlichen Leidenschaft nach.

Als plötzlich jemand in ihrer eigenen Stadt mordet, ist Sam deshalb weniger aus Mitgefühl als wegen der Störung ihrer persönlichen Ordnung alarmiert. Diese ungewöhnliche Perspektive macht den Kriminalfall besonders interessant.

Schwarzer Humor trifft Krimi
Trotz der düsteren Thematik ist Beneath the Trees keineswegs durchgehend bedrückend. Horvath nutzt immer wieder schwarzen Humor, der vor allem aus Sams Verhalten und den absurden Situationen entsteht.

Die Geschichte wird dadurch aber nicht zur Parodie. Die Morde bleiben ernst und teilweise verstörend, während der Humor eher beiläufig aus den Situationen entsteht. Gleichzeitig verfolgt Sheriff Patterson die Ereignisse auf herkömmliche Weise und versucht, herauszufinden, wer hinter den Morden steckt.

So laufen gewissermaßen zwei Ermittlungen parallel: Die Polizei sucht den Täter, während Sam versucht, ihm ebenfalls auf die Spur zu kommen – und gleichzeitig unbedingt verhindern muss, dass jemand ihr eigenes Geheimnis entdeckt.

Horvath nimmt sich dabei ausreichend Zeit, Woodbrook und seine Bewohner vorzustellen. Das ist wichtig, denn die kleine Gemeinde ist mehr als nur irgendein Schauplatz. Denn je vertrauter man mit dem Ort wird, desto stärker wirkt die Bedrohung, die sich langsam in ihn hineinschleicht.

Patrick Horvath – zwischen Film und Comic
Das Patrick Horvath eine solch außergewöhnliche Geschichte erfunden hat, ist dabei keinesfalls Zufall. Horvath bringt neben seiner Arbeit als Comiczeichner nämlich auch Erfahrung aus dem Horrorfilm mit. Der US-Amerikaner war als Autor, Regisseur und Produzent unter anderem an Entrance, The Pact 2 und Southbound beteiligt. Mit Beneath the Trees – Wo niemand dich sieht gab er sein Debüt als Autor und Zeichner einer Graphic Novel. Seine Erfahrungen aus dem Film kommen dem Comic durchaus zugute: Horvath versteht es nämlich, mit Atmosphäre und Bildsprache zu spielen und die freundliche Oberfläche von Woodbrook immer wieder ins Unheimliche kippen zu lassen.

Stimmige Zeichnungen und Atmosphäre
Dabei agierte Patrick Horvath bei Beneath the Trees nicht nur als Autor, sondern auch als Zeichner und Kolorist. Dadurch wirken Geschichte und Gestaltung noch einmal runder. Besonders die Farbgebung trägt meiner Meinung nach viel zur Atmosphäre bei: Die freundliche Grundstimmung steht immer wieder im Gegensatz zu den Ereignissen und sorgt dafür, dass selbst ruhige Szenen eine gewisse Spannung bekommen.

Auch Woodbrook selbst ist detailliert gestaltet. Die Geschäfte, Häuser und Straßen vermitteln das Gefühl eines realen kleinen Städtchens. Dadurch entsteht ein glaubwürdiger Schauplatz für eine Geschichte, die eigentlich völlig absurd klingt.

Genau diese Mischung macht den Comic aber so eigenständig. Horvath erzählt keinen gewöhnlichen Serienkiller-Thriller und setzt lediglich niedliche Tiere daneben. Die Tierwelt, die Kleinstadt und Sams Doppelleben sind eng miteinander verbunden und bilden gemeinsam das Konzept dieses Comics.

Fazit:
Beneath the Trees – Wo niemand dich sieht – Band 01 verbindet niedliche Optik, düsteren Krimi und schwarzen Humor zu einem ungewöhnlichen Genre-Mix. Samantha Strong ist dabei eine faszinierende und moralisch höchst fragwürdige Hauptfigur. Das sorgt dafür, dass Beneath the Trees ein außergewöhnlicher und eigenständiger Comic geworden ist, der vor allem durch seinen ungewöhnlichen Kontrast im Gedächtnis bleibt.

Zu erwerben gibt es Beneath the Trees – Wo niemand dich sieht – Band 01 für 29,00 Euro (bzw. 22,99 Euro als E-Book) bei Amazon, im Buchhandel sowie direkt beim herausgebenden Panini Verlag.

© 2026 Panini Comics

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Special vom: 30.08.2026
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
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