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Let's Watch: Suburbicon - Willkommen in der Nachbarschaft
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suburbiconIn den amerikanischen Vorstädten scheint die Welt noch in Ordnung. Doch wenn Regisseur George Clooney in Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft einen Blick hinter die Fassade des pastellfarbenen Bürgertums wirft, tun sich Abgründe auf. Die herrlich böse Krimi-Groteske erschien durch Concorde Home Entertainment am 22. März als DVD, Blu-ray und digital im Heimkino.

Hach, wie heimelig! In den Vorstädten Amerikas der Fünfziger Jahre kennen sich die Nachbarn noch, haben immer ein Lächeln auf den Lippen und alles ist in bester Ordnung. Wie dünn das Furnier dieser heilen Welt ist und welche grässliche Fratze sich dahinter verbirgt, zeigt Oscar®-Preisträger George Clooney in der pechschwarzen Krimi-Komödie Suburbicon. Diese bissig-genüssliche Dekonstruktion des „American Dream“ aus der Feder der Coen-Brüder enthält viel Aktualität.

Willkommen im sonnigen Suburbicon, einer idyllischen Vorstadtgemeinde mitten im Herzen Amerikas. Das Leben der Familie Lodge, die ein wichtiger Pfeiler der Gemeinde ist, wird eines Tages auf den Kopf gestellt, als ein Einbruch in ihrem Haus eskaliert. Der erste Fleck im sonst so adretten Vorort. Die Lodges geraten dadurch in einen Strudel ungewöhnlicher und höchst verdächtiger Ereignisse. Gleichzeitig zieht Familie Meyers in die Nachbarschaft und das kann nun wirklich nicht sein – denn die Meyers, da ist man sich einig, passen so gar nicht hierher!

Filmkritik
Georg Clooney (Ocean's Eleven, Hail Caesar!) ist schon seit langem als jemand bekannt, der Probleme anspricht, sei es auf filmische oder auf politische Weise. Mit Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft wollte er ganz ähnliches tun und schrieb das ursprünglich vor 31 Jahren von den Coen-Brüdern geschriebene Skript ein wenig um. Was am Ende raus kam, ist allerdings nicht so erfolgreich wie viele seiner vorherigen Projekte. Der Versuch des zweifachen Sexiest Man Alive der Geschichte rund um die Geschehnisse der Familie Lodge, einen aktuellen politischen Anstrich zu verpassen, funktioniert einfach nicht. Dabei ist es prinzipiell natürlich löblich, dass er die damals als auch heute andauernde Rassendiskriminierung - die leider auch viel zu oft in Hass umschlägt - anspricht. Jedoch wirkt dieser Teil für mich zu aufgesetzt: ja, zu gewollt. Der Film wird dem schweren Thema nicht gerecht, was vor allem daran liegt, dass es in der Haupthandlung auch nicht um Rassismus, sondern eben um die Geschehnisse der Familie Lodge geht, weshalb sie auch bis auf das Finale, quasi nebeneinander her- anstatt miteinander laufen.
Clooney hätte sich lieber voll und ganz auf die Lodges konzentrieren sollen, denn deren Parts sind wesentlich besser gelungen. Nicht nur das hier der typische schwarze Humor der Coen-Brüder richtig schön zur Geltung kommt, auch die Figuren sind wesentlich tiefgründiger. Während die schwarze Familie Meyers die ganze Zeit als eindimensionale Opfer gezeigt werden, dürfen sich die Lodges weiterentwickeln. So wird der spießige Gardner Lodge - hervorragend gespielt durch Matt Damon (Jason Bourne) - durch die schrecklichen Geschehnisse am Anfang, mehr und mehr zu einem gefühlskalten Typen, der irgendwann in aller Seelen ruhe, vor den Augen seines Sohnes, völlig blutverschmiert ein Sandwich ist. Julian Moore (Still Alice), die hier gleich eine Doppelrolle besetzt, geht nicht weniger skrupellos zur Sache, sodass man nicht nur einmal ungläubig auf das Cover schaut, um nachzusehen, ob hier wirklich der ansonsten ach so liebe George Clooney Regie führte. Ein absolutes Highlight des Films stellt Jungschauspieler Noah Jupe (Wunder) dar, der hier Gardners Sohn Nicky Lodge spielt. Wenn er seinem Vater und seiner Tante bei einem ganz besonderen Tischtennisspiel überrascht, ist die Reaktion des 13-Jährigen einfach unbezahlbar.
Was weniger gut gefällt, ist hingegen das gemächliche Tempo des Films. Man muss wirklich Geduld mitbringen, denn bis es endlich mal so richtig losgeht, dauert es seine Zeit. Und selbst dann ist es nicht so, dass das Tempo durchgehend hoch bleibt. Es gibt immer wieder sehr langatmige Passagen, die es einem manchmal doch recht schwer machen, dem Film die ganze Zeit über konzentriert zu folgen.

