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Stromausfall - Coin-Op: Ataris Spielautomaten

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Coin-Op: Ataris Spielautomaten

Coin_OpIn Zeiten von PS3, Xbox 360, Wii U und den kommenden Next-Gen-Konsolen, nimmt kaum noch jemand Notiz von ihnen - dabei würde es ohne sie all dies eben genannten Konsolen wohl gar nicht geben. Die Rede ist von Coin-Ops, besser bekannt als Spielautomaten. Mit ihnen fanden Videospiele den Weg in die große Öffentlichkeit und sorgten somit dafür, dass wir jetzt überhaupt darüber diskutieren können, ob nun die PS4 oder doch die Xbox One die bessere Konsole sein wird.

Der wichtigste Spielautomatenhersteller war dabei wohl zweifelsfrei Atari, die mit Pong den Grundstein für alles weitere legten. Obwohl dies also ein wichtiger Punkt in der Videospielgeschichte darstellt, gab es bis jetzt kein deutschsprachiges Buch, das sich mit der Geschichte Ataris bzw. deren Spielautomaten beschäftigte. Bis Dietmar Bertling kam. Der hat sich der Sache nämlich mal angenommen und ein Buch verfasst, das auf 239 Seiten die Geschichte von Ataris legendärer Spielautomatenabteilung erzählt.

Dabei beschränkt sich der Autor in seinem Werk, dass auf den passenden Namen Coin-Op: Ataris Spielautomaten hört, aber nicht nur darauf, die einzelnen Spielautomaten vorzustellen. Vielmehr erfährt man hier alles von der Gründung 1972 durch Nolan Bushnell und Ted Dabney über die schwierige Zeit um 1982 bis hin zum endgültigen Aus von Atari Games (bzw. Midway Games West, wie Atari seit Januar 2000 offiziell hieß) im Jahr 2003. Natürlich werden auch immer wieder die wichtigsten Spielautomaten und Spiele genannt und teilweise auch genauer vorgestellt (insgesamt werden an die 470 Spiele verschiedenster Hersteller erwähnt oder vorgestellt - teilweiße auch bebildert), doch noch interessanter sind die kleinen Anekdoten, die der Autor immer wieder zu berichten weiß. So erfährt man zum Beispiel, dass es in Ataris Anfangszeiten sehr lässig zuging und Herr Bushnell Geschäftsbesprechungen gerne mal in komfortablen Outdoor-Warmwasser-Badewannen abgehalten hat (die sogenannten Hot Tub Sessions), bei denen es reichlich Alkohol, Drogen und "topless" Firmensekretärinnen gab (trotzdem wurden hier wohl erstaunlicherweise die besten Spiel- und Produktideen erdacht).

Ebenso bekommt man erzählt wie ein schmächtiger, langhaariger, übelriechender, und ungepflegt aussehender, 18-jähriger Hippie Ende 1974 bei Atari als Techniker anheuerte. Sein Name war Steve Jobs. Der spätere Mitbegründer von Apple konnte zwar aufgrund seiner Hartnäckigkeit und seines Talents Al Alcorn von sich überzeugen, allerdings lief es für ihn in der Firma überhaupt nicht gut. Wegen seiner offenen, sehr direkten und teilweise äußerst verletzenden Art machte er sich binnen kürzester Zeit bei seinen Arbeitskollegen (die er sogar oftmals als Idioten und Trottel bezeichnete) unbeliebt, so dass er von der Tag- in die Nachschicht versetzt wurde. Zudem erfährt man, dass Jobs eines Tages mehrere Monate verschwand, um eine Backpacker-Pilgerreise nach Indien zu unternehmen, in deren Verlauf er intensive LSD-Erfahrungen machte. Irgendwann kam er schließlich mit kahlrasiertem Kopf und einer schweren Hepatitiserkrankung zurück, und fand sich schon bald ganz unten in der Firmenhierarchie wieder.

Von solchen interessanten und mitunter auch humorvollen Anekdoten gibt es im Buch zuhauf.
Das ist aber noch lang nicht alles was Coin-Op: Ataris Spielautomaten zu bieten hat. Insgesamt besteht das Buch nämlich aus drei Kapiteln, wobei sich lediglich das erste um die Firmengeschichte Ataris kümmert. In Kapitel Zwei (The Making of Ataris Star Wars - Die Geschichte der unvergessenen Spielautomaten) dreht sich hingegen, wie der Name schon verrät, alles um Ataris Star-Wars-Spielautomaten. Und auch hier hat der Autor wirklich sehr viel recherchiert und eine ebenso ausführliche Übersicht über die legendären Star-Wars-Automaten geschrieben, die von der Entstehung über die Technik bis hin zu den aufgegebenen Ideen und dem bis heute letzten Star-Wars-Spielautomaten (Star Wars Starfighter aus dem Jahr 2003)  erzählt.

