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Kurz vorgestellt: Draugen
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Nachdem Draugen bereits auf dem PC erschienen ist, ist es nun auch auf den Konsolen erhältlich. Für uns ist das die ideale Gelegenheit, das norwegische Adventure einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

In Draugen verschlägt es uns ins norwegische Örtchen Graavik der 1920er Jahre. Dort sind wir als Edward Charles Harden, denn dort wurde zuletzt die mittlerweile verschollene Schwester Betty des US-Amerikaners gesehen, die er nun ausfindig machen möchte. Dabei ist er nicht alleine unterwegs. Begleitet wird er von der 17-jährigen Alice, die stets aktiv und kess ist. Weshalb genau sie uns begleitet und in welcher Beziehung wir zu ihr stehen, bleibt zunächst einmal unbeantwortet. Gleiches gilt auch für die Geschehnisse, die in dem Dorf vor sich gingen, denn als wir dort ankommen, ähnelt das Dorf einer Geisterstadt. Keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen. Was ist mit den Einwohnern des idyllischen Küstenörtchens geschehen und ist unserer Schwester das Gleiche widerfahren?
Dies zu beantworten, ist von nun an unsere Aufgabe, die allerdings nicht leicht zu lösen ist, denn schon bald offenbart sich ein ganzes Knäuel an mysteriösen Ereignissen, die hier wohl geschehen sind.

Interaktionen wie aus dem Leben
Obwohl die Geschichte sehr spannend ist, ist Draugen kein klassisches Krimispiel, bei dem es am Ende darum geht, die Lösung des Falls oder gar den Täter zu finden. Nein, beides bleibt unbeantwortet und muss vom Spieler selbst zusammengesponnen werden. Vielmehr stehen hier die beiden Hauptcharaktere und deren Zusammenspiel im Vordergrund. Gerade dieses Zusammenspiel der beiden wirkt hier so glaubhaft, wie in nur ganz wenigen Spielen zuvor. Das fängt schon bei den (leider nur in Englisch verfügbaren) Dialogen an. Sind diese oftmals eher nichtssagend und gekünstelt, wirken sie hier sehr natürlich und stellen einen elementaren Bestandteil des Erlebnisses dar. Wenn sie miteinander frotzeln, ist dies genauso natürlich, wie wenn sie plötzlich melancholisch werden oder gefühlvoll miteinander reden.
Auch wie Informationen weitergegeben werden, wird hier sehr natürlich dargestellt. In anderen Spielen ist es leider gerne mal so, dass beide Protagonisten alles bisher Herausgefundene haargenau aufzählen. Nicht so Edward und Alice. Da die beiden das Gleiche erlebt haben und somit auch auf dem gleichen Wissensstand sind, lassen sie ihre Informationen und Thesen auch gerne einfach mal beiläufig fallen – also genau so, wie es auch zwei reale Personen machen würden. Auch wie die beiden aufeinander reagieren, ist hier einfach sehr natürlich. Wenn Edward mal wieder über Betty redet, merkt man Alice ihre aufkommende Eifersucht anhand von Mimik und Tonfall an, ohne dass sie es extra erwähnen muss. Auch wie Alice sauer wird, wenn wir sie – ganz Videospiel-like – beim Gespräch nicht anschauen, wirkt einfach so, als ob sich hier zwei reale Personen gegenüber stehen würden.
Wie viel den Entwicklern daran gelegen war, die Interaktionen zwischen den beiden Charakteren so echt wie nur möglich erscheinen zu lassen, merkt man auch daran, wie man mit Alice spricht. Es gibt zwar ganz klassisch mehrere Frage/Antwort-Möglichkeiten, jedoch werden diese hier anhand von ein oder zwei Sätzen genau erklärt. Schließlich wüsste man selbst ja auch genau, was man sagen will, weswegen ein Rätseln, welche Bedeutung hinter einer möglichen kryptischen Antwort/Frage stehen würde, die Immersion nur zerstören würde.
Leider sind die Entwickler aber nicht immer so konsequent. Am Ende des Spiels geht es nämlich um ein sehr ernstes Thema (um welches, wird hier natürlich nicht gespoilert). Doch anstatt dieses genauso durchdacht anzugehen, wie alle anderen Themen und Dialoge zuvor, wird es nur oberflächlich und sehr klischeehaft angerissen, was wirklich mehr als bedauerlich ist.

Oh, wie schön ist Norwegen
Wer sich gefragt hat, weshalb ich bisher nur wenig zum eigentlichen Gameplay geschrieben habe, dem sei gesagt, dass es dazu nicht viel zu schreiben gibt. Draugen ist im Grunde ein Walking-Simulator, bei dem sich das Gameplay auf einem sehr überschaubaren Niveau bewegt. Auch die Möglichkeiten, das Dorf frei zu erkunden, gibt es nicht wirklich. Man kann sich zwar theoretisch überall hinbewegen, aber wenn das Spiel dies nicht möchte, verwehrt es einem einfach den storytechnischen Fortlauf. Oder anders gesagt: Man kann sich zwar alles ansehen, im Spiel kommt man deswegen aber noch lange nicht weiter.
Dafür kommt man so aber in den Genuss der wundervollen Grafik, die einen wie einst in What Remains of Edith Finch nicht nur einmal dazu einlädt, einfach mal ein wenig zu verweilen und die Kulisse zu genießen. Durch diese malerische Kulisse blindlings durchzurennen, wäre wirklich viel zu schade und würde der Mühe, die sich die Entwickler gemacht haben, auch gar nicht gerecht werden.
Perfekt abgerundet wird die Idylle von der sehr ruhigen Sounduntermalung, die keine unnötige Hektik ins Spiel bringt und somit perfekt zum Spiel passt.


Fazit:
Spielerisch eher Schonkost, bietet Draugen dafür eine umso interessantere Geschichte, die vor allem vom Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere lebt. Wie Edward und Alice hier miteinander interagieren, wirkt nämlich so real, wie man es vorher in Videospielen nur selten miterleben durfte. Ebenso sehenswert ist auch das Örtchen Graavik, das so malerisch daherkommt, dass man gerne etwas länger verweilt, als es eigentlich notwendig ist. Schade, dass das Finale des Spiels etwas unbefriedigend und oberflächlich ist, aber auch so ist das norwegische Adventure absolut spielenswert.
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Special vom: 02.03.2020
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
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