Bild & Ton
Das Bild der von uns getesteten Blu-ray-Version sieht durchweg sehr gut aus. Das liegt natürlich auch zu einem Großteil an den beim Dreh genutzten Arri-Alexa-65- und Arri-Alexa-XT-Plus-Kameras, die grundsätzlich für ein gutes Bild sorgen. Rauschen oder ähnliche Probleme wird man hier keine Vorfinden. Stattdessen sieht man auf eine bisweilen überdurchschnittliche Schärfe, natürlich wirkende Farben und ein guter Kontrast, der auch für eine ansehnliche Plastizität sorgt. Manchmal wurde ein Weichzeichner genutzt, der dafür sorgt, dass Außenaufnahmen etwas heller wirken und der Schwarzwert hier nicht ganz so knackig ist. Ansonsten ist aber auch dieser sehr ordentlich.
Der Ton liegt sowohl im englischen Original als auch in Deutsch in DTS-HD MA 5.1 vor, dennoch gibt es kleinere Unterschiede. Im Deutschen stehen die Dialoge mehr im Vordergrund, weshalb alles ein wenig frontlastiger als im englischen wirkt. Dies macht aber nicht viel, denn wirklich actionreich geht es ohnehin nur ganz selten zur Sache, sodass auch die deutsche Tonspur sehr gut klingt. Zumal die jazzige Filmmusik, die übrigens sehr gut zum Film passt, auch hier wunderbar aus allen Boxen klingt und den Subwoofer gekonnt mit einbringt. Es gibt also keinen triftigen Grund, sich den Film nicht auf Deutsch anzusehen.

Bonusmaterial
Das Highlight unter den Extras ist sicherlich der Audiokommentar von Regisseur George Clooney und Co-Autor Grant Heslov. Die beiden geben hierbei interessante Einblicke in die Produktion und auch sonst nette Informationen. Des Weiteren gibt es drei Featurettes. Das Erste kümmert sich dabei ausschließlich um die sehr gelungene Filmmusik des französischen Komponisten Alexandre Desplat, der schon für über 150 Film- und Fernsehproduktionen Musik komponierte und dabei auch mehrfach für einen Oscar nominiert wurde, wovon er 2015 (Beste Filmmusik für Grand Budapest Hotel ) und 2016 (Beste Filmmusik für Shape of Water – Das Flüstern des Wassers ) auch zwei gewinnen konnte. Das zweite Featurette dreht sich um das Casting und zeigt dabei Interviews mit den Darstellern. Das dritte Featurette ist im Grunde ein Making-of und gibt in knapp 30 Minuten interessante Hintergrundinformationen zum Film preis und gewährt auch einen Blick hinter die Kulissen der Produktion. Abgerundet werden die Extras vom deutschen sowie original Kinotrailer. Insgesamt ein wirklich gelungenes Angebot, dessen Highlight meiner Ansicht nach aber auf jeden Fall der Audiokommentar darstellt.


Fazit:

Technisch gibt es an der Blu-ray zu Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft nichts auszusetzen und auch die gebotenen Extras lassen keine Wünsche offen. Doch leider kann der Film selber diese Qualität nicht halten. Clooney schafft es einfach nicht, die beiden Handlungsstränge um die Familien Meyers und Lodge sinnvoll miteinander zu verbinden – erst ganz zum Schluss finden sie zueinander, allerdings auch auf eine eher seltsame Art und Weise. Anstatt diesen Spagat zwischen ernstem Rassismus-Drama und schwarz-humorigen Thriller zu versuchen, hätte sich Clooney lieber voll und ganz auf die Geschehnisse der Lodges konzentrieren sollen. Deren Geschichte ist nämlich nicht nur sehr viel besser geschrieben, sondern auch wesentlich unterhaltsamer.
Am Ende bleibt so leider ein ambitionierter Versuch beides miteinander zu verbinden, der aber weder dem einen noch dem anderen wirklich gut tut.


Originaltitel: Suburbicon
Darsteller: Alex Hassell, Brady Allen, Carter Hastings, Dash Williams, Diane Dehn, Ellen Crawford, Gary Basaraba, Glenn Fleshler, Jack Conley, Julianne Moore, Leith M. Burke, Matt Damon, Megan Ferguson, Michael D. Cohen, Noah Jupe, Oscar Isaac, Steve Monroe, Steven M. Porter, Tony Espinosa
Regisseur(e): George Clooney
Veröffentlichung: 22. März 2018
Studio/Verleih: Concorde Home Entertainment
Spieldauer: 105 Minuten
Altersfreigabe: Freigegeben ab 16 Jahren

Wer jetzt Interesse daran hat Suburbicon- Willkommen in der Nachbarschaft zu kaufen, kann dies u.a. über Amazon machen. Den Film gibt es ab 9,99 Euro auf DVD und Blu-ray.
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Special vom: 30.03.2018
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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