Das dritte und somit letzte Kapitel hat gleich zwei Themen. Zum einem wird hier die ganze Making of Geschichte des großartigen Dragon's Lair beschrieben. Der zweite Teil des Kapitels dürfte noch für viele aber noch interessanter sein. Denn während man über das 1983 von Cinematronics veröffentlichte Dragon's Lair auch abseits dieses Buches das ein oder andere lesen kann, gab es über die anderen Laserdisc-Automaten bisher kaum irgendwelche Informationen. Umso erfreulicher ist, dass in diesem Kapitel nun endlich die weltweit wichtigsten je veröffentlichten Laserdisc-Automaten kurz vorgestellt werden. So kann man hier unter anderem etwas über Galaxy Ranger, Us vs. Them und Firefox erfahren.

Leseprobe

Nach der Firmengründung mieteten sich Bushnell und Dabney ein preiswertes 1700 Quadratmeter Bürogebäude am Scott Boulevard im heruntergekommenen Industriegebiet von Santa Clara und verdienten sich zunächst mit der Reparatur defekter Arcade- und Pinball-Automaten ihr Geld. Darüber hinaus profitierten sie von den Flipper- und Computer Space-Einnahmen einer sogenannten „Amusement Route“, die sie zuvor Nuttings ehemaligem Verkaufsleiter Dave Ralston abgekauft hatten und die hauptsächlich aus einer Reihe regionaler Arcades, Bars und Pizza-Restaurants bestand. Bushnell schwebte zu diesem Zeitpunkt vor, aus Atari eine Art Ideenschmiede zu machen, die innovative Arcadespiele entwickelt und an Automatenfirmen zur Produktion lizenziert. Doch zunächst galt es, im Auftrag des führenden Pinballherstellers Bally ein Spiel (sowie einen Flipperautomaten) zu designen. Dafür war Bally sogar bereit, Bushnell ein halbes Jahr lang monatlich 4000 Dollar zu bezahlen.

Bushnell wusste zu diesem Zeitpunkt bereits relativ genau, wie dieses Spiel aussehen sollte. Die Idee dazu hatte er während seiner Zeit bei Nutting auf einer Messe im Mai 1972 gewonnen, auf der das Elektronikunternehmen Magnavox das vom deutschen Einwanderer und Technik-Guru Ralph Baer entwickelte „Odyssey“-System vorgestellt hatte – das erste elektronische Heim-Spielsystem der Welt. Auf diesem hatte man eine Art Tennisspiel spielen können, das Bushnell sehr interessant fand.

Doch Bushnell benötigte dringend einen qualifizierten Techniker, der diese Aufgabe bewältigen konnte. Er erinnerte sich an einen jungen College-Studenten Namens Allen („Al“) Alcorn, einen kleinen, breitschultrigen Typen mit Vollbart, den er und Dabney während ihrer Zeit bei Ampex als „Trainee“ kennengelernt hatten. Der frische Berkeley-Absolvent und mittlerweile fertig ausgebildete Elektrotechnikingenieur wurde daraufhin einer der ersten Angestellten Ataris. Um sicherzugehen, dass Alcorn auch wirklich sein Bestes gab, flunkerte Bushnell dem ehemaligen College-Footballspieler vor, dass er einen Vertrag mit dem Multikonzern General Electric abgeschlossen habe, ein kostengünstiges elektronisches TV-Ping-Pong-Spiel für den Heimbereich zu designen, dass so einfach sein sollte, dass (so Bushnell) „jeder Betrunkene in einer Bar es spielen kann“. Gleichzeitig sah Bushnell das Projekt als Übungsaufgabe für Alcorn an, da dieser bis dahin noch nie ein Spiel programmiert hatte und sich mit der Entwicklung von „Television Games“ erst einmal vertraut machen sollte.


Fazit:
stefan2Für Retro-, Arcade- und Atari-Fans ist Coin-Op: Ataris Spielautomaten von Dietmar Bertling das wohl momentan beste Buch im deutschen Handel. Denn hier bekommt man nicht nur die ganze Geschichte von Atari (und im speziellen von deren Automatenabteilung) samt interessanten Anekdoten erzählt, sondern obendrein auch noch ausführliche Informationen zu sämtlichen Star-Wars-Automaten, interessante Hintergrundgeschichten rund um die Entstehung von Dragon’s Lair sowie eine Auflistung der fast vergessenen LaserDisc-Automaten, wie sie bisher einzigartig in einem deutschen Buch ist.
Aus all diesen Gründen kann ich jedem, der auch wirklich nur das geringste Interesse an Retrospielen, Arcades oder Atari hat, oder auch nur etwas über die Entstehungsgeschichte seines liebsten Hobbys wissen möchte, Coin-Op: Ataris Spielautomaten uneingeschränkt empfehlen!

Zu erwerben gibt es Coin-Op: Ataris Spielautomaten für 19,80 Euro in jedem gut sortierten Buchhandel, bei Amazon oder direkt beim Skriptorium Verlag.



Special vom: 19.07.2013
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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