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Brettspiele - Elysium
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Elysium ist in der griechischen Mythologie die Insel der Seligen, ein Ort erschaffen von Göttern, als Geschenk an wackere Helden. Für mich bedeutet Elysium absolute Konzentration, spannende Niederlagen, verzweifeltes Haareraufen und zum Teil ein sehr kompetitiver Kampf um Kartenmehrheiten. Das ist weit entfernt von der griechischen Vorlage, aber wer will schon auf eine selige Insel, wenn er großen Spaß am Wohnzimmertisch haben kann?

Farbige Säulen
Ich bin dran, als zweiter in dieser Runde. Leider, denn von der Tischmitte wurde die Poseidon-Karte des zweiten Ranges schon weggeschnappt, die so gut in meinen Familienmythos gepasst hätte. Von den anderen neun ausliegenden göttlichen Familien-Karten könnte ich noch zwei gebrauchen. Vielleicht nehme ich stattdessen aber als erster eine Aufgabe, dann bin ich zumindest wieder Startspieler? Nur liegen, wenn ich wieder dran bin, noch die beiden Familienkarten auf dem Tisch? Bezahlen muss ich meine Wahl mit der Abgabe von einer der vier farbigen Säulen (rot, gelb, grün, blau), das Fiese an der Sache: Jede Karte setzt zwingend das Vorhandensein gewisser farbiger Säulen voraus. Gebe ich die blaue Säule ab, kriege ich die Initiations-Karte nicht mehr, ohne die rote Säule bleibt mir die Flutwellen-Karte verwehrt und vor allem bekomme ich dann die Aufgabe auf Platz eins nicht mehr. Also gelb, ja die gelbe Säule ist unnütz. Ich nehme also die Initiations-Karte, weil ich die blaue Säule noch habe und lege die gelbe Säule beiseite - äh, argh, warte, nur mit gelb und blau kriege ich den Gott der Diebe...

Alles verstanden? Elysium ist die Qual der Wahl, mit stetem Blick auf die Konkurrenten und gleichzeitigem Versuchen seine Runde über vier Züge geschickt zu planen. Was am Tisch wunderbar taktisch fordert, fängt atmosphärisch und leicht an.

Elysium_BOX_3D_bisEin Inlay für Götter
In der heutigen Zeit packt man meistens seine Spielmaterialien in kleine Plastiktütchen, nicht so in Elysium. Das Inlay für die Spielmaterialien ist durchdacht, aber vor allem wundervoll atmosphärisch. Die Familienkarten und Tableaus ergeben in der Schachtel einen griechisches Tempel. Selten habe ich so gerne meine Karten, Pappmarker und Tableaus verpackt wie in Elysium. Die atmosphärische Gestaltung macht aber nicht bei der Schachtel Halt, sondern schließt auch die Materialien mit ein. Griechische Geschichte und Mythologie wurde in einem Brettspiel selten so schön präsentiert, was vor allem daran liegt, dass die Karten jeder Gottheit von genau einem Künstler erschaffen wurden und so jeder Kartensatz seinen ganz eigenen Stil besitzt.

Das Elysium
Spielziel in Elysium ist es, mit den Familienkarten, ähnlich wie in Rommé, spezielle Abfolgen zu kreieren, die Mythen genannt werden. Ein Familienmythos besteht zum Beispiel aus den Zeus-Karten der Wertigkeit eins, zwei und drei, wobei es schon bei zwei passenden Karten Teilpunkte gibt. Als zweites kann man Mythen eines Ranges bauen, bei dessen Abfolge man zwingend Karten unterschiedlicher Götter aber mit gleichem Rang sammeln muss. Bonuspunkte gibt es pro Gottheit zusätzlich für den Spieler, der als erstes und zweites einen Familienmythos vollendet oder die längste Abfolge von Karten bei den Mythen eines Ranges schafft. Hier muss man seine Gegner genau im Auge behalten, um möglichst viele Bonussiegpunkte zu ergattern. Dabei hat man fünf Epochen (=Runden) Zeit, oft viel zu wenig, um all das umzusetzen, was man sich vielleicht vorgenommen hat.

Ganz schön anspruchsvoll
Das Sammeln von Abfolgen ist bei Rommé im Gegensatz zu Elysium relativ unkompliziert. Als Halbgott am Tisch kommt man schon leicht ins Schwitzen, falls Hirne schwitzen können. Die Säulenmechanik hatte ich eingangs ja schon beschrieben, sie sorgt für zum Teil arges Kopfzerbrechen. Nur im ersten Zug einer Epoche hat man die komplett freie Auswahl, weil auf den Spielertableaus alle Säulen der vier Farben noch stehen. Am Ende eines Zuges muss man aber immer eine Farbe abgeben, was bedeutet, dass man in den drei folgenden Zügen der Epoche keine Karte oder Aufgabe erhalten kann, die der abgegebenen Säule entspricht. Da man in jeder Runde eine weitere Säule abgibt, wird der Pool der Karten immer kleiner. Hier muss man gut planen! Was wollen meine Gegner haben? Welche Säulen geben diese ab? Was brauche ich noch und in welcher Reihenfolge möchte ich die Karten ziehen? Selten geht der Plan komplett auf, oft funken andere Spieler dazwischen, schlimmstenfalls mit einer fiesen Aktion einer ausliegenden Karte.

Es ist nämlich so, dass jede erhaltene Karte, die oberhalb des eigenen Heldentableau abgelegt wird, immer eine Sonderregel beinhaltet. Das kann ganz harmlos sein, wie der Erhalt eines Siegpunktes, es kann aber für die Mitspieler echt fies werden, wenn Karten oder Gold abgelegt werden müssen. Die Aktionen gehen sogar so weit, dass man sie manchmal in jeder neuen Epoche zünden darf! Man muss sich aber gut überlegen, ob man die Karten in der Sphäre behalten möchte, so heißt der Bereich oberhalb des Heldentablaues, weil die Karten so nicht für die Mythen zählen, ergo keine Siegpunkte am Ende generieren.

Ab ins Elysium
Damit mit den Karten Siegpunkte durch die Mythen generiert werden können, müssen Sie unterhalb des Tableaus im Elysium liegen. Aus der Spähre ins Elysium können Karten nach der Aktionsphase in der folgenden Mythosphase wandern, sofern man genügend Übergangspunkte und Gold besitzt - wäre sonst auch mit zu wenig Kopfzerbrechen gekoppelt. Jede Karte kostet anhand ihres Ranges entsprechend Gold und Übergangspunkte erhält man durch einige Familienkarten, vor allem aber durch die wählbare Aufgabe, die nebenbei die Spielreihenfolge der nächsten Runde bestimmt. Selten hat man aber mehr als drei oder vier Übergangspunkte, bei nur insgesamt 5 Epochen, da muss man schon sehr genau überlegen, wieviele Karten und wann man diese überführt. Um das Hirn noch weiter zum Schwitzen zu bringen, darf man einmal angefangene Mythen nicht verändern oder aufbrechen und Karten, die im Elysium liegen, dürfen für Aktionen nicht mehr aktiviert werden.

Elysium_setup_USHalbgötter brauchen Glück
Für reine Taktikfüchse, die sich jetzt ihre Lippen vor göttlicher Freude lecken, sei angemerkt, das auch Glück im Spiel ist. Ja genau, dieses Element, das manchmal die beste Idee zerstört und dem strutzigen Stumpfkopf neben Dir einfach einen Vorteil verschafft. Elysium ist am Ende weit davon entfernt, ein Glücksspiel zu sein, aber wenn man sich zum Beispiel teuer den "Startspieler" für die nächste Runde erkauft und dann die neuen Karten für die eigene Auslage kaum taugen, ist das ärgerlich. Es kann auch passieren, dass früh die Karten für gewisse Mythen gut ausliegen, dann aber bis zum Ende die fehlenden Karten, welche die Lücken schließen würden, einfach nicht auftauchen wollen. Hier muss man dann flexibel sein und sich der Spielsituation anpassen.

Langzeitmotiviation
Jede Gottheit steht in Elysium für eine andere Spielphilosophie und da man aus den acht immer nur fünf Götter auswählt, ist eine hohe Langzeitmotivation durch die unterschiedliche Spielausrichtung gegeben. Wenn ihr es fies in euren Runden mögt, spielt ihr mit den Karten von Hades, Ares, Hermes, Poseidon und Hephaistos wohingegen bei Ares, Athene, Hephaistos, Hermes und Zeus den Spielern die Siegpunkte nur so um die Ohren fliegen.

Fazit

Elysium, ich bin begeistert! Du spielst dich, wenn die Karten erstmal bekannt sind, schnell, machst zu zweit genauso viel Spaß wie bei vier Spielern und sorgst mit einer guten Mischung aus ein wenig Glück und viel Taktik für fortwährende Spannung! Gerade die Säulenmechanik ist herrlich fies, weil man sich selbst in jedem Zug immer mehr beschneidet und gleichzeitig den Gegner immer gut bei seiner Planung im Blick hat. Ja, Elysium kann man auch richtig fies gegeneinander spielen und das modulare Göttersystem bietet hier für alle Geschmäcker genügend Variationen. Optisch auch ein Leckerbissen, gibt es an Elysium kaum Erwähnenswertes auszusetzen.

Elysium

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Special vom: 06.06.2016
Autor dieses Specials: Christian Jacob